Ein Doyen des amerikanischen Verlagswesens beschreibt hier dessen Entwicklung von den 30er Jahren bis zum Jahr 2000. Und bezüglich dieses Zeitraums ist das ein lesenswertes Buch, insbesondere in seiner Beschreibung der Folgen des gesellschaftlichen Strukturwandels nach dem zweiten Weltkrieg. Autos waren plötzlich für alle zu haben, und Vorstädte kamen in Mode, während Stadtzentren verödeten. Die Folgen trafen erst einmal den Buchhandel - die kleine Buchhandlung in der Seitenstraße der großen Einkaufsboulevards verlor ihr bürgerliches Publikum. Statt dessen kamen erst kleinere, dann riesige Buchhandlungen in Einkaufzentren in Mode, die auf einen hohen Warenumsatz pro Verkaufsfläche angewiesen waren. Ergebnis war eine Verschiebung bei den angebotenen Büchern, statt Klassikern, die sich über Jahrzehnte im Sortiment hielten, waren es kurzlebige Bestseller, die dort angeboten wurden. Dan Brown kann wohl als der Höhepunkt dieser Entwicklung gesehen werden. Gleichzeitig ist diese Entwicklung aber auch der Tod einer bestimmten Bücher- und Literaten- und Lesekultur, letztendlich verliert so das Thema Literatur an gesellschaftlicher Relevanz. Und das erledigt dann auch letztendlich das Geschäftsmodell der großen Buchhandelsketten.
In Berlin schließt gerade Hugendubel sein größtes Geschäft. Im letzten Jahrzehnt scheint mir Deutschland die hier beschriebene Entwicklung nachgeholt zu haben. Nicht durch die Konzentration auf Buchhandlungen in Einkaufszentren, aber doch durch das Konzept von großen Ketten wie Thalia und eben auch Hugendubel. Vor zehn Jahren habe ich viel Zeit in Buchhandlungen verbracht. Mittlerweile beschränkt sich mein Stöbern auf kleine Läden, wobei ich das Glück habe, in einer der wenigen Viertel in Deutschen Städten zu leben, in denen so etwas noch in hoher Anzahl existiert. Diese überleben tatsächlich durch eine gute Auswahl von Büchern, nicht zuletzt von guten Schaufenstern, also hat eben Buchhandel doch einen Sinn - nicht nur den der Vorhaltung einer "Backlist", also der großen Klassiker, von denen der Autor hier immer spricht. So mag ich den Argumenten hier nicht immer folgen, was aber auch daran liegen mag, dass wir in Deutschland mit der Buchpreisbindung besondere Marktbedingungen haben.
Ähnliches muss man dann auch sagen, wenn es um die Auswirkungen des Internet auf das Geschäft mit Büchern geht. Das Buch ist um das Jahr 2000 geschrieben worden, damals waren die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts zwar absehbar, aber noch nicht Geschichte. Die Prognosen des Autors sind denn auch nur teilweise eingetroffen. Weder ist das Geschäftsmodell von Amazon gescheitert (auch wenn es sich sicher verändert hat), noch sind Verlage überflüssig geworden, auch wenn sich ihre Funktion sicher verändert hat und verändern wird. Gute Dienstleistung für Autoren und Leser wird hier sicher einen Mehrwert behalten. Richtig ist allerdings, dass auch Verlage sich verändern müssen, und dass das große Geld eher nicht in dieser Branche zu verdienen ist. Dass aber Autoren das Internet nutzen können, um selbst Transaktionen mit Lesern durchzuführen, das ist doch einigen wenigen erfolgreichen Autoren vorbehalten geblieben, und wer sich einmal mit Book-on-Demand beschäftigt hat, wird das auch für die Zukunft als tragfähiges Geschäftsmodell nur in einer Nische sehen.
Zusammengefasst: Das Buch ist lesenswert, weil man hier das mit den Büchern als Wirtschaftsgut exzellent beschrieben findet. Bei vielen Aussagen und Voraussagen muss man aber die Generation und den wirtschaftlichen und kulturellen Kontext des Autors mit berücksichtigen. Es ist kein Lehrbuch, es stellt aber die richtigen Fragen für die Branche.