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Die "Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)" (1936/38) sind der erste Grundriss des seynsgeschichtlichen
Denkens, wie Heideger auf dem Vorsatzblatt des Buches schreibt, "wird hier
das in langer Zögerung Verhaltene andeutend festgehalten als Richtscheit
einer Ausgestaltung". Noch in den Randbemerkungen zum 1946 entstandenen "BRIEF ÜBER
DEN HUMANISMUS" schreibt Heidegger, dass "das hier Gesagte auf dem Gang eines
Weges beruht, der 1936 begonnen wurde, im 'Augenblick' eines Versuches, die
Wahrheit des Seins einfach zu sagen". In "ZUR SACHE DES DENKENS" (1962)
schreibt Heidegger noch Jahrzehnte später: "Die den Wesensbau des Ereignisses ausmachenden
Bezüge und Zusammenhänge sind zwischen 1936 und 1938 ausgearbeitet worden"

Damit ist klar, dass das Buch von unschätzbarem Wert für Leser ist, die den Gesamtgang
des Heideggerschen Denkens nach 1932, in einen grösseren Zusammenhang bringen
wollen. Denn hier wird der Grundstein gelegt, für eines der bedeutendsten und
auch schwierigsten Projekte der Philosophiegeschichte. "Hier liegen die Blöcke eines Steinbruchs,
in dem Urgestein gebrochen wird", schreibt Heidegger in den BEITRÄGEN. Ausserdem
kann man erkennen, wohin Heideggers Weg nach dem "Scheitern" (natürlich ist das
Heideggers Perspektive auf dieses Werk und nicht etwa meine (!)) von "Sein und Zeit" geht.

Das Buch ist keineswegs (!!!!) für elitäre Kreise
- wie der andere Rezensent hier meint -
sondern, das Buch ist für Jeden (!), der bereit ist,
sehr sehr viele Jahre Lektüre auf sich zu nehmen. Die BEITRÄGE
sind also nicht schwerer als jedes andere grosse klassische
Werk der Philosophie-Geschichte. Wenn man es denn ernst
nehmen will, kann das Buch - wie jeder andere Klassiker auch -
zum Begleiter für ein ganzes Leben werden.

Die Lektüre dieses Bandes ist die dringende Vorrausetzung,
um die weiteren - späteren Werke - Heideggers überhaupt zu verstehen.
Als Leser kann man sich die hier durchgeführte Transformation des Ansatzes
von "Sein und Zeit" nicht ersparen, weil man sich dann eigentlich
um die philosophische Pointe von Heideggers Spätwerk bringen würde. Denn
Heidegger gibt die Frage von "Sein und Zeit" keineswegs auf, was
er aufgibt ist ihr erster Ausarbeitungsweg. Doch die Seinsfrage
bleibt weiterhin seine Grundfrage.

(1) Die Gangart des Buches.

Der Band besteht aus einem "Vorblick" und 6 Haupteilen, die das
Grundgefüge des seynsgeschichtlichen Denkens zur "Darstellung"
bringen. Da dieses Werk kein System ist, besteht die Grundschwierigkeit darin,
zu erkennen, dass das Werk im Ganzen, die Fuge des seynsgeschichtlichen
Denken ist. Es ist also keineswegs, ein Werk, dass mit dem Abschnitt 1
beginnt und mit dem Abschnitt 6 seinen Weg ausgeschritten hat.

Wie Heidegger schreibt:" Dieser Aufriss gibt keine Anreihung verschiedener
Betrachtungen über verschiedene Gegenstände; er ist auch kein einleitender
Aufstieg von einem Unten zu einem Droben. Er ist der Vor-riss des Zeit-
Spiel-Raumes, den die Geschichte des Übergangs (...) erst schafft" (6)

Die Teilen heissen:
(1)Vorblick,
(2)Anklang,
(3)Zuspiel,
(4)Sprung,
(4)Gründung,
(5)Die Zukünftigen,
(6)Der letzte Gott.
(7) TEIL 7 "Das Seyn" ist erst nach dem Abschluss der BEITRÄGE geschrieben
und gehört streng genommen nicht zum Hauptteil dieses Bandes.

Das Buch ist - wie so viele andere Abhandlungen der seyngeschichtlichen
Phase Heideggers - sehr filigran und kleinteilig gebaut. Aber in
jeder Hinsicht ausserordentlich klar und pointiert. Es dauert nur
relative lange, dass zu erkennen, weil das Buch keinen einzigen
überflüssigen Satz oder Abschnitt enthält. Und deshalb die kleinste (!)
Unaufmerksamkeit des Lesers sofort bestraft. Allein der hintersinnige
Doppeltitel "Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)" ist schon eine harte
Nuss für jeden Leser.

(2) Die Hauptpunkte der Beiträge:

Vereinfacht gesagt, vollzieht dieses Werk, die Wende vom fundamental-
ontologischen zum seynsgeschichtlichen Ansatz der Seinsfrage. Es ist unmöglich,
die Gründe für diese Transformation hier in aller Kürze zu skizzieren, da
gewaltige fundamentalphilosophische Fragestellungen hinter diesem Wandel
der Blickbahn stehen. Heidegger selbst hat nahezu 10 Jahre gebraucht, um
die Frage von "Sein und Zeit" in den seynsgeschichtlichen Fragehorizont
zu überführen. Und es gibt bisher, sieht man einmal von Richardson ab,
kaum ernstzunehmende Arbeiten, die sich ernsthaft mit diesem Problemmassiv
beschäftigen wollen. Aufgrund dieses gewaltigen fundamentalphilosophischen Hintergrundes
steht der Anfänger in Sachen Heidegger und der philosophische Anfänger generell
vor drei beinahe unlösbaren Problemen:

(1) Erstens, muss der Leser die Grenzen des fundamentalontologischen Ansatzes
der Seinsfrage und die fundamentalontologische Gesamtkonzeption der
Seinsfrage überhaupt verstanden haben. Sonst versteht er nicht,
was Heidegger hier überhaupt tut. Es handelt sich hier nämlich nicht
etwa um ein Verwerfen von "Sein und Zeit", sondern um die Vertiefung
von "Sein und Zeit". So muss der Leser damit rechnen, das
alle Grundbegriffe aus "Sein und Zeit" seynsgeschichtlich
verwandelt wiederkehren (Von der Stimmung, dem Sein-zum-Tode,
der Zeit-Raum-Problematik, der Destruktion der Geschichte der
Ontologie, über den Phänomenologie-Begriff bis hin zur ontologischen
Differenz ist hier alles vertreten, uvm.).
Obwohl das Motto der Gesamtausgabe "Wege, nicht Werke" lautet,
bedeutet das - wie Heidegger einmal sagt - nicht, dass man sich
die Lektüre von "Sein und Zeit" einfach ersparen kann.

(2)Zweitens, muss der Leser den axiomatischen Grundriss der klassischen
Metaphysik kennen. Er muss verstanden haben, warum für Heidegger die Metaphysik ihre
Möglichkeiten mit Hegel und Nietzsche vollständig ausgeschritten
hat. Und ein anderer Anfang des Denkens möglich (!) wird.
Hier wird alles (!) von Grunde auf transformiert: durch das Verlassen
der metaphysischen Leitfrage(ti to on?) und das Fragen der Grundfrage (was ist das Seyn?)
wird die Möglichkeit einer nicht-metaphysischen Beschreibung
der Metaphysik gewonnen. Und damit ein anderer Anfang der Geschichte.
Das Werk ist der ungeheuer durchdachte Versuch einer Reformulierung der
klassischen philosophischen Axiomatik durch Transformation der
husserlschen Phänomenologie und der Reinterpretation des Denkens der anfänglichen
Denker (Anaximander, Heraklit, Parmenides).
Es lässt sich also nur mit den allerallerwichtigsten Grundlegungswerken der
Philosophiegeschichte vergleichen.

(3) Und schließlich muss der Leser drittens, wenn all diese Vorrausetzungen
erfüllt sind, noch versuchen, dieses in jeder Hinsicht ausgefuchste Werk
eines Philosophen von Jahrhundert- (wenn nicht Jahrtausend-Rang)
überhaupt zu verstehen.
Der Weg des seynsgeschichtlichen Denkens wird hier nämlich begonnen
und keineswegs ein für alle Mal abgeschlossen. Wie schwankend hier die Pfade
sind, zeigt, dass Heidegger bereits wenige Jahre später auch mit diesem Werk
nicht mehr zufrieden war (cf. etwa Vorworte "Das Ereignis" (1942)).
Das heisst, der Leser muss den Wegcharakter (hodos vs. methodos) des seynsgeschichtlichen
Denkens jederzeit im Kopf behalten, damit die Zerbrechlichkeit dieses Denkens überhaupt erst
zum Vorschein kommen kann. Trotzdem versucht Heidegger hier auf's Ganze zu gehen und
das heisst hier: das gesamte Gefüge des seynsgeschichtlichen Denkens wird hier
zum ersten Mal durchschritten.

Es geht
um das Da des Seyns und das Seyns des Da (Kehre),
um Dasein und die Überwindung der Subjektivität,
um die Verflechtung von Lichtung, Wahrheit, Stimmung, Schweigen (Sigetik) und Sprache,
um den letzten Gott und das Ende der Onto-Theologie,
um die Kehre im Ereignis,
um die Eröffnung des Zeit-Raums des Seyns,
um die Transformation der Modalitätenfrage,
um das Seyn zum Tode,
um den Nihilimus und das rechte Verständnis des Nichts, der Nichtung und der Verneinung,
um das Gefüge von erstem und anderem Anfang, das Gefüge von Leit- und Grundfrage,
um Hölderlin und die Eröffnung unerhörter Bereiche der Sprache
und um die Aufgabe des Denkens nach dem "Ende" der Metaphysik u.v.a..

FAZIT: Das Buch sollte jeder an Heidegger Interessierte
erstehen. Klar sein sollte aber, dass es viele Jahre
(wirklich keine Übertreibung!) dauert, um hier überhaupt Fuss
zu fassen. Da dieses Buch die erste Ausformulierung des
seynsgeschichtlichen Denkens ist, ist es auch unendlich
wichtig, um die Akzentsetzungen in den anderen Werken
wie etwa "DAS EREIGNIS"(1942) überhaupt verstehen zu
können.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall, auch die
Bände "Zur Sache des Denkens","Was heisst Denken?" und den
schmalen Band "Was ist Metaphysik?" zu erstehen, weil hier
vieles ein wenig didaktischer vorgetragen wird.
5 Sterne für einen Klassiker der Philosophie.
11 Kommentar|22 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. März 2014
Sucht man einen Satz, in dem Heidegger Anspruch und Provokation seines Denkens förmlich auf den Punkt bringt, wird es schwerlich einen Pointierteren, mancher wird auch sagen Selbstentlarvenderen, geben, als diesen aus seinen "Beiträgen zur Philosophie". Schlägt dieser Satz nicht jedem Leser geradezu ins Gesicht, der mit Recht von der Philosophie hofft, Orientierungsmöglichkeiten darüber zu erhalten, wie zu leben und also auch zu denken für uns Menschen gut und richtig ist? Und wie muß, anders herum gesagt, ein Denker erscheinen, der mit einer derartigen Dreistigkeit jeden Anspruch auf Kommunikation und Gedankenaustausch mit Mitdenkenden zu verweigern scheint? Ist dies nicht vielmehr der Ausdruck einer bewußt zum Programm erhobenen Perversion der Aufklärung, für die einige der besten deutschen Denker eingetreten sind? Erwähnt sei z.B.Kant, der nur das für vernünftig erachtet, was "eine freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können" (KrV Vorrede A). Oder Schopenhauer, der geradezu einen Kreuzzug gegen die Neigung der Philosophen, sich in einer verquasten Begrifflichkeit über Unnennbares zu verbreiten, geführt hat?
Vor dem Hintergrund dieser Tradition in der deutschen Philosophie mutet Heidegger, nicht nur in diesem Text, aber vor allem in ihm, wie ein anarchistischer Underdog an, der lustvoll an alles die Lunte zu legen scheint, was in der europäischen Philosophie in Sachen Vernunfterhellung und Lebensorientierung Rang und Namen hat. Doch die Philosophie Heideggers insgesamt in Bausch und Bogen beiseite zu schieben und ihm ein allein suggerierendes Verdummenwollen seiner Leser vorwerfen zu wollen, erscheint allzu billig. Vielmehr kann gerade dieser Duktus von Heideggers Denken, dessen angestrengtes Bemühen, noch nicht Gesagtes oder vielleicht grundsätzlich Unsagbares zur Sprache zu bringen als Herausforderung begriffen werden. Wie kann die zitierte vermeintliche Verteidigung des Unverständlichen von Philosophie selbst verstanden werden? Wie kommt Heidegger dazu, in seinen "Beiträgen zur Philosophie" der Philosophie in der Gesamtheit ihrer bisherigen Geschichte den Fehdehandschuh hinzuwerfen?
Das bedeutsamste Motiv, dem sich die "Beiträge" verdanken, ist Heideggers Bewußtsein davon, mit einer umfassenden und mit nichts Vorangehendem vergleichbaren Krise konfrontiert zu sein. Diese Krise ist so tiefgreifend, dass alle bisherigen, aus der Tradition der europäischen Philosophie gewonnen begrifflichen Werkzeuge, das Weltgeschehen zu deuten und wenn möglich zu begreifen, untauglich erscheinen. Heideggers rigoroser Gestus, alles bisher Gedachte von einer absolut gewandelten Grundstellung aus nochmal ab ovo zu durchdenken kann nur vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund seiner Philosophie recht verstanden werden. Ohne die Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts, den ersten Weltkrieg, und die daran nur allzubald anschließende Epoche der faschistischen Diktaturen ist Heideggers Denken nicht nachvollziehbar. Die Grundbegriffe der neuzeitlichen, aber auch der vorangehenden Philosophie, wie z.B. 'Vernunft', 'Wahrheit', 'Aufklärung', haben sich, so Heideggers Eindruck, vernutzt. Sie erfassen nicht länger die Wirklichkeit, die wir erleben und erleiden. Was wir stattdessen erfahren, ist eine in alle Lebensbereiche eindringende Generalmobilmachung, eine Inthronisierung dessen, was er in diesem Buch unter dem Begriffen der 'Machenschaft' und des 'Erlebens' zu fassen versucht. Die Machenschaft ist die Heraufkunft des sich selbst überschlagenen Homo faber, des Menschentypus, der sich vor allem anderen als Machender und Gestaltender weiß, der alles, was sich ihm und seinem Anspruch, zu formen und zu funktionalisieren, entzieht, als Provokation erfährt und zu überwältigen sucht. Dies führt zu einem zunehmend sich beschleunigenden technischem Wandel, der unentwegt funtionalisiert und instrumentalisiert. Ein Blick jenseits dieses Prozesses ist zunehmend weniger möglich, die Absolutheit, in der er sich als alternativenlos aufdrängt, scheint jeden Versuch, innezuhalten und sich zu besinnen, was hier eigentlich mit uns und um uns geschieht, als sinnlos und verrückt abzuwerten. In dieses Zeitalter der Notlosigkeit einer grundlegenden Besinnung über uns sind wir laut Heidegger eingetreten. Meiner Meinung nach wird man Heidegger dann gerecht, wenn man sein Denken insgesamt und in diesem Text als Versuch versteht, sich dennoch und wie zum Trotz gegen den uns umgebenden und durchherrschenden Geist der Zeit zu besinnen.
Heidegger nimmt diese Erfahrung über den Lebensstil seiner Zeit nämlich nicht einfach nur zu Kenntnis, um über ihn und das Elend des Lebens zu lamentieren und zu klagen. Er fragt als Philosoph, der er ist, danach, wie es soweit überhaupt hat kommen können. Dabei fällt ihm auf, dass es eine von Platon bis Husserl wirkmächtige Tendenz gibt, das Sein, die Welt als das Ganze, uns Umgreifende, vom Menschen aus und auf ihn hin zu verstehen. Der homo faber der Machenschaft ist nur die letzte Form und die Vollendung dieser Vermenschlichung des Seins und des Seienden. Wollen wir also dieser gleichsam fatalen Geschichtsentwicklung widerstehen, ihrer Vernutzung und Verdinglichung der Welt und des Menschen entgegentreten, dann können wir nicht anders, als in einem Sprung aus dieser seit Jahrtausenden befestigten Blickbahn auf uns und die Welt in einen anderen Anfang des Denkens zu springen. Dieser Sprung, so Heidegger, ist notwendig, um nicht wiederum in eine überkommene Haltung zurück zu fallen und damit mit den Mächten des Weltunheils zu kooperieren. Jeder Versuch, 'sich verständlich zu machen', muß für ein solches Denken bedeuten, sich anzupassen und damit selbst aufzugeben. Die Kommunikationsverweigerung, die Heideggers Denken, besonders in seinem Spätwerk nach 1930 charakterisiert, ist selbst ein Ausdruck der Versehrung durch die unmenschlichen Zeitgewalten. In ihr drückt sich nicht zuletzt auch die Ohnmacht des Denkens vor dem schlechten Objektiven aus. Aber gibt es eine Alternative zum Denken, auch wenn es ohnmächtig und schwach erscheint? Heidegger ist selbstredend als Philosoph nicht dieser Auffassung. Er mutet uns als seinen Lesern zu, mit ihm nach einem anderen Denken, das nicht den Menschen als alleiniges Thema und absoluten Mittelpunkt inthronisiert, zu suchen. Die Radikalität, in der Heidegger diesen Weg zu bahnen sucht, mutet abstrakt und eben deshalb problematisch an. Er kann von seinen Voraussetzungen her nicht anders, als uns appellativ zu einer Erfahrung zu veranlassen, die er als die 'Not der Notlosigkeit der Seinsverlassenheit' umschreibt. Erst in dieser Erfahrung und aus ihr heraus vermag der Erfahrende zu gewahren, daß die von ihm eingenommene Perspektive auf sich selbst in sich verblendend ist. In diesem aufrüttelnden Anstoß wird ihm der Star gestochen und er vermag sich selbst von einem Geschehen her zu begreifen, das ihn und die Welt als ganzes umfasst. Dieses Geschehen nennt Heidegger hier 'Seyn'.
Aber wie kann dieses 'Seyn' gedacht werden, wenn alle Begriffe, in denen wir zu sprechen und zu denken gelernt haben, in sich selbst komprommitiert sind? Wird solch ein anderes Denken dann nicht notwendig kriterienlos und irgendwie auch beliebig? Mit diesen Fragen läßt Heidegger uns folgerichtig allein. Wir vermögen sie nur zu beantworten, wenn wir selbst uns auf den Weg machen, der uns in seinen Texten angezeigt wird, um selbst Denkerfahrungen zu machen und zu artikulieren.
Dieser Text von Heidegger muß unvermeidlich höchste Ansprüche an seine Leser stellen, da Heidegger hier vor dem Horizont der gesamten Geschichte der Philosophie denken muß. Für Anfänger in der Philosophie ist er daher wohl eher frustrierend. Für den, der sich auf ihn einläßt, ist er allerdings eine aufregende Aufforderung, Philosophie aus einer grundsätzlich gewandelten Perspektive zu prüfen: 'Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann'.
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am 16. April 2009
Schwer für Jemand der sich noch nicht damit "Auseinander"- gesetzt hat!!!!
Auch Für "Scholaren" der Philosophie äußerst schwierig. Wie gesagt:
"Für die Wenigen und Seltenen". ZB.:Friedrich Hölderlin, Handke, Botho Strauß!!!etc.

Mit freundlichen Grüßen petervonklosswilliam@gogglemail.com
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