Faszinierend nicht nur seiner Sprache, auch reich bebildert ist das Buch äußerst plastisch in seiner Schilderung von Aufstieg und Niedergang der ägyptischen Kultur. Breasteds Standardwerk ist im Original bereits 1906 erschienen und schon Freud zitiert daraus und zieht dieses und andere Werke Breasteds zu Rate bei seinen Spekulationen über Moses den Ägypter und den Ursprung der monotheistischen Religion. Obwohl in einigen seiner Ergebnisse inzwischen von der Wissenschaft überholt, ist Breasteds Buch noch immer einer der großen archäologischen Klassiker und ein Lesevergnügen. Und wenn hier Echnatons Gemahlin Nofretete namenlos bleibt und allenfalls nebenbei als "Königin" oder "Gemahlin" erwähnt wird, ist das ein besonderes "Schmankerl", bedenkt man den Mythos, der nur wenige Jahre später, nach der Entdeckung ihrer weltberühmten Büste, erschaffen wurde. Bei der vorliegenden Neuauflage handelt es sich um einen Nachdruck der Ausgabe von 1954, die gegenüber der dt. Erstausgabe aus den 20er (30er?) Jahren typographisch und vom Arrangement des Bildteils verändert wurde. So großartig die Leistung des Parkland-Verlages bei der Neuauflage des Buches ist, bleibt kritisch anzumerken, dass der Einband so ausgesucht uninteressant und einfallslos ist, dass der, der nicht weiß welchen Klassiker er da vor sich hat, das Buch als "0815-Kulturgeschichte kompakt" abgeschreckt ins Regal zurückstellt.