Manche Menschen können Biologie nichts abgewinnen, sehen darin nur ein stupides Lernfach, in dem Tiere und Pflanzen mit ihren Merkmalen und Eigenheiten stumpfsinnig aneinandergereiht und aufgelistet werden. David Quammens einzigartiges Werk könnte ihnen einen völlig neuen Zugang zu diesem interessanten Wissensgebiet eröffnen.
Hat man sich - vielleicht angelockt durch den exotisch klingenden Titel oder das witzige Titelbild - erst einmal auf die ersten Seiten des 825 seitigen Wälzers eingelassen, so nimmt einen sehr rasch die Welt der Biogeographie, die sich mit der Verteilung des Lebens auf unserer Welt befaßt, gefangen. Ein erster Höhepunkt ist der spannende Wettlauf der englischen Forscher Alfred Russel Wallace und Charles Darwin im 19. Jahrhundert um die erstmalige Formulierung einer Evolutionstheorie. Bis dahin hatte bei der Frage der Artenverteilung über die Erde die mehr auf Glauben, denn auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Theorie vom speziellen Schöpfungsakt gegolten.
Quammen, ein preisgekrönter Wissenschaftsautor aus dem US-Bundesstaat Montana, führt in 10 Kapiteln den Leser gekonnt in die Evolutionsforschung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute ein, bringt uns die beteiligten Wissenschaftler, ihre Ansätze und Begrifflichkeiten näher. Er lockert seine Ausführungen und Erklärungen zur Inselbiogeographie mit der Schilderung persönlicher Lebensumstände und Kuriositäten der beteiligten Wissenschaftler oder eigener abenteuerlicher Reisen so geschickt auf, daß Langeweile oder Ermüdung nicht aufkommen können. Der Leser lernt auf spielerische Weise vieles, was er zuvor noch nie über Artenvielfalt, Artensterben und Artenschutz gehört hatte.
Gleichzeitig werden ihm mit dem Dodo, dem Indri, dem Borstenigel (auch Tanrek genannt), dem Thylacin und dem Komodowaran faszinierende Tiere vorgestellt und nahe gebracht, die ihm weder im normalen Biologieunterricht noch in einem Zoo jemals untergekommen sind. Schade nur, daß das Buch sie nicht auch im Bild darstellt. Quammen geht so bedeutsamen Fragen nach wie, ab welcher zahlenmäßigen Untergrenze bezogen auf ein Gebiet eine Art ausstirbt oder welche Mindestgröße ein Naturreservat haben muß, um ein zumindest mittelfristiges Überleben selten gewordener Tierpopulationen zu gewährleisten. Sein Stil ist flüssig und (abgegesehen von wenigen theoretischen Passagen ) allgemeinverständlich.
Doch je weiter der Leser bei der Lektüre voranschreitet, um so mehr überfällt ihn das pessimistische Gefühl, daß der Mensch als das größte Raubtier aller Zeiten trotz aller Gegenbestrebungen den Lebensraum einstmals zahlreicher Tierarten so beschneiden und vernichten wird, daß uns und unseren Nachfahren nach einem gigantischen Artensterben eines Tages keine Ökologen, Feldbiologen oder Zoologen, sondern nur noch Museumsdirektoren, Paläontologen und Historiker erzählen können, daß unseren Planeten einmal Elefanten, Bären und Lemuren geziert haben.
Fazit: Selten ist Geld so gut angelegt wie bei diesem so unterhaltsamen wie lehrreichen Sachbuch. Überaus nützlich ist das 11-seitige, wenngleich immer noch zu kurze Glossar, und die umfangreiche Bibliographie. Quammens mehr als verdienstvolles Werk läßt uns die in ihrer Artenvielfalt leider schrumpfende (Tier-) Welt mit anderen Augen sehen. Die Mischung aus lebendig geschriebener Wissenschaftsgeschichte, instruktiv dargebotener Evolutionstheorie und persönlich geschilderten Reiseabenteuern ist ein einzigartiges Lesevergnügen.