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Einen der besten historischen Überblicke zum Thema bot bisher Herberts 1986 erschienene "Geschichte der Ausländerbeschäftigung in Deutschland". Als handliches und preiswertes Taschenbuch spannte sie den Bogen von den polnischen Saisonarbeitern auf ostpreußischen Gütern des Kaiserreichs, den "Ruhrpolen" im rheinisch-westfälischen Industrierevier, den Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern des Ersten und Zweiten Weltkriegs bis zu den "Gastarbeitern" in der westdeutschen Wachstumsgesellschaft der Nachkriegszeit. Mit dem Anwerbestopp von 1973 und der Herausbildung einer Einwanderergesellschaft in der Bundesrepublik endete diese brillant geschriebene Studie. Ihr großes Verdienst war es, die einzelnen Phasen der Ausländerbeschäftigung nicht unverbunden nebeneinander zu stellen, sondern die jeweils vorangegangene Periode als Voraussetzung, Ballast im kollektiven Gedächtnis der Mehrheitsgesellschaft und Grundlage für den Umgang mit neuen Einwanderergruppen zu begreifen.
Fünfzehn Jahre nach diesem Standardwerk erscheint nun eine Neuauflage beziehungsweise eine Neukonzeption, als Hardcover zum entsprechenden Preis und mit neuem Titel: "Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland". Während der Aufbau und die Konzeption der existierenden Kapitel gleich geblieben sind, nur hier und da einiges aktualisiert wurde, man also fast von einem Etikettenschwindel sprechen könnte, lohnt sich die Investition dennoch: Ebenso detailliert und zitatgesättigt wie in den vorangegangenen Epochen hat sich Herbert mit der Fortsetzung bis ins Jahr 2000 beschäftigt. Über die Irrungen und Wirrungen der deutschen Diskussion seit Ende der Gastarbeiteranwerbung 1973 wurde schon viel geschrieben; jedoch wurden sie selten so klar in ihren historischen Zusammenhang gestellt. Der lange Weg konservativer Politiker von den kulturellen Überfremdungsängsten und der Türkenfeindlichkeit in den Äußerungen der 80er Jahre über die Asyldebatte der frühen 90er bis zur Befürwortung der Einwanderung aus wirtschaftlichen Motiven wird ebenso klar beleuchtet wie die Hilflosigkeit großer Teile der Linken. Ungeübt im Umgang mit Stammtischparolen mauerte sie sich auf meist chancenlosen moralischen Positionen ein. Ins Gedächtnis gerufen wird auch, wie rechtskonservative Äußerungen in der Bundesrepublik der 80er Jahre Ausländerfeindlichkeit salonfähig machten und eine erste Welle von Anschlägen und Gewalttaten zur Folge hatten - quasi als Vorspiel zur gesamtdeutschen Fremdenfeindlichkeit auf dem Höhepunkt der Asyldebatte.
Obwohl Herbert methodisch traditionell arbeitet, keine Lösungsvorschläge bietet und den europäischen Vergleich vernachlässigt, ist dies eine Neubearbeitung auf gleichbleibend hohem Niveau - und eine unentbehrliche Bestandsaufnahme der politischen Diskussion über Ausländer in Deutschland bis heute.
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