Neue Zürcher Zeitung
Anschauliches Denken
rox. Kein Zögern, kein Zweifeln, Georg Simmel zählt noch heute zu den eigenständigsten und sensibelsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Von der akademischen Zunft ins Abseits gedrängt, bewies Simmel, dass fruchtbare Denkwege keineswegs des universitären Segens bedürfen: Die meisten Werke des erkenntnistheoretisch so konkret operierenden Forschers entstanden, bevor Georg Simmel in Strassburg endlich eine Professur erhielt. Der hier anzuzeigende Band enthält im Rahmen der Gesamtausgabe Aufsätze und Abhandlungen aus den Jahren zwischen 1909 und 1918. Neben gewichtigeren Aufsätzen, etwa über Goethe und Kant oder über eine mögliche Philosophie der Kunst, findet der Leser so kostbare und nur scheinbar kokette Themen wie eine «Soziologie der Mahlzeit», «Zur Ästhetik der Alpen» oder «Brücke und Tür». Auch spielt der Geschlechterdiskurs zu einigen interessanten Fragestellungen auf, die im Übrigen beweisen, dass man darüber sinnvoll und verständlich philosophieren kann, ohne dass erst auf die Dekonstruktion und andere «Bewegungen» hätte gewartet werden müssen. Leider lässt der Schriftsatz eine auch für Taschenbücher übliche Sorgfalt vermissen. Auch darüber wäre Simmel wohl etwas Kluges eingefallen . . .
Pressestimmen
In
Das Relative und das Absolute im Geschlechterproblem heißt es, 'die Voraussetzung unseres Weltbildes' sei die Erkenntnis, 'dass in ihm jedes Element mit jedem in irgendeiner, irgendwie vermittelten Beziehung und Wechselwirkung steht.' Dieser Fundamentalsatz der Simmelschen Erkenntnislehre nimmt wie viele der apodiktischen Formulierungen vorbehaltlos die Position des eigenen, prekären Ichs ein. Dasselbe Ich, das ein vielseitig bedingter Effekt des Lebens ist, stellt die einzige Instanz dar, die unbedingt von sich aussagen und so ihr Leben gestalten kann: Das Weltbild der Allverbundenheit ist das Weltbild des melancholischen Ästheten Georg Simmel. (Alexander Kissler
Süddeutsche Zeitung )
"Georg Simmel gehört noch heute zu den eigenständigsten und sensibelsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Von der akademischen Zunft ins Abseits gedrängt, bewies Simmel, dass fruchtbare Denkwege keineswegs des universitären Segens bedürfen. (...) Der Band enthält im Rahmen der Gesamtausgabe Aufsätze und Abhandlungen aus den Jahren 1909 und 1918. Neben gewichtigeren Aufsätzen, etwa über Goethe und Kant oder über eine mögliche Philosophie der Kunst, findet der Leser kostbare und nur scheinbar kokette Themen wie eine "Soziologie der Mahlzeiten", "Zur Ästhetik der Alpen" oder "Brücke und Tür". Auch spielt der Geschlechterdiskurs zu einigen interessanten Fragestellungen auf, die im Übrigen beweisen, dass man darüber sinnvoll und verständlich philosophieren kann, ohne das erst auf die Dekonstruktion und andere "Bewegungen" hätte gewartet werden müssen."
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Neue Zürcher Zeitung )