Nabokov ist dafür bekannt, daß seine Romane keine autobiographische Lesart zulassen, und oft genug hat er sich in Vorworten oder direkt im Text über derartige - vielleicht gar psychoanalytisch angehauchte - Deutungen lustig gemacht. Weiterhin schätzt man Nabokov für seine freischwebende Erzählweise, die die Handlung als Puzzle betrachtet und Mosaiksteinchen sortiert, ohne jemals die Distanz zum Stoff zu verlieren und in romantischen Schleim umzuschlagen. Das alles stimmt - aber nicht für sein erstes Buch, Maschenka (Betonung auf dem ersten a). Ganin, Nabokovs alter ego, stammt aus einer wohlhabenden russischen Familie und mußte während der Oktoberrevolution fliehen. In Berlin hat er sich in einer kümmerlichen Pension und einer ebenso kümmerlichen Liebschaft eingerichtet. Seine Mitbewohner sind ebenfalls Emigranten, und man redet über dies und das: Einer will nach Paris weiterreisen, Künstler hoffen auf ein großes Engagement, ein anderer will seine Frau nachholen. Als Ganin ein Foto dieser Frau sieht, kollabiert seine scheinbar friedliche Existenz, denn er erkennt seine Jugendliebe Maschenka drauf wieder. Zwischen das S-Bahn-Rattern der kalten und fremden Stadt mischen sich Fieberträume einer Jugend in den Weiten Rußlands, Erinnerungen an Landschaften, Jahreszeiten, Düfte und das allumfassende Gefühl der Verliebtheit. Ganin trennt sich von seiner Geliebten und sucht Kontakt zu einem alten russischen Poeten. Mit immer größerer Spannung erwartet er die Ankunft Maschenkas, doch als ein Telegramm dem Ehemann das genaue Datum mitteilt, beschließt er, vorher abzureisen.... Nabokov schreibt sehr empathisch, besonders an den heimwehgetränkten Stellen. Es ist eine schöne Liebesgeschichte in guter Prosa, aber man vermißt die schillernde Genialität der späteren Werke. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)