"Das ägyptische Altertum hat für die afrikanische Kultur den gleichen Stellenwert wie die griechisch-römische Antike für die westliche Kultur, schreibt ... Cheikh Anta Diop. Es gibt wenig Anlass, ihm beizufplichten, denn Ägypten war außerordentlich erfolglos in dem Bemühen..."
John Iliffe hat schon eine besondere Art auszudrücken, dass jemand anders Unsinn geschrieben hat. Zwar hält sich das Buch durchgehend an die sprachlichen Konventionen der Geschichtswissenschaft, aber wenn man genau und zwischen den Zeilen liest, dann merkt man, dass da jemand auf Basis eines eigenen, sicheren Urteils sich traut, doch ein bisschen mehr zu sagen als andere Bücher. Und so wird vielen, üblichen Meinungen und Stereotypen über Afrika hier diskret widersprochen. So wurde Afrika eben nicht durch den Sklavenhandel entvölkert. Und die Ausbreitung von HIV ist nicht dem Neuauftreten des Erregers sondern dem Zerfall von Familien und der höheren Mobilität in der afrikanischen Gesellschaft geschuldet. Oder auch: "Der Teilung Afrikas lag kein einheitliches Motiv der Kolonialmächte zugrunde", wonach dann die üblicherweise genannten wirtschaftlichen Gründe kritisch hinterfragt werden.
Nun muss man nicht in jedem Punkt mit dem Autor einer Meinung sein. Aber so oder so ist dies ein spannendes Buch, weil man sich beim Lesen die richtigen Fragen stellt. Und dazu lernt man noch viel über ganz verschiedene Fachgebiete, weil sich dieses Werk auch mit Religion, bildender Kunst, Archäologie und vielen weiteren Disziplinen befasst, die alle ihr eigenes Bild dieses Kontinents darstellen.
Insofern gibt es keinen Anlass, negativen Rezensionen über dieses Buch in irgendeiner Form beizupflichten...