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Gesammelte Werke: 4 Bde.
 
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Gesammelte Werke: 4 Bde. (Gebundene Ausgabe)

von Erich Fried (Autor), Volker Kaukoreit (Herausgeber), Klaus Wagenbach (Herausgeber)
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 2688 Seiten
  • Verlag: Wagenbach (4. April 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803132037
  • ISBN-13: 978-3803132031
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 12,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 266.922 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Im November 1998 jährte sich der Todestag von Erich Fried zum zehnten Mal. Bisher gab es seine gesammelten Werke nur in einer teuren gebundenen Originalausgabe.

Die Herausgeber Volker Kaukoreit und Klaus Wagenbach geben im Herbst diese vier Bände, die drei Gedichtbände und einen Band Prosa mit chronologischem Register im Schmuckschuber zu einem wahrlich sensationellen Preis heraus. Wer bisher Erich Fried nur als Dichter von "Was es ist" kennt, darf sich seine anderen Liebesgedichte nicht entgehen lassen und wird dabei auf einen Lyriker stoßen, dem die deutsche Literatur die Erneuerung des politischen Gedichts verdankt.

Erich Fried ist ein Sprachakrobat, ein Könner, der die Sprache virtuos handbabt. Er bringt die feinen Unterschiede auf den Punkt und regt den Leser immer wieder zum Nachdenken an, wenn er scheinbare Unabänderlichkeiten ganz naiv in Frage stellt. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Neue Zürcher Zeitung

Nicht nur Erlerntes leben

Erich Frieds Werk als Wider-Spruch

Erich Frieds Werk wird umstritten und also lebendig bleiben, dafür sorgen schon die inhaltlichen und formalen Grenzüberschreitungen, die seine Lyrik und Prosa kennzeichnen. Wie die meisten Autoren seiner Generation hat er Konsequenzen aus dem Kriegserleben gezogen, und das macht sein Werk gutteils ungemächlich. Dass es jetzt in einer grossen vierbändigen Halbleinen-Klassikerausgabe vorliegt, zeigt es als angenommen, auch wenn der Preis wohl ein verlegerisches Wagnis darstellt.

Frieds Ausgangspunkt war die Frage, ob und wie sich angesichts des Holocaust eine Karriere als «deutscher Dichter» überhaupt denken lasse. Er fühlte sich, wie frühe Zeugnisse ausweisen, schon als (Wunder-)Kind für eine Sprecherrolle berufen, und die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts haben ihm diese nicht erspart.

Fried, 1921 in Wien geboren, trat bereits 1927 mit grosser Wirkung als Kinderschauspieler auf, schrieb ab 1930 Aufsätze und Gedichte, die vor allem durch die politischen Ereignisse provoziert waren. Dazu gehören das Erlebnis der Juli-Demonstrationen 1927 und das Niederschiessen von Arbeitern, die entschiedene Ausgrenzung als Jude (auch und gerade in der Schule) seit 1934, die Gründung einer kleinen Widerstandsgruppe. Nach dem Hitler-Einmarsch in Österreich 1938 wurden die Eltern verhaftet, der Vater starb an den Gestapo-Misshandlungen. Fried gelang die Emigration nach London, das er auch nach 1945 nur gastweise verliess.

Den grossen Erfolg brachten ihm die politischen Gedichte in den sechziger und die Liebesgedichte in den achtziger Jahren. Mit über 400 000 verkauften Gedichtbänden dürfte er der am meisten gelesene zeitgenössische Lyriker sein. Drei Bände bringen seine Gedichtbücher in zeitlicher Folge: sechziger, siebziger, achtziger Jahre, pro Jahrzehnt ein fast 700-Seiten-Band. Der Roman «Ein Soldat und ein Mädchen» (1960) und die Erzählungen füllen den vierten Band.

Erich Fried hat zeitlebens in Dichtung, in Kommentaren, Essays und Reden versucht, den Bedingungen von Krieg und Faschismus nachzudenken. Und das bedeutet speziell auch: den kulturellen und politischen Dimensionen des Judentums, den Ursachen und Auswirkungen des Antisemitismus. Sein Roman ist durch eine «wilde» Form charakterisiert: verschiedenartige Aufzeichnungen, Umschreibungen, Fabeln, Träume, Mythen und Parabeln, Sprachexerzitien, Kommentare bauen ihn auf. Das bildet die Fassungslosigkeit darüber ab, mit welcher Selbstverständlichkeit alle Versöhnungskonzepte ausgeschlagen wurden und werden. Ein aktueller, zuwenig beachteter Roman.

Ausdrücklich wendet sich der Text gegen alle Verdrängungen und plädiert dafür, «dass die Menschen Schuld und Mitschuld auf sich nehmen lernen, die sich aus unseren verschiedenen geschichtlichen Zusammenrottungen ergeben». Das sei freilich allein möglich, «wenn Menschen von der anderen Seite bereit sind, zu verstehen und zu lieben».

Am Grunde seiner Figuren findet der Erzähler: Sprache und das Versagen der Sprache. Es ist diese Erfahrung von der Sprachlichkeit unserer Welt, die auch den Typus von Frieds Lyrik bestimmt. Die frühen Gedichte Frieds sind durchaus noch konventionell in Form, Ton und Bildwahl. Die Begegnung mit dem literarischen Barock und der englischen Lyrik, die Rezeption der frühen Moderne führen Fried zu seinem Ansatz des «ernsten Wortspiels». Das macht für ihn auch eine «Lyrik nach Auschwitz» möglich: er fragt den (Sprach-)Bedingungen nach, unter denen Menschen ihr Fühlen und Denken fremdbestimmen lassen.

Im Zentrum des ersten Bandes stehen die «Warngedichte» und die vielgerühmten wie umstrittenen Texte «und Vietnam und» (1966). Der Typus des Warngedichts, der Fried eigentümlich zugehört, geht vom Vertrauen auf Gegen-Sprache aus, glaubt an Möglichkeiten der Aufklärung. Gibt es eine andere Perspektive? Das Gedicht «An die Schrecken der Zeit» beginnt:

Ich sehe euch in die Augen

ich höre euch in die Ohren

ich rede euch in den Mund

euer Wort ist mein Echo

Der Band «und Vietnam und» liess Fried eine Sprecherrolle zuwachsen, die er durchaus politisch interpretierte und wahrnahm. Das hat Frieds Namen fest mit dem Paradigma «politische Lyrik» verknüpft. Auch dass später vor allem Liebesgedichte folgten, hat daran wenig geändert. Es wäre an der Zeit, die (Vor-)Urteile zu überprüfen. Die politischen Gedichte «dröhnen» keineswegs, sind gerade nicht, wie Biermann uninformiert befand, «Gedachte», sondern bleiben jeweils der Sprache und den Formen, mit denen unser Wirklichkeitsverständnis manipuliert wird, auf der Spur.

«Ich bin zu reich an Toten», befand der 24jährige Fried: «Ich will nicht mit meinen Toten leben . . .» Die Formel «Lebensschatten», Titel des Gedichtbandes von 1981, hält fest, dass der Vorsatz «Die Welt ist für die Lebenden da» nicht ganz glücken kann. Der Band endet denn auch mit dem Gedicht «Ein schlechter Schüler»: «Das Leben hat mich gelehrt / dass ich es nicht verstehe / und nichts von ihm / lernen kann und lernen will . . .»

Die Konsequenz, die Fried aus der Situation zieht, «nach Auschwitz» zu leben und zu dichten, ist mit seiner Titelformel «Gegen das Vergessen» (Bund-Verlag, 1987) bezeichnet. In der Lyrik tritt das als Engagement hervor, und zwar als eines, man muss es stets wieder betonen, das sich gerade nicht nur inhaltlich durchsetzt.

«Wo lernen wir leben?» fragt Fried und setzt sofort hinzu, dass es nicht darum gehen kann, «nur Erlerntes zu leben». Es ist diese Haltung, die ihm ein so grosses Publikum unter Jugendlichen verschafft hat. Die Absage an das «Nur» trägt auch sein politisches Engagement: «Erst auf der anderen Seite der Nure / beginnt das Leben». Die Liebesgedichte, Zentrum des dritten Bandes, gewinnen ihre Intensität gutteils daher und gehen zugleich von der Gewissheit aus, dass es mehr gibt, als die Sprache uns mitteilen kann. Fried privilegiert für diese Aussage die Tautologie, als Weigerung, alles in Sprache zu übersetzen: «Es ist was es ist / sagt die Liebe».

So ist auch die Kleine Prosa orientiert: auf ein wörtliches Erzählen hin, das an den Zeichen der Wirklichkeit genug hat. Die Texte gehen vor allem von Erinnerungen aus. Die Entscheidung für das bezeugende Erzählen gibt dabei keineswegs den Kunststandpunkt auf, sondern betont recht friedisch, «wie sehr das richtige Wort uns mit echtem Sinn umgibt, ja zugleich umfängt und umfreit». Die «Verwahrlosung der Worte» und «die Welt in Gefahr» blieb für Fried ein und dieselbe Aussage. Wagenbachs Werkausgabe lädt ein, diesen Zusammenhang aufs neue zu bedenken.

Alexander von Bormann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine riesige Fundgrube, 17. Juli 1999
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: Gesammelte Werke, 4 Bde. (Gebundene Ausgabe)
Ich bin verrückt nach Erich Fried! Seine Lyrik ist lebensnah, sie ist verständlich, prägnant, manchmal schwer verdaulich, manchmal luftig und leicht. Und die Gesammelten Werke sind wie ein Steinbruch. Für jede Gelegenheit und jede Situation ein Gedicht mit Tiefgang, eine Reihe von Wörtern, in denen man sich aufgehoben und erkannt fühlt. Seine Einsichten überraschen, seine Worte überzeugen. Man müßte Gedichte wie seine schreiben können um ihn zu beschreiben. In diesem Band findet sich auch seine Prosa, Kurzgeschichten, die mir mehr als einmal einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Die Kunst Frieds ist es, ohne Kitsch und Schmalz, sondern in ehrlicher Klarheit, den Leser anzusprechen indem er in entwaffnender Offenheit von sich selbst erzählt. Erich Fried ist wie ein Schatz und die Gesammelten Werke eine übergroße Schatzkammer mit mehr Münzen als Mensch so schnell verarbeiten könnte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Für mich die Nr. 1 unter den Dichtern und Denkern!, 2. November 2003
Mein Lieblingsdichter! Wer ihn nicht kennt, muß ihn kennenlernen. Nicht nur seine Liebesgedichte sind einzigartig. "Es ist was es ist"? Auch sein politisches Engagement und seine Sicht der Dinge sind lesenswert. Ein unvergessener Dichter. Schade, dass sein Gesamtwerk nicht neu aufgelegt wurde. Erich Fried wollte das Vergessen verhindern. Seine Gedichte bringen Geschichte in Erinnerung, machen sie greif- und begreifbar. Sie sind von einer erschreckenden Aktualität. Sein interessantes Leben sowie sein imposantes Schaffen machen diesen Dichter zur Pflichtlektüre.
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen wirklich alles dabei, 23. April 2006
Also dieses Werk hat es in sich, da ist ja echt alles dabei, was man sucht, interessiert man sich für Erich Fried. Natürlich mag man nicht all seine Gedichte, aber das ist ja ermessenssache... Und es lohnt sich, sich mit den Gedanken dieses Mannes zu beschäftigen, auch in dieser Fülle. Auch wenn man viel Zeit braucht, wirklich empfehlenswert.
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