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Gesang zwischen den Stühlen
 
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Gesang zwischen den Stühlen [Taschenbuch]

Erich Kästner , Erich Ohser
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 110 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Januar 1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423110074
  • ISBN-13: 978-3423110075
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 466.024 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Kästners lyrische Betrachtungen zum Niedergang der Weimarer Republik und ihrer politischen und menschlichen Ideale.

»Kästner hat scharfe Augen«, resümierte die Zeitschrift ›Gegner‹, »man staunt, was er alles sieht, er sieht die Lüge, die Attrappe, die Kulisse, die Imitation, die die Gegenwart beherrschen. Uns lehrt er sie sehen. Kästner hat helle Ohren, er hört das Sterbemurmeln der alten Zeit, hört die Lautsprecher des Rückschritts, hört den Applaus für den neuesten Sieg der Dummheit.«

Ende 1931 stellte Kästner diese, seine vierte Gedichtsammlung zusammen. Vor dem Hintergrund der Krise der Weimarer Republik bekommen die Gedichte ein ganz neues Gewicht. Wie recht Erich Kästner mit seinen Warnungen hatte, bewies die Geschichte.

Über den Autor

Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München. Der Schriftsteller, Satiriker, Dramatiker und nicht zuletzt Autor der berühmten Kinderklassiker »Das doppelte Lottchen«, »Das fliegende Klassenzimmer, »Pünktchen und Anton«, »Emil und die Detektive« und »Die Konferenz der Tiere« wurde mit zahlreichen Preisen bedacht (u.a. mit dem Büchner-Preis und der Hans-Christian Andersen-Medaille).

»Erich Kästner war ein wehmütiger Satiriker und ein augenzwinkernder Skeptiker. Er war Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist und der deutschen Literatur positivster Negationsrat. War er ein Schulmeister? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster. Er war ein Prediger, der stolz die Narrenkappe trug.« Marcel Reich-Ranick

Walter Trier, der Prager Zeichner, Karikaturist und Kinderbuchillustrator lebte von 1890 bis 1951. Insgesamt dreizehn Bücher von Erich Kästner hat er mit seinen unvergesslichen Bildern ausgestattet.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Allzu bequem saß sich's nicht zwischen den Stühlen, und 1932 in Deutschland konnte Unbequemlichkeit sehr unbequem werden -- und zwar für den Dichter. Aber einen Vorteil hatte die Unbequemlichkeit für Erich Kästner: Man konnte ihn nicht auf eine Gesäßfraktion, pardon: Denkrichtung festlegen. Er machte sich's ganz offensichtlich deswegen nicht bequem, weil sich gerade damit seine Sinne scharf hielten. Sein "Gesang zwischen den Stühlen" beweist jedenfalls wieder einmal, dass sich scheinbar lapidarer Alltagston hervorragend dafür eignet, tiefes Empfinden in Worte zu fassen -- nicht in überbordende Gefühlsseligkeit, das erlaubt schon die Epoche nicht. Kästners Gedichte sind nüchtern, aber längst nicht so sachlich, wie das Etikett "Neue Sachlichkeit" suggerieren will. Er trägt sein Leiden an der Zeit nun einmal nicht auf dem Tablett vor sich her, und gerade deswegen haben seine Gedichte im Laufe der Jahrzehnte keinen Staub angesetzt.
Dabei dichtet Kästner nicht mit dem Ehrgeiz, erhaben über den Zeitläuften zu stehen; dieser Gedichtband nimmt Stellung, und anno 1932 befand sich der Platz zwischen den Stühlen bestimmt nicht auf dem Olymp.
Erstmals erschienen diese Gedichte 1932; wenige Monate nach seinem Erscheinen wurden Kästners Werke verbrannt. Dass etliche Nazis beim Lesen getobt haben dürften, ist wenigstens ein schwacher Trost.

Wenn Kästner z.B. feststellt, dass sein Herz (auf dem Röntgenschirm) "aufs Haar einem zuckenden Tintenklecks" gleicht, und wenn er in der nächsten Strophe zum resignierenden Anti-Liebeslied überleitet, dann ist das nicht nur formal gekonnt, nicht nur sprachgewaltig und nicht nur mit jener feinen Ironie gesegnet, die sich jeden Anflug von Gefühlsseligkeit verbittet -- das alles freilich auch. Vor allem aber kann man in diesem und allen anderen Gedichten feststellen, dass hartgesottener Realismus seine ganz eigene zerbrechliche Poesie entwickeln kann. Jedenfalls kann sie's bei Kästner, der die Tage in die Pfützen regnen lässt und der für die nicht dramentaugliche "Traurigkeit, die jeder kennt", endlich die passenden Worte findet.
Einige Gedichte dieses Bandes sind berühmt geworden, etwa "Das Eisenbahngleichnis", "Die Ballade vom Nachahmungstrieb", "Die Entwicklung der Menschheit", "Verdun, viele Jahre später", "Das Herz im Spiegel" und natürlich "Was auch geschieht!" (Was auch immer geschieht: / Nie dürft ihr so tief sinken, / von dem Kakao, durch den man euch zieht, / auch noch zu trinken!).

Teilweise besingen diese Gedichte eines der "klassischen" Gedicht-Sujets mit widerborstiger Poesie: Liebe währt nicht ewig, ist aber immer eine wehmütige Erinnerung wert.
Hinzu kommen aber auch andere Töne, nicht minder sarkastisch, die den Satiriker Kästner von seiner schärfsten Seite zeigen. Oft beziehen sich seine Gedichte nämlich auf das Elend der "Kleinen Leute" in der Wirtschaftskrise 1931/32, oft sogar auf konkrete Ereignisse, die repräsentativ für den heraufziehenden Ungeist der Zeit sind. Kästner erkannte das nicht nur, sondern fand auch die passenden Worte, egal ob er wissenschaftlichen Allmachtswahn aufs Korn nimmt, oder ob er in bitterbösem Ton und in scharfen Metaphern Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Hunger und Elend schildert. Seine Gedichte sind hart, brutal sogar, wenden nie entsetzt den Blick ab -- aber gefühllos sind sie niemals. Gerade deswegen gehen sie heute noch unter die Haut: die Ballade über einen grotesken Selbstmord zum Beispiel, und auch jene Ballade über ein Kinderspiel, das im Mord "einfach so" endet. Und schon hat man nicht nur die zugrunde liegenden Tatsachenberichte vor Augen, sondern man kommt sich vor wie ein antiker Seher, der die heraufziehende Apokalypse schaut.
Dazwischen gestreut sind bitterböse Satiren, die den Kabarettdichter Kästner zeigen: Einen schnöseligen Quartaner aus guter Familie lässt Kästner den armen Lehrer verhöhnen, und "Die deutsche Einheitspartei" verbindet brillant die Kritik an absurden, apolitischen Splitterparteien mit den Wirkungsmechanismen totalitärer Parteien. Und wie er (nochmal zur Erinnerung: Wir befinden uns im Jahre 1932) in wenigen Zeilen die sich anbahnende Führerseligkeit der Deutschen analysiert -- das sucht seinesgleichen ("Das Führerproblem, genetisch betrachtet").
Manche Gedichte lesen sich im Nachhinein sogar wie apokalyptische Prophezeiungen, insbesondere das Finale furioso "Das ohnmächtige Zwiegespräch", ein innerer Dialog zwischen resigniertem Chronisten und tatendurstigem Fragesteller.

Kästners "Gesang zwischen den Stühlen" ist gewiss keine leichte Lektüre, obwohl er in scheinbar leichtfüßigem Ton daherkommt. Dieser wortgewaltige Schwanengesang auf die Weimarer Republik ist aber auch viel mehr als "nur" ein präziser Zeitzeugenbericht für anspruchsvolle Leser. Es ist viel mehr: ein Prachtstück aus der Werkstatt eines Meisters der Gewerke Wort, Scharfblick und Lyrik.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Kästner schafft es auch in diesem Gedichtband wieder, den Leser zu verzaubern. Viele Gedichte haben nicht nur die offensichtliche Bedeutung sondern auch viele versteckte Konnotationen, oftmals sind sie auch sehr politisch. Viele seiner Gedichte sind auch gegen das Naziregime gerichtet. In vielen Vergleichen und Bildern wird der Schrecken dieser dunklen deutschen Zeit begreifbarer und zugleich erschreckender gemacht. Die Gedichte machen den Leser also sehr nachdenklich, dies ist also auf keinen Fall ein Buch für leichte Gemüter. Trotzdem ist Kästner durch seine literarische Qualität immer wieder aufs neue bezaubernd und daher uneingeschränkt an seine Fans weiterzuempfehlen. Genauso wie dieses Buch welches deswegen auch vier von fünf Sternen verdient. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
"Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht
auch noch zu trinken!"

Das Buch Gesang zwischen den Stühlen war Kästners größter finanzieller Erfolg in der Weimarer Republik und zugleich sein letzter. Kästner selbst scherzte bitter, das Buch sei gerade Recht zur Bücherverbrennung erschienen, die sechs Monate später, im Frühling 1933 stattfand, und wo auch Kästners sämtliche Werke verbrannt wurden. Doch vorher gingen noch ca. 12000 Stück des Bandes über de Tisch. Viel für einen Gedichtband und doch kein Wunder, hatte Kästner doch schon mit den drei vorherigen Gedichtwerken ins Herz der Weimarer Republik gezielt und den Nerv der Zeit getroffen.

Dem letzten "sachlichen" Gedichtband Kästners merkt man schon stark die Resignation an, die von den dunklen Wolken herrühren mag, die bereits in den Jahren 1931 und -32 in Form von Naziaufmärschen und Bankenkrisen aufzuziehen begannen. Vielleicht deshalb ist es der gleichsam kopfloseste Band der vier, was ihn nicht schlechter, aber etwas schwer genießbar macht. Hier und da wird der Fingerzeig des Zynismus auch schon mal faustgroß.

"Der eine nickt und sagt: So ist das Leben.
Der andere schüttelt seinen Kopf und weint.
Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben!
Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint."

Nichtsdestotrotz sind einige der bekanntesten Gedichte Kästners, so das Eisenbahngleichnis, der Vierzeiler der diesem Text voran steht oder auch das Gedicht "Eine Animierdame stößt Bescheid" in diesem Band enthalten. Man sollte vielleicht nicht mit ihm beginnen, wenn man Kästner als Lyriker kennenlenren will, da sollte man eher mit Herz auf Taille beginnen.
Ansonsten empfehle ich Kästner uneingeschränkt!

"Auf den Schlachtfeldern von Verdun
wachsen Leichen als Vermächtnis.
Täglich sagt der Chor der Toten:
Habt ein besseres Gedächtnis!"
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