Bernal Diaz del Castillo hatte als junger Mann selbst an Hernàn Cortès Expedition in Mittelamerika teilgenommen und schrieb am Ende seines Lebens seine Erinnerungen an diese Zeit nieder. Er schildert auf farbenprächtige und subjektive Art die Geschichte von der Niederwerfung des Aztekenreiches durch die spanischen Konquistadoren zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Natürlich darf man angesichts seiner unmittelbaren Beteiligung und seiner epochengebundenen Überzeugungen keine moderne und kritische Darstellung erwarten - hier sei das Buch "Die Eroberung Mexikos" von dem englischen Historiker Hugh Thomas empfohlen - dennoch übt gerade dies einen besonderen Reiz aus. Mit etwas Aufmerksamkeit entdeckt man in der Rethorik des Autors all die Vorurteile, weltliche wie missionarische Motive und Denkmuster, die das Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener aber hochentwickelter Zivilisationen aus spanischer Sicht verständlich machen. Das Erstaunen und die Ehrfurcht, welche die Eroberer beim Anblick der mexikanischen Hauptstadt empfanden ist wahrscheinlich von keinem anderen Autor aufrichtiger erzählt worden.
Diaz' Erzählung ist nach kurzer Gewöhnung an seine Formulierungen leicht und flüssig lesbar. Leider beteiligt er sich an den politischen Auseinandersetzungen, die nach dem Abschluss des waghalsigen Eroberungszuges einsetzten und holt gerade zu Ende des Buches zu einer weitgefassten Kritik der einzelnen Protagonisten aus, die mal als Betrüger mal als Helden bezeichnet werden. Hierbei verliert die Erzählung an Spannung und Überzeugungskraft. Historisch sind die Schilderungen ohnehin mit Vorsicht zu behandeln, wichtige Anmerkungen der Herausgeber im Anhang kommen diesen Defiziten aber in angemessener Weise entgegen.
Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert für Jeden, der einen realistischen Einblick in die ersten Schritte der Kolonisation Lateinamerikas erhalten möchte und nicht zuletzt durch die zahlreichen Karten und Bildern entsteht ein facettenreiches Abbild eines der größten militärischen Abenteuer der Geschichte.