Nachdem ich mit so ziemlich allen Überblicksdarstellungen über die einzelnen Germanenvölker der Kohlhammer-Urban Reihe wirklich gute Erfahrungen gamcht habe, hatte ich mir auch dieses Büchlein zugelegt.
Vielleicht war meine Erwartungshaltung auch zu groß, allerdings fällt einem früh bei der Lektüre eine gewisse Lustlosigkeit des Autors bei der Schilderung der Geschichte der Alemannen auf, die sich nicht nur am geringen Umfang des Buches im Vergleich zu den oben erwähnten Büchern derselben Reihe messen lässt. Desweiteren übernimmt er oftmals unkritisch römische Quellen, obwohl jeder Geschichtsstudent bereits im Grundstudium weiß, dass gerade Verlustangaben bei Schlachten und die Vorstellung fremder Ethnien in den römischen Quellen mit äußerster Vorsicht zu genießen und interpretationsbedürftig sind. Diese Mühe macht sich der Autor jedoch nicht, sondern entschuldigt sein schlampiges und methodisch fragwürdiges Vorgehen in seinem Buch einfach damit, dass er keinen Grund sehe die Angaben der Quellen diesbezüglich in Zweifel zu ziehen.
Dass er mit den Ergebnissen der älteren Geschichtsforschung aufräumt mag schön und gut sein, allerdings verschwendet er dafür zu viele Seiten des ohnehin zu kurz geratenen Buches und entwirft im Gegenzug keine ausreichende Gegendarstellung, welches sich mit den neuesten historischen Erkenntnissen und archäologischen Auswertungen deckt.
"Geschichte der Alemannen" ist der mit Abstand schlechteste Band der eigentlich wirklich gelungenen Reihe über die antiken Germanen des Kohlhammer-Urban Verlags. Es gibt bessere historische Abhandlungen über die Alamannen.