Verborgenes Schmuckstück Feuchtwangers
Beim Erscheinen des Buches im Jahr 1957 bemerkte die "Münchner Abendzeitung", das Buch "scheine auf Granit geschrieben zu sein", und unterstrich damit bereits die Zeitlosigkeit des Werks. Nichtsdestotrotz ist Feuchtwangers letzter Roman bislang weitestgehend unbekannt geblieben.
Die Handlung spielt im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, in der "7. Generation, seit Israel sein Volk ins gelobte Land", also ins Land des Jordans, geführt hat.
Der Richter und Stammesoberhaupt Gilead ist gestorben und hinterlässt seiner Sippe Macht und Besitz. Davon ausgeschlossen ist sein unehelicher Sohn Jefta, der recht- und besitzlos in die Berge zieht und in einer Gemeinschaft Gesetzloser zum mächtigen Bandenführer wird.
Belagert von Feinden ruft das Volk Gileads ihn zurück und ernennt ihn zum obersten Richter und Heerführer. Daraufhin beginnt der Krieg gegen die Söhne Baals und Milkoms.
In auswegloser Situation bittet Jefta seinen Gott Jahwe um Hilfe und gelobt, den ersten Menschen seiner Sippe zu opfern, der ihm begegnet. Als er im stolzen Siegestaumel auch noch Frevel begeht an den efraimitischen Glaubensbrüdern, nimmt Jahwe blutige Rache an ihm.
Lion Feuchtwanger schafft es durch seine ausdrucksvolle Sprache, den Leser in archaische Zeiten zurück zu versetzen. Dieser nimmt Teil an den Auseinandersetzungen des Volkes Gilead, er spürt die sengende Sonne und wandelt auf steiniger Erde.
Feuchtwangers Roman steckt voll von alttestamentarischer Moral, in der ein Kriegsgott Jahwe für seine Unterstützung oder zur Tilgung von Schuld Blutopfer verlangt. Kraftvolle Dialoge und eine spannende Handlung machen das Buch zu einem überaus lesenswerten literarischen Schmuckstück.