Unter dieser Fragestellung wird man aus der Perspektive des Geschichtslehrers diesen Band auch sehen müssen. Insoweit ist der Kritik der vorhergehenden Rezession zuzustimmen. Doch neben diesen rein praktischen Problemen ist dieser Band überfällig gewesen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Lernprogramme und Software, die sich mit Geschichte und historischem Lernen beschäftigen nun bereits seit einigen Jahren in immer größerer Anzahl auf den Markt kommen und hierbei den Lehrbuchbestand begleiten und/oder erweitern. Man könnte natürlich nun danach fragen, warum diese Software in Schulen wenig Verwendung findet. Meine Antwort auf diese Frage ist schlicht: Es fehlt die Zeit. Übervolle Lehrpläne, Lehrwerke und fachfremder Unterricht schränken die Verwendung multimedialer Programme weitgehend ein.
Hier liegt sicherlich ein Desiderat zur Themenstellung dieses Bandes. Es bleibt zu hoffen, dass der Autor oder ein anderer den Blick auf die Praxis der (Nicht-)Verwendung einschlägiger Lernsoftware lenkt. Dieser Band ist sicherlich an den geschichtsdidaktisch-theoretischen Grundlagen der Verwendung von historischer Lernsoftware interessiert. Wie kann man nun die tiefe Skepsis überwinden, die langjährige Lehrer, PC-Kritiker, Mulitmedia-Muffel und Software-Verweigerer haben? Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Band Antworten auf eine diese Fragen zu geben vermag. Vielmehr leistet Oswalts Band aber etwas anderes: Er will den Geschichtsunterricht für diese Programme öffnen. Dabei verschweigt er die geschichtsdidaktische Diskussion nicht. Auch finden wir historische Lernsoftware, die sich von pseudo-historischen oder historisierenden Strategiespielen absetzt und den Blick auf didaktisch geeignete Lernsoftware- bzw. -spiele richtet. Wer mehr erwartet, wie z.B. eine kritische Auseinandersetzung gegenwärtiger Lernspiele etc., dem sei der zweite Band empfohlen. Wer sich also für Geschchtslernsoftware und -spiele sowie deren Bedeutung und Funktion im Geschichtsunterricht/historischen Lernen interessiert, der kommt an diesem Band nicht vorbei. Auch aus dem Mangel an geegneter weiterer geschichtsdidaktischer Literatur zu diesem Thema.