Diese neue Shakespeare Ausgabe wird bei allen bibliophil veranlagten Menschen große Freude hervorrufen, sowohl was die exzellente Übersetzung als auch die Gesamtgestaltung betrifft. Auch wenn es auf den Inhalt ankommt, so doch zunächst ein paar Worte über 'die Verpackung'; diese ist optisch ansprechend und nutzerfreundlich gestaltet. Auf den ersten Blick wirkt das schmale Bändchen unscheinbar, doch nähere Betrachtung zeigt, dass dies 'Understatement' ist und dass das Buch in allen Aspekten gut durchdacht ist. Der Einband ist edles Leinen mit einer robusten Klarsicht-Schutzhülle versehen, und zwei Lesebändchen helfen, Lesestelle als auch Anmerkungen und Erklärungen im Anhang zu markieren.
Ein absolutes Plus ist die zweisprachige Gestaltung der Ausgabe, so kommt man in den Genuss des Originals als auch seiner exzellenten Übersetzung. Ein Vergleich zeigt, dass Frank Günther nicht 'am Text klebt' sondern recht frei übersetzt - wobei diese schöpferische Freiheit einen Mehrwert gegenüber älteren Übersetzungen darstellt, da sie Sinn und Stil der Originalversion besser zu vermitteln weiß. Interessant und lesenswert sind auch die Anhänge, wie hier z.B. ein Kommentar des Übersetzers sowie ein Essay von W. Riehle. Dazu kommen die üblichen Anmerkungen zum Text, Literaturhinweise und, sehr lobenswert, Verweise auf die Darstellung der 'Komödie der Irrungen' in Musik und Film.
In dieser Komödie der Irrungen geht es um die Zwillingsbrüder Antipholus, die in frühen Jahren getrennt wurden und sich nun, ohne dies zu wissen, gleichzeitig in Ephesus aufhalten. Beide Brüder haben je einen Diener namens Dromio, ebenfalls Zwillinge. Die Komödie beruht im wesentlichen auf wechselnden Herr/Diener Begegnungen, was zu einem Wust an Verwechslungen und Missverständnissen führt (Antipholus aus Syrakus trifft auf Dromio aus Ephesus; Antipholus meint, dass sein Diener seine Anordnungen nicht ausführt und ihn verschaukelt, während der falsche Dromio meint, dass sein Herr durchgedreht ist, usw.). Verstärkt wird das Verwirrspiel durch die Ehefrau des Antipholus von Ephesus und diverse anderer Personen, die jeweils nur die 'Ephesus' Ausgabe des Antipholus/Dromio Quartettes kennen. Kern des Stückes ist das Spiel um Realität und der Verlust derselben - wobei natürlich noch mehr dahinter steckt, was gut in den Anhängen nachzulesen ist und sich bei mehrfachem Lesen erschliesst.