Ich halte die beiden Teile der "Geschichte des Dramas" von Erika Fischer-Lichte für ihre lesenswerteste Publikation überhaupt. Die Idee zentrale, europäische Dramentexte unter Zuhilfenahme prominenter kulturtheoretischer Ansätze in einen Ordnungszusammenhang zu stellen ist ebenso spannend wie didaktisch sinnvoll. Das darstellte Spektrum erweist sich nicht zuletzt durch den klaren Aufbau, sowie die eingängige Sprache als leicht verständlich, so daß die "Geschichte des Dramas" das Potential hat auch außerakademische Kreise anzusprechen. Ansonsten kann man es nur jedem Geisteswissenschaftler wärmstens empfehlen, deutsche Theaterwissenschaftler, die es nicht kennen, dürfte es mittlerweile kaum noch geben. Diese Bände sind ein vorzügliches Beispiel dafür, was eine solide Kenntnis der Literaturgeschichte gepaart mit einem kühnen Willen und einer tragfähigen Gesamtkonzeption leisten können. Hier wird nicht voreiliger Diskursimport zur Stärkung der eigenen Disziplin betrieben, wie es häufig in jüngeren Publikationen der Verfasserin der Fall gewesen ist, es liegt hier vielmehr ein Standardwerk vor, wie es insbesondere für Studienanfänger in den Geisteswissenschaften besser kaum seien könnte.