Da die "Geschichte der Balkanländer: Von der Frühzeit bis zur Gegenwart" in ihrer 5., aktualisierten und erweiterten Auflage bereits im Main 2008 erschienenen ist, konnten keine späteren Ereignisse, wie z. B. die NATO-Beitritte Kroatiens und Albaniens zum 1. April 2009 nicht mehr berücksichtigt werden. Daneben kommt auch der EU-Beitrittsstatus dieser Staaten und das Problem um Mazedonien (FYROM) und Griechenland zu kurz. Die Schilderung einer mehr als 4000jährigen Geschichte der Balkanländer, inklusive Ungarns und der rumänischen Fürstentümer, ist ein gewaltiges Unterfangen, das eines enormen Fleisses bedarf. Will man dies auf 300 Seiten erreichen, müssen Schwerpunkte gesetzt und einzelne Themen aus aus generalistischer Sicht betrachtet werden. Für besondere Details ist hierbei recht wenig - wenn überhaupt - Platz.....
....während Prinz Eugen von Savoyen, Stefan III. Cel Mare, Fürst der Moldau und die Feldherren Skanderbeg und Johann Hunyadi zum Teil mehrmals erwähnt werden, fehlen andere Widerstandskämpfer gegen die Osmanen, wie Johann Matthias, Reichsgraf von der Schulenburg-Emden oder der Wojwode Vlad III. gänzlich. Die Beschreibung von der Früh- bis zur Römerzeit" ist recht knapp gehalten. Der Leser bekommt fast keine näheren Informationen über Illyrer, Thraker usw. Auch die mittelalterliche, dualistische Sekte der Bogomilen wird nur kurz gestreift. Während auf das Phänomen der Aromunen an einigen Stellen eingegangen wird, wird man im Buch nach den noch heute lebenden Minoritäten der Pomaken, Goranen, Ashkali etc. vergeblich suchen.
Ein Drittel des 354seitigen Buches besteht aus Materialien, in die der Leser mit dem Artikel "Südosteuropa in der Forschung" (S. 303) eingeführt wird. Einer mit 73 Seiten beachtlichen Bibliographie, in der u.a. auch Internetressourcen gelistet sind, ist eine eigne Gliederung vorangestellt. Eine 38seitige Zeittafel beginnt im 2. vorchristlichen Jahrtausend mit der Einwanderung thrakischer Stämme im Nordostbalkan und endet am 17. Februar 2008 mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. Neben dem 20seitigen Orts- und Personenregister ist das abschließende, knapp zweiseitige Glossar nahezu bescheiden geraten. Vier Landkarten (10. Jh., 14 Jh., 1878-1881, 2008) dienen der Visualisierung einzelner historischer Epochen.
Alles in allem betrachtet ist Edgar Höschs "Geschichte der Balkanländer" ein kompaktes Standardwerk, das mir auch als Reisebegleiter wertvolle Dienste leistet. Der flüssige Schreibstil ermöglicht ein Schwerpunktschmökern, genauso wie das chronologische Lesen. Zum Verschaffen eines Überblicks, als auch zum Nachschlagen geeignet, lässt das Buch leider ein Sachregister vermissen. Für eine tiefer gehende Beschäftigung mit Einzelthemen bietet jedoch die zitierte Bibliographie eine Vielzahl von Möglichkeiten. 4 Amazonsterne.