- Gebundene Ausgabe
- Verlag: Böhlaus Nachfolger (2000)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3740011041
- ISBN-13: 978-3740011048
- Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 16,7 x 5 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.193.850 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Ein Kernbestandteil seiner Arbeitshypothese verneint die eingleisige Entwicklung von einem religiösen Urzustand hin zu "einer uneingeschränkten Rationalisierung der Weltsicht materialistischen Typs" und betont die gleichzeitige Existenz von Atheisten und Gläubigen zu allen Zeiten in allen Kulturen und Religionen. Ein Phänomen, das sich bereits für archaische Völker und antike Hochkulturen sowie Religion und philosophische Strömungen der griechisch-römischen Antike nachweisen lässt. Dieses permanente Spannungsverhältnis bildet den Gegenstand der Darstellung mit Konzentration auf das Gegensatzpaar Christentum-Atheismus.
Gab es ein atheistisches Mittelalter? Ging man bislang von einem rein christlichen Mittelalter aus, so haben erst eine Reihe von jüngsten Untersuchungen Korrekturen und Differenzierungen hinsichtlich Rationalität und Skeptizismus -- nicht gleichzusetzen mit Häresie -- vorgenommen. Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass aber die eigentliche, intellektuelle wie wissenschaftliche Auseinandersetzung erst im 16. Jahrhundert im Kontext von Renaissance, Konfessionalismus, Naturwissenschaften etc. einsetzte. Die Aufklärung, die Entstehung eines Bildungsbürgertums, philosophische Kontroversen des Rationalismus wie politische und gesellschaftliche Umwälzungen vom 18. bis in das 20. Jahrhundert hinein zeichnen die zunehmende individuelle Freiheit in der Religion, die Profanisierung des Religiösen und den Verlust des Glaubens an einen wirkmächtigen Gott.
Das Schlusskapitel zur Entwicklung des Atheismus im 20. Jahrhundert mit Minois' Fazit des Sieges des Atheismus (Atomisierung des Glaubens, Säkularisierung religiöser Inhalte, Erhebung des Ich zum höchsten Wert) sowie der scheinbar unerheblich gewordenen zentralen, jedoch nach wie vor ungelösten Frage nach der Existenz Gottes bietet für Gegenwart und Zukunft sicher den größten Diskussionsbedarf.
Die allgemein verständlich verfasste und gut lesbare Überblicksdarstellung schließt mit Anmerkungsapparat, Auswahlbibliografie und Personenregister. Allerdings leidet der Band an seiner eindeutigen Ausrichtung auf die französische (und teilweise deutsche) Kultur und Forschung und lässt ganze europäische Regionen wie Großbritannien, Italien, Spanien, Ost- und Nordeuropa außer Betracht -- insofern kann nur bedingt von einer umfassenden Geschichte des Atheismus im christlichen Abendland gesprochen werden. --Osseline Kind
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