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5.0 von 5 Sternen
Von Dodos, Indris, Borstenigeln und Thylacinen, 12. Juli 2004
Manche Menschen können Biologie nichts abgewinnen, sehen darin nur ein stupides Lernfach, in dem Tiere und Pflanzen mit ihren Merkmalen und Eigenheiten stumpfsinnig aneinandergereiht und aufgelistet werden. David Quammens einzigartiges Werk könnte ihnen einen völlig neuen Zugang zu diesem interessanten Wissensgebiet eröffnen.
Hat man sich - vielleicht angelockt durch den exotisch klingenden Titel oder das witzige Titelbild - erst einmal auf die ersten Seiten des 825 seitigen Wälzers eingelassen, so nimmt einen sehr rasch die Welt der Biogeographie, die sich mit der Verteilung des Lebens auf unserer Welt befaßt, gefangen. Ein erster Höhepunkt ist der spannende Wettlauf der englischen Forscher Alfred Russel Wallace und Charles Darwin im 19. Jahrhundert um die erstmalige Formulierung einer Evolutionstheorie. Bis dahin hatte bei der Frage der Artenverteilung über die Erde die mehr auf Glauben, denn auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Theorie vom speziellen Schöpfungsakt gegolten.
Quammen, ein preisgekrönter Wissenschaftsautor aus dem US-Bundesstaat Montana, führt in 10 Kapiteln den Leser gekonnt in die Evolutionsforschung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute ein, bringt uns die beteiligten Wissenschaftler, ihre Ansätze und Begrifflichkeiten näher. Er lockert seine Ausführungen und Erklärungen zur Inselbiogeographie mit der Schilderung persönlicher Lebensumstände und Kuriositäten der beteiligten Wissenschaftler oder eigener abenteuerlicher Reisen so geschickt auf, daß Langeweile oder Ermüdung nicht aufkommen können. Der Leser lernt auf spielerische Weise vieles, was er zuvor noch nie über Artenvielfalt, Artensterben und Artenschutz gehört hatte.
Gleichzeitig werden ihm mit dem Dodo, dem Indri, dem Borstenigel (auch Tanrek genannt), dem Thylacin und dem Komodowaran faszinierende Tiere vorgestellt und nahe gebracht, die ihm weder im normalen Biologieunterricht noch in einem Zoo jemals untergekommen sind. Schade nur, daß das Buch sie nicht auch im Bild darstellt. Quammen geht so bedeutsamen Fragen nach wie, ab welcher zahlenmäßigen Untergrenze bezogen auf ein Gebiet eine Art ausstirbt oder welche Mindestgröße ein Naturreservat haben muß, um ein zumindest mittelfristiges Überleben selten gewordener Tierpopulationen zu gewährleisten. Sein Stil ist flüssig und (abgegesehen von wenigen theoretischen Passagen ) allgemeinverständlich.
Doch je weiter der Leser bei der Lektüre voranschreitet, um so mehr überfällt ihn das pessimistische Gefühl, daß der Mensch als das größte Raubtier aller Zeiten trotz aller Gegenbestrebungen den Lebensraum einstmals zahlreicher Tierarten so beschneiden und vernichten wird, daß uns und unseren Nachfahren nach einem gigantischen Artensterben eines Tages keine Ökologen, Feldbiologen oder Zoologen, sondern nur noch Museumsdirektoren, Paläontologen und Historiker erzählen können, daß unseren Planeten einmal Elefanten, Bären und Lemuren geziert haben.
Fazit: Selten ist Geld so gut angelegt wie bei diesem so unterhaltsamen wie lehrreichen Sachbuch. Überaus nützlich ist das 11-seitige, wenngleich immer noch zu kurze Glossar, und die umfangreiche Bibliographie. Quammens mehr als verdienstvolles Werk läßt uns die in ihrer Artenvielfalt leider schrumpfende (Tier-) Welt mit anderen Augen sehen. Die Mischung aus lebendig geschriebener Wissenschaftsgeschichte, instruktiv dargebotener Evolutionstheorie und persönlich geschilderten Reiseabenteuern ist ein einzigartiges Lesevergnügen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut das beste Buch zum Thema Evolution und Artensterben!, 8. September 2002
David Quammen hat mit diesem Wälzer von 900 Seiten eine äußerst lesenswerte Recherche zum Thema Evolution und Artensterben vorgelegt, die ihn auf jahrelangen Reisen zu allen möglichen Archipelen und Naturschauplätzen geführt hat, immer im Versuch, die Biogeographie - also die Erkenntnis der besonderen Verteiltheit von Arten (zunächst auf Inseln) - in ihrer gedanklichen Entstehungsgeschichte nachzuvollziehen. Wir lesen von dem packenden Gedankenwettstreit eines Darwin und Wallace, letzterem gebührt dabei aufgrund seiner Praxisnähe (Erforschung der Fauna des Amazonas-Urwalds wie auch des malaiischen Archipels) eindeutig Quammens größere Sympathie. Neben vielen zum Teil witzigen Reiseberichten des Autors gehen wir schließlich den gedanklichen Weiterentwicklungen der Theorie nach, die über Edward O. Wilsons Gleichgewichtsbegriff zur Erkenntnis von Soulé und Gilpin führten, daß der Inselcharakter mit seiner besonderen Bedrohung hinsichtlich des Aussterbens von Arten inzwischen längst auch auf die Festlandsgebiete durch menschliche Zersiedelung übergegriffen hat: Es gibt eigentlich nicht mehr in einem umfassenden Ganzen lebende Populationen, sondern nur noch in Landschaftsfragmenten lebende Metapopulationen. Das Buch habe ich geradezu verschlungen, schmerzlich vermißt habe ich lediglich Farbabbildungen der vielen vorgestellten seltenen Tiere. Vorbildlich ist das Register der verwandten Literatur, das unheimlich umfangreich zwar, aber doch auch hilfreich zu weiterem Lesen in die Thematik ist. Fazit: ein Muß für alle an der Natur Interessierten.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
essential classics, 24. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Biologie-Lehrer, Uni-Lehrende für Ökologie und Evolution und für alle, die sich in irgend einer Weise mit Artenschutz befassen!!! Es räumt auf mit immer noch gelehrten historischen Irrtümern und öffnet einem die Augen für die immensen komplizierten Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen- und Tierarten. Der Umfang des Buches ist etwas abschreckend, aber es lohnt sich unter Garantie. Quammen bringt einem nicht nur das Thema in vielen Beispielen nahe, sondern auch die Menschen, die ihren Teil zur Erforschung beigetragen haben, gewürzt mit spannenden Abenteuer-Episoden.
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