Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle Mark Lehmstedts grundlegendes Werk
Die geheime Geschichte der Digedags: Die Publikations- und Zensurgeschichte des "Mosaik" von Hannes Hegen besprochen. Matthias Friskes erstmals 2008 erschienene, mittlerweile in dritter Auflage vorliegende Schrift
Die Geschichte des »Mosaik« von Hannes Hegen: Eine Comic-Legende in der DDR dürfte weder den Anspruch noch die Absicht haben, als Alternative zu dieser wirklich erschöpfenden Betrachtung des erfolgreichsten Comics der DDR - wirtschaftlich wohl die erfolgreichste Publikation des Landes überhaupt - wahrgenommen zu werden. Das, was Lehmstedt auf 400 Seiten analytisch, kritisch und mit 700 Fußnoten unterfüttert beleuchtet, kann auf 128 Seiten naturgemäß nicht geleistet werden. Und das muss es auch nicht: Friske bietet einen gut geschriebenen, in der Kürze durchaus vollständigen Schnellabriß der Geschichte der Digedags und des (alten) "Mosaiks". Das Buch stellt einerseits eine sehr gute Begleitlektüre für Leser und Liebhaber dieses Comics dar, die gar nicht in der Lehmstedtschen Tiefe in die Materie eindringen wolle, andererseits einen geeigneten Einstieg für jene, die das Phänomen "Digedags" zu DDR-Zeiten nicht selbst erlebt haben, sich nun aber näher damit beschäftigen wollen.
Friske beginnt mit einer knappen Darstellung der Comic-Geschichte allgemein, um dann relativ schnell zu Hegens Schöpfung und den einzelnen Epochen des "Mosaiks" überzuleiten. Recht gut gewählte (teilweise farbige) Abbildungen veranschaulichen die Schilderungen und machen die Schrift zu einem vergnüglichen, leicht verdaulichen - ich habe sie mir während eines Fluges nach Orlando zu Gemüte geführt - Appetithappen, der Lust auf mehr weckt. Es fällt ins Auge, dass Friske dem Digedags-Erfinder Hannes Hegen etwas wohlwollender begegnet als Lehmstedt, vielleicht auch seine Bedeutung als Lenker und Bewahrer eines "einheitlichen" Mosaik-Stils etwas stärker heraussstreicht. Aber das hat letztlich keine Bedeutung, weil die Tiefe und Vielseitigkeit der Lehmstedtschen Betrachtung - wie oben ausgeführt - naturgemäß nicht erreicht werden kann. Alles in allem erfüllt das Buch seinen Zweck. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist das etwas lieblos wirkende Cover in einem unschönen Mintgrün mit einer Schwarz-Weiß-Zeichnung der Digedags. Möglicherweise haben urheberrechtliche Aspekte - Lehmstedt zufolge war Hegen insoweit sehr wachsam und zurückhaltend mit Nutzungsgestattungen - eine gefälligere Darstellung des Sujets auf dem Cover verhindert. Mit knapp 15 Euro ist das Buch auch nicht ganz billig, wenn man berücksichtigt, das Lehmstedts Abhandlung nur zehn Euro mehr kostet. Aber das sind letztlich nur kleinere Nörgeleien, die den guten Gesamteindruck nicht trüben.
Fazit: Ein gelungener Einstieg in die faszinierende Welt der Digedags.