Conor besucht nach fünf Reisejahren seinen alten Vater im Co Donegal, der dort in einem leeren Haus lebt und in einem nahezu leeren Fluß fischt, und das ist sein einziger Zeitvertreib, beinahe... Der Vater läßt sich gehen, und er hat allen Grund dazu, denn er ist dafür verantwortlich, dass Conors Mutter aus dem Haus ging und nie wieder kam, als der Junge gerade einmal 11 Jahre alt war. Nun erzählt Conor nicht, (wie ein Leser glauben könnte) wie schwer er es hatte, ohne Mutter groß zu werden, sondern er berichtet von seinen Erinnerungen bis zu jenem Tag des Verlusts, und von den Geschichten, die seine Eltern ihm erzählten. Er verwebt diese mit seinen eigenen Erlebnissen, denn als Erwachsener macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter... Er glaubt, sie sei nach Mexico zurück gekehrt, dorthin, wo sein Vater sie einst fand, sie lieben lernte und heiratete, und von dort aus folgt er den Spuren seiner Eltern über die halbe Welt...
Dieses Buch ist mir als Geschenk >zugefallen<, und war eine echte Neuentdeckung für mich. Ich erwartete eine interessante Reisegeschichte, und ich bin nicht enttäuscht worden! Der Autor spricht nicht nur eine wundervoll klare und dennoch poetische Sprache, sondern zeichnet auch Charaktere, die spätestens nach zwei Seiten plastisch vor dem inneren Auge erscheinen. Stimmungen werden von ihm erfasst und übermittelt, als müsse er sie nur aus der Westentasche ziehen, und er versteht es, aus den Erinnerungen verschiedener Generationen zu schöpfen, ohne sich auch nur einmal zu vertun. Ein Labyrinth sind diese Erinnerungen des Conor, wie dessen Eltern fürwahr! Aber, es ist ja bekannt, dass ein Labyrinth eine wohl geordnete Sache ist...ebenso ist es diese Geschichte, die voller Spannung, voller Zuneigung und Liebe und dem echtem Hintergrundcoleur geschrieben wurde!
Colum McCann ist ein wahrer Geschichtenerzähler alter Irischer Schule, und dabei ausgesprochen modern! Sehr lesenswert! 5 von 5 Sternen!