Ein schönes und in Maßen Buch, leider jedoch sehr unvollständig.
Es beginnt schon mit dem ersten aufgeführten und mit am meist verbreiteten Stein, dem Achat: hier sind längst nicht alle Behandlungsmethoden aufgeführt. Es wird nur das Färben behandelt, nicht aber die Behandlung der Stein Struktur.
So fehlt beispielsweise der durch Erhitzen und anschließendes rasches Erkalten erzielte "Drachen(haut)achat", der aktuell zu vielen, recht dekorativen Ambändern, Ketten und Anhängern verarbeitet wird.
Das selbe gilt für viele andere Stein Sorten, zum Beispiel dem Jaspis, einem ebenfalls häufig verarbeiteten Stein.
Was man mit dem alles veranstalten kann, um seine Farbe und Struktur zu veränden, um "modisch ansprechende" Steine zu kreieren, oder um beispielsweise Sugilith, Charoit u.a. Steine zu imitieren: keine Silbe darüber in diesem Buch.
Selbst wenn man unter "Charoit" nachschaut, steht dort nur etwas von "Pressprodukten", nicht aber über 'umfrisierten' Jaspis.
Der Sugilith fehlt gar völlig, obwohl der, als sehr seltener und somit teurer Stein, gefälscht wird bis zum gehtnichtmehr.
Es werden ohnehin nur wenige Edelsteine angesprochen. Sehr viele, heutzutage weit verbreitete Steine fehlen. So z.B. der "Feuerachat" und der "Mystik (Feuer) Topas", ein mit Metalloxidenbedampfter Stein.
Opal: hier fehlt die gängigste Form der Fälschung, der sog. Opalit, milchig gefärbtes Glas.
Rosenquarz: hier fehlt die Erwähnung der Abgrenzung zu Rosaquarz.
Der Moldavit, ein neuer Stein, der sich prima durch gegossenes Glas imitieren lässt: nicht aufgeführt.
Moos-Prehnit: Glas mit eingegossenem Gras: liest man nichts darüber.
Cyanit/Kyanith/Disthen: gerne aus gefärbtem Glas 'gebastelt': Fehlanzeige
Rhodochrosit: gerne aus Achat imitiert: gar nicht erst aufgeführt.
Fluorit: hier wird irgendwas von Wärmbehandlung gefaselt, nichts aber über das Bleichen und Umfärben von Achaten zu Regenbogen-Fluorit.
Mayala-Granat, auch ein Modestein, gern aus gefärbtem Bergkristall gebastelt: kommt nicht vor.
Die Reihe der fehlenden Steine lässt sich fast beliebig lang fortführen.
Für meine Begriffe ebenfalls mangelhaft die Anzahl der Bespielfotos - oder ihr völliges Fehlen - gefälschter Steine sowie eine fotografische Gegenüberstellung unbehandelter und behandelter Steine. Ein einziges Foto ist da ein bischen wenig. Was es da beispielsweise für den Malachit an kreativen Schaffenswerken aus der Fälscherinnung gibt, da reicht ein einziges Foto, dazu noch ein so kleiner Teilausschnitt wie in diesem Buch, längst nicht aus.
Den Achat zum Beispiel kann man mittels der aus dem Papierschöpfen bekannten Marmoriertechnik in so perfekten Designs basteln, das sieht man auf den ersten Blick gar nicht, dass das eine Fälschung ist. Besonders die Chinesen - und wie wir alle wissen kommt jede Menge Billigschmuck aus Asien - sind darin wahre Meister.
Wie soll da die Nicht-Fachfrau oder der Nicht-Fachmann wissen, wie genau er die Manilulation und/oder die Fälschung erkennt, wenn dort nur - wenn überhaupt - ein einziges spärliches Beispielfoto ist?
Für mich ein unverzeihliches Manko.
Verglichen mit Michael Giengers Buch "Lexikon der Heilsteine" (das sich ebenfalls mit Fälschungen beschäftigt und keinesfalls nur mit angeblichen Heileffekten) bezogen auf die Vollständigkeit der existierenden Steinsorten allenfalls ein "Schulaufsatz" - tut mir leid.
Fazit:
Für jemanden, der zum ersten mal etwas über Edelsteine liest, ist "Geschönte Steine" vielleicht ein kleiner Anfang.
Für den wirklich Interessieren - und erst recht für den Steinkenner - jedoch leider absolut unzureichend, und aufgrund der fehlenden, ausreichenden Beispielfotos und Vergleichfotos in der Praxis auch für den neuintessierten Laien unbrauchber. Man hat's nun gelesen, dass Steine manipuliert, imitiert und nachbearbeitet werden, ist in der optischen Erkenntnis dessen jedoch genauso schlau wie vorher.
Für mich ist dieses Buch daher eine Enttäuschung und absolut verzichtbar.