Die Geschichte ist schnell erzählt, weil sie sehr kurz, aber überaus einprägsam ist und noch lange im Leser nachhallt: Aus Neugier fällt ein Papagei in den Suppentopf und ertrinkt. Das Mädchen, das seine Freundin war, weint sich, wie die Illustration zeigt, fast die Augen aus. Die Trauer überträgt sich auf alles, was das Kind umgibt. Das Feuer im Herd geht aus, der Baum vorm Haus verliert seine Blätter und der Himmel erbleicht, ob dieser Nachricht. Als die Menschen den farblosen Himmel sehen, verschlägt es ihnen die Sprache. Der Töpfer von Ceará lässt sich die Geschichte vom Tod des Papagei erzählen, nimmt alle Trauer zusammen und kann so das Tier wieder zum Leben erwecken. Und so steigt der aus dem Leid geborene Vogel, farbenfroher als er je gewesen ist, gleichsam wie ein Phönix aus dem Kochtopf.
Die Geschichte der wundersamen Auferstehung eines Papageis des spanischen Schriftstellers Eduardo Galeano ist eine Parabel auf das Leben und Tod, die Trauer und die Hoffnung, die stark an Volksmythen zum Thema erinnert. Wobei der Papagei für das menschliche Leben und der Töpfer von Ceará für Gott stehen kann. Der Bajazzo Verlag, der hierzulande als Heimstatt für hochwertige Kinderbücher zu wenig bekannt ist, hat daraus ein tolles Buch gemacht. 1998 in Zürich gegründet, erscheinen jährlich zehn bis zwölf Publikationen für junge Leser. Und schon acht Titel wurden für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Faszinierend sind die Illustrationen von Antonio Santos. Die hält man zuerst für sehr genau ausgeführte Zeichnungen. Doch dann zeigt sich, dass es Fotografien von kunsthandwerklich aufwendig gestalteten Holzskulpturen sind. Die Lektüre der Geschichte von der Auferstehung des hellroten Ara kann dabei helfen, mit Kindern in ein Gespräch über den Tod zu finden.