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Pressenotiz zu : Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Wer meint, ein Todesurteil wegen Blasphemie, wie es der iranische Ajatollah Chomeini gegen Salman Rushdie verhängt hat, wäre dem christlichen Abendland grundlegend fremd, der sollte Alain Cabantous lesen, meint Ulrike Brunotte. Sie hält seine "Geschichte der Blasphemie" für die überzeugende Demonstration der fundamentalen Rolle, die die Blasphemie und ihre Bekämpfung bei der Entstehung der modernen europäischen Gesellschaften gespielt haben. Von der Wucht der Beweise hat sich Brunotte offenbar mitreißen lassen. So schreibt sie denn auch sehr einnehmend. Sehr überzeugend stellt sie Cabantous Grundgedanken dar, wie sich über die "Gotteslästerung" das Verhältnis zwischen einem zu zivilisierenden Volk und einer disziplinierenden Obrigkeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert herausgebildet hat. Allein die Fülle der in dem Buch präsentierten Prozessakten hält Brunotte für bisweilen etwas ermüdend.
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Kurzbeschreibung
Die Gotteslästerung und die Schmähung, die Verwünschung und das religiöse Schimpfwort, der Fluch und der Eid - das Wort als Waffe, die verbale Aggression als Ritual, der Bruch mit dem Göttlichen. Was ist eigentlich Blasphemie? Theologen und Laien, Juristen und Historiker geben darauf unterschiedliche Antworten. Alain Cabantous legt eine interessante Kulturgeschichte dieses gesellschaftlichen Phänomens ab dem 16. Jahrhundert vor. Unterschied Thomas von Aquin noch zwischen Blasphemie des Wortes, des Herzens, der Gesten und des Schweigens, so kennt die europäische Gesellschaft, nachdem sie sich von kirchlichen Bindungen befreit hatte, nur noch die verbale Gotteslästerung. Ist nun die Kirche oder der Staat für die Bestrafung zuständig? Cabantous' spannend zu lesende Darstellung befaßt sich mit dieser entscheidenden Wandlung in der abendländischen Denkweise. Anhand von theologischen und juristischen Dokumenten, Beichthandbüchern und Gerichtsakten, literarischen Zeugnissen und Polizeiberichten untersucht er das Phänomen der Blasphemie und des Fluchens über mehrere Jahrhunderte hinweg.