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Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war
 
 
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Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war [Taschenbuch]

Pauls Toutonghi , Eva Bonné
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: rororo (1. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499249383
  • ISBN-13: 978-3499249389
  • Originaltitel: Red Weather
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,7 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 206.421 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Pauls Toutonghi
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Produktbeschreibungen

Literaturtest.de

Interview mit Pauls Toutonghi

Pauls Toutonghi

Fotonachweis: Copyright privat

Pauls ToutonghiCountry-Star wollte Yuris Vater, der aus Lettland eingewandert war, eigentlich werden. Im echten Leben wohnt er mit seiner Familie in einer heruntergekommenen Ecke von Milwaukee und trinkt sich das Leben schön. Als sich Yuri in Hannah verliebt, wird er zum Ärger seiner Eltern über Nacht zum glühenden Sozialisten, und eine tragische Komödie nimmt ihren Lauf.

 

Frage: Die Eltern der Hauptfigur, Yuri Balodis, kamen aus Lettland in die USA. Welche Träume brachten sie mit?

 

Pauls Toutonghi: Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, sie träumten – wie so viele andere Menschen, die in die USA kamen – davon, dass Amerika sie reich machen würde. Doch dann stellt sich meistens heraus, dass die Realität anders aussieht – ganz anders.

Das System hier macht es Immigranten nicht leicht. Die Balodis hofften auf stabile Verhältnisse, einen Ort, wo man seine Meinung frei sagen kann und keine Angst vor Verfolgung haben muss. Letzteres bekamen sie, Ersteres allerdings nicht.

 

Frage: Yuris Eltern wollten einen ganz normalen amerikanischen Jungen haben. Doch dann wird er ausgerechnet Mitglied einer sozialistischen Partei. Was war schiefgelaufen?


Pauls Toutonghi: Nun, Yuri hatte sich in eine der Aktivistinnen verliebt. Er war unschuldig, naiv. Er hoffte, dass er bei Hannah punkten könnte, wenn er in der richtigen Partei wäre. Das macht ihn natürlich eher ungewöhnlich für einen amerikanischen Teenager – vor allem für einen Teenager in den 90er-Jahren.
Er guckte auf die Ideale des Sozialismus ganz sicherlich durch die rosarote Brille des ersten Verliebtseins. Ich glaube, dass die erste große Liebe eine unglaublich berauschende Droge sein kann. Sie kann fast jedes Ideal attraktiv erscheinen lassen. Ich erinnere mich noch an meine erste Freundin. Sie war politisch sehr aktiv – wenn auch nicht als Sozialistin. Ich ging mit ihr zu Kundgebungen und Protestmärschen, zu denen ich ohne sie nie gekommen wäre.
Yuri hat keine festen politischen Überzeugungen. Verpflichtet fühlt er sich nur gegenüber seinem Vater, den er ganz intuitiv liebt.

 

Frage: Yuris Vater ist eine ganz spezielle, kuriose Figur. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Pauls Toutonghi: Ich denke, er ist eine etwas tragische Gestalt. Natürlich trinkt er. Aber er hat auch einige sehr harte Zeiten erlebt. Er hatte immer den Traum, Musiker zu werden, doch das Leben hat ihm dazu keine Chance gegeben. Und dem trauert er nach. Er ist aber vor allem ein Geschichtenerzähler. Er kann aus der Vergangenheit wunderbare Geschichten machen. Und er schafft es mit seiner Nostalgie, die ganze Familie zu unterhalten.
Yuris Vater ist aber auch ein Toter. Er ist gestorben, als die Geschichte beginnt. Als ich das Buch schrieb, hing ein Zitat von Ernst Toller an meiner Pinnwand: „Danach konnte ich an keinem Toten vorbei gehen, ohne auf sein Gesicht zu schauen, das vom Tod der irdischen Patina beraubt war, die aus uns erst menschliche Seelen macht. Und ich fragte, wer warst du? Wo warst du zu Hause? Wer trauert jetzt um dich?“ Für mich ist das ein wunderschönes Zitat. In gewisser Weise beschreibt es, wie Schriftsteller auf ihre Figuren schauen.

Frage: Die Welt, die Sie beschreiben – die arme Gegend mit den polnischen Eckläden, dem Zusammenhalt der Einwanderergruppen –, existiert sie heute noch?

Pauls Toutonghi: Nein, sie gibt es nicht mehr. Die Gegend, die ich beschreibe, hat sich komplett verändert. Aber es gibt noch Gegenden in Brooklyn, New York, Greenpoint z. B., die ganz ähnlich aussehen. In dieser Ecke von Brooklyn leben viele polnische Einwanderer. Ich selbst habe da zwei Jahre verbracht. Für mich ist es der schönste Ort in ganz New York. Aber auch er verändert sich. Das ist das Interessante und das Traurige, das die amerikanischen Städte ausmacht: Sie verändern sich so stark und so schnell…

Frage: Sie haben ja sowohl lettische als auch ägyptische Wurzeln. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu beiden Ländern beschreiben?

Pauls Toutonghi: Mein Lettisch ist gut. Ich kann Lettisch schreiben und lesen und habe ein Gefühl für die dortige Kultur. Meine Mutter erzog mich wie einen Letten, das ist also ein ganz natürlicher Teil meiner Persönlichkeit.
Mein Vater stammt aus Kairo. Er lebte dort, bis er 14 war, und kam dann, 1946, in die USA und kehrte nie wieder zurück. Er kommt aus einer Familie koptischer Christen, und bei ihnen zu Hause sprach man Französisch. Deshalb kann ich etwas Französisch und auch Arabisch, aber nicht sonderlich viel. Ich glaube, man kann sich nur in einer Kultur zu Hause fühlen, deren Sprache man auch beherrscht. Sprache ist nach wie vor die Grundlage auch der Alltagskultur. Nächstes Jahr plane ich dennoch, nach Ägypten zu reisen. Ich habe so viele Geschichten aus Kairo gehört und würde diesen Ort gerne sehen, bevor man die Stadt, in der mein Vater groß wurde, überhaupt nicht mehr wiedererkennt. 

Frage: Ihr Buch ist sarkastisch, brüllend komisch, man begegnet vielen Menschen mit einem sehr großen Herzen. Unterstellt man Parallelen zu Ihrem eigenen Leben: War es immer dieses komische Leben, oder waren Sie auch schon an dem Punkt, dass Sie es einfach nur noch hassten?

Pauls Toutonghi: Ja, natürlich. Es gibt so viel Gewalt und Dummheit auf der Welt, dass einem schlecht werden kann. Manchmal überwältigt es mich einfach. Ich könnte dann verzweifeln. Aber ich glaube, hier kommt ins Spiel, was Schreiben leisten kann: Es kann den Schmerz über diese schwierige Welt lindern. Worte und Literatur bedeuten Trost für mich.

Frage: Was halten Ihre Eltern davon, dass Sie Schriftsteller geworden sind? Ist das der Beruf, von dem sie für ihren Sohn geträumt haben?

Pauls Toutonghi: Es gibt dazu ein berühmtes Zitat von Walter Benjamin: „Nur Bücher und Dirnen tragen ihre Streitigkeiten in der Öffentlichkeit aus.“ Vielleicht hätten sich meine Eltern gewünscht, dass ich meine inneren Konflikte zu Hause ausgefochten hätte.

Die Fragen stellte Henrik Flor, Literaturtest.

-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

«Für mich, einen ängstlichen Teenager mit einer übervorsichtigen Ostblockmutter und einem trinkenden Vater, lag der Gedanke an Sex in einer unfassbar fernen Zukunft. Ehrlich gesagt rechnete ich nicht wirklich damit.» Yuris Eltern haben dem sowjetischen Lettland schon lang den Rücken gekehrt und ignorieren hartnäckig, dass sie ihren amerikanischen Traum in den Sand gesetzt haben. Um jeden Preis wollen sie im öden Brauereinest Milwaukee heimisch werden. Yuris Vater ist von Wodka auf Bourbon umgestiegen, seine Mutter pflastert die Wände mit Werbeanzeigen. Nur Yuri scheint irgendwie aus der Art zu schlagen. Der 15-Jährige verliebt sich ausgerechnet in Hannah, die engagierte Kommunistin. Doch dann pustet der Wind of Change das Leben der Familie erst richtig durcheinander: Plötzlich fällt die Berliner Mauer, die lettischen Verwandten reisen an, und Yuri klaut ein Auto, um seine Angebetete zu beeindrucken ... «Bei Toutonghi trifft osteuropäischer Humor auf die amerikanische Fähigkeit, filmreife Geschichten zu erzählen.» Brigitte

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Von Der Buch-Vorleser TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist die Zeit des zusammenbrechenden Sozialismus in Europa, die Sowjetunion triftet auseinander und mit ihr verabschiedet sich ein sozialistisches Staatengebilde nach dem anderen.
In der DDR fällt die Mauer und drüben in Amerika, dem gelobten Land, versucht die Auswandererfamilie Balodis aus Lettland immer noch Fuß zu fassen.
Damals, in den 60er Jahren, waren sie herüber gekommen um der Enge und dem Druck der Heimat, die nicht mehr die Heimat war, zu entfliehen und um ihr Glück zu machen in dem Land, das angeblich unbegrenzte Möglichkeiten bietet.
Yuri Balodis wächst bei seiner ihn behütenden Mutter und dem trinkenden Vater in Milwaukee auf und oft kommt er in den Genuss phantasievoller Erzählungen des Vaters aus den Zeiten, wo die Welt zwar schon nicht mehr in Ordnung war, es aber alles noch in geregelteren Bahnen lief.
"Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war" ist die melancholische Draufsicht auf das Familienleben einer baltischen Familie im Amerika des ausgehenden 20. Jahrhunderts und es ist zugleich die Geschichte eines Scheiterns, einer Erkenntnis und eines neuen Anfangs.
Mit warmen Humor und ungemein viel Sympathie für seine Figuren erzählt der Amerikaner Pauls Toutonghi eine Geschichte, die exemplarisch für ach so viele Geschichten vom amerikanischen Traum steht, der oftmals in der Enge bürgerlicher Unzufriedenheit sein klägliches Ende findet.
Yuri ist ein ganz normaler amerikanischer Heranwachsender, der gelegentlich darunter leidet, dass sich seine Eltern von ihrer Vergangenheit, ihrer Heimat und ihrer Sprache rettungslos weit entfernt haben. Da kommen ihm die abendlichen Geschichten des Vaters auf dem Balkon gerade recht und lassen ihn zumindest gelegentlich eintauchen in eine Welt, die er nie kennen gelernt hat.
Voller Dramatik und mit manchen Verletzungen gepflastert verläuft Yuris Weg durch die Pubertät und er erlebt hautnah das Scheitern seines Vaters an den eigenen Ansprüchen, am Alkohol und an dem ersehnten und nun doch nicht glückselig machenden System.
Am Ende wachsen Toutonghis Protagonisten über sich selbst hinaus und finden ganz nahe zueinander und nicht einmal die Widrigkeit des Todes vermag sie zu trennen. Ein ganz und gar stilles und doch richtig lustig geschriebenes, wunderschönes Buch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rock 'n Roll, Baby! 17. April 2009
Von D. Martin
Format:Gebundene Ausgabe
Kaum lernt Yuri Balodis Hannah kennen, stellt es seine Welt als Sohn lettischer Einwanderer und als Bücherwurm (fast) komplett auf den Kopf.
Die Country-Star Geschichten des betrunkenen Vaters, allabendlich auf dem Balkon erzählt, rücken in den Hintergrund: Kommunismus in Amerika, das ist Rock 'n Roll, Baby.
Und so erlebt Yuri wegen der "roten" Hannah, wegen des Mauerfalls und einem nun möglichen Verwandtenbesuch aus Lettland eine wilde Pubertät, die er als Ich-Erzähler mit einigen Jahren Abstand zum Besten gibt.
Das Buch ist warmherzig, anrührend und unglaublich komisch, alle Figuren, so skurril sie sein mögen, liebenswert und detailliert gezeichnet. Großer Lesegenuss!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von J. Berger
Format:Gebundene Ausgabe
Selten habe ich ein Buch voller Begeisterung innerhalb von wenigen Tagen durchgelesen. Doch die Geschichte von Yuri Balodis gehört dazu.

In diesem teilweise schräg und humorvollen, teilweise aber auch ernsten und nachdenklich machenden Roman wird weit mehr als nur der Weg zum Erwachsenwerden eines 16jährigen Jugen behandelt.
Es geht um politische Fragen, Einblicke in das Leben im einst sowjetischen Lettland bis hin zur ersten Liebe und zwei Straftaten.

Die einstige Sowjet-Family strebt ein möglichst amerikanisches und kapitalistisches Leben an, während Hannah und ihr Vater, aufgewachsen im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" lieber ein Leben nach sozialistischen Vorstellungen führen würden. Im Laufe des Buches geraten beide Vorstellungen ständig aneinander und man kann sich seine eigene Meinung dazu bilden.

Was ebenfalls sehr positiv ist, ist dass die Figuren sehr schön ausgearbeitet wurden. Jeder Charakter, egal ob der dauerbetrunkene Vater Yuris, der kommunistische Vater Hannahs als auch die Mutter mit dem süßen Ostblock-Akzent haben auf ihre eigene Art und Weise etwas liebenswürdiges an sich.

Auf jeden Fall sein Geld wert.
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