Was Saramago in diesem Buch leistet, ist Sprachkunst auf höchstem Niveau. Der Leser hat es mit einem Autor zu tun, der es versteht, seinen ironischen Blick mittels Sprache auszudrücken und nicht durch die Denunziation seiner Figuren. Hier will ein Schriftsteller keine billigen Lacher und keinen schnellen Applaus erzielen, im Gegenteil, er hegt große Sympathie und großes Verständnis für seine Figuren, auch wenn er durch die Zeilen immer wieder über sie - besonders über den Protagonisten - schmunzelt und sich überhaupt verschmitzer, offen versteckter Kommentare nicht enthalten kann.In einer großartigen Konstruktion versteht es Jose Saramago, eine verhalten knisternde, unbeholfen erotische Liebesgeschichte mit der Schilderung eines historischen Ereignisses zu verknüpfen, und der Leser weiß oft nicht, wovon er gerade mehr mitgerissen ist. Die Sprache zwischen den verhandelnden kriegerischen Parteien des 12. Jahrhunderts, ihre unbeholfenen Verschleierungstaktiken, ihre hohlen und durchschaubaren, verzweifelten und gleichzeitig lächerlichen, aber offensichtlich notwendigen Phrasen sind dem „Geplänkel" zwischen den Liebenden des 20. Jahrhunderts sehr ähnlich und machen alles in allem das Buch zu einem köstlichen Erlebnis.