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Gesammelte Werke. Band 15.2: Lolita. Ein Drehbuch: BD 15/2 [Gebundene Ausgabe]

Vladimir Nabokov , Dieter E. Zimmer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

15. Januar 1999
Daß sich nach dem unverhofften Welterfolg des «Lolita»-Romans 1958/59 die Filmindustrie für den Stoff interessieren würde, war unvermeidlich. Daß sich schon 1958 kein Geringerer als der Regisseur Stanley Kubrick die Filmrechte gesichert hatte, war ein Glücksfall. Daß Kubrick Nabokov aufforderte, das Drehbuch selbst zu schreiben, war ein Akt des Respekts für Autor und Werk. Kubrick nannte es das beste Drehbuch, das je in Hollywood entstanden sei ­ und verwendete dann doch nur dessen dramaturgische Grundlinie und ein paar seiner Szenen. Seinerseits sah Nabokov Kubricks Film mit höchst gemischten Gefühlen, obwohl er sich stets höflich über ihn äußerte, und tröstete sich damit, daß das Drehbuch als solches ja erhalten und intakt geblieben sei. Erst 1973 jedoch konnte es in Amerika als Buch erscheinen, ein Jahr nachdem es Nabokov endlich gelungen war, sich den Text zur Veröffentlichung freigeben zu lassen. Dieser Band der Werkausgabe präsentiert jenes publizierte Drehbuch erstmals in deutscher Sprache ­ und darüber hinaus, rekonstruiert aus dem Typoskript, zum ersten Mal überhaupt alle jene Passagen, die Nabokov seinerzeit unter dem Druck Kubricks widerstrebend gestrichen hatte.

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Gesammelte Werke. Band 15.2: Lolita. Ein Drehbuch: BD 15/2 + Gesammelte Werke. Band 15.1: Dramen + Gesammelte Werke. Band 16: Nikolaj Gogol: BD 16
Preis für alle drei: EUR 77,00

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 1 (15. Januar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498046640
  • ISBN-13: 978-3498046644
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 12,6 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 800.911 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Lolita als Film

Nabokovs Drehbuch, neu ediert

Die Literatur ist ein geiziges Medium. Nüchtern betrachtet arbeitet sie nur mit 26 Buchstaben, die sich zu Wörtern, Sätzen und Texten verbinden lassen. Der Schluss, dass die Literatur eine defiziente Kunst sei und mithin tiefer als die Musik, die Malerei oder der Film stehe, wäre allerdings vollkommen verfehlt. In der Möglichkeit, bestimmte Informationen nicht festlegen zu müssen, liegt eine der grössten künstlerischen Chancen der Literatur. Gerade in Vladimir Nabokovs Prosa kommt dem Verschwiegenen zentrale Bedeutung zu, während das Gesagte oft nur als Ablenkungsmanöver dient. Das gilt in besonderem Masse für seine «Lolita» aus dem Jahr 1955. Nur vordergründig handelt dieser Roman von der pädophilen Leidenschaft eines knapp vierzigjährigen Literaturdozenten für ein zwölfjähriges «Nymphchen». Viel wichtiger als die Story, die beim Erscheinen des Buchs soviel Lärm erzeugt hat, ist das Bewusstseinsporträt eines Besessenen mit all seinen geheimen Wünschen und schiefen Rechtfertigungsstrategien. Nabokov präsentiert deshalb das ganze Romangeschehen aus der eingeschränkten, ja sogar verzerrten Perspektive des Ich-Erzählers.

Es spricht für den literarischen Geschmack des kürzlich verstorbenen Regisseurs Stanley Kubrick, dass er sich bereits 1958 die Filmrechte des umstrittenen Romans sicherte, der zunächst nur in einem drittklassigen Pariser Verlag erscheinen konnte. Nabokov nahm Kubricks Angebot, ein Drehbuch für den Film zu verfassen, erst nach anfänglichem Zögern an: Neben dem grosszügigen Honorar von 40 000 Dollar, das etwa das Siebenfache von Nabokovs früherem Jahreseinkommen als Professor in Cornell ausmachte, war es ein szenischer Einfall, der ihn dem Projekt zustimmen liess. Nabokovs Stimmungswandel ist um so erstaunlicher, als er zuvor nur schon die Abbildung eines «Nymphchens» auf dem Buchumschlag seines Romans strikt abgelehnt hatte. Nabokovs Grundidee beruhte auf einer subjektiven Kameraführung, die durch Trickaufnahmen und Überblendungen die intimen Phantasien des Protagonisten sichtbar machen sollte. Allerdings gelangen Nabokov in seinem Drehbuch nur wenige filmisch überzeugende Szenen. Darunter befindet sich etwa jene Einstellung, die zuerst Lolita beim Rock'n'roll zeigt und nachher langsam auf den Adamsapfel ihres zuschauenden Verehrers zufährt. Als Kuriosum zu erwähnen ist eine Hitchcock-Reverenz: Nabokov sah eine kurze Szene vor, in der er selbst als Schmetterlingsjäger auftritt und vom Liebespaar nach dem Weg gefragt wird. (Übrigens erkundigte sich Hitchcock 1964 bei Nabokov, ob er ein Drehbuch für ihn schreiben wolle – die Zusammenarbeit scheiterte jedoch an den divergierenden Interessen der beiden Meister: Hitchcock wollte die Psyche eines Mädchens zeigen, das mit dem Bösen konfrontiert wird; Nabokov hingegen schlug eine Liebesgeschichte mit Science-fiction-Hintergrund vor.)

Im Vorwort zu seinem Lolita-Drehbuch, das schliesslich weder bei Stanley Kubricks Verfilmung aus dem Jahr 1962 noch bei Adrian Lynes Remake von 1997 verwendet wurde, räumt Nabokov ein, dass er kein Dramatiker sei. In der Tat liegt seine faculté maîtresse nicht im direkten Dialog, sondern im kunstvollen Arrangement verschiedener Erzählebenen. Der Versuch, solche Verfahren durch den Einsatz von Off-Stimmen oder gefilmten Metaphern zu imitieren, wirkt im neuen Medium allerdings forciert. Als Nabokov sein Drehbuch 1974 in einer gekürzten Fassung veröffentlichte, wollte er es deshalb nicht in erster Linie als Filmvorlage, sondern als neue Variante seines Romans verstanden wissen. Der Herausgeber der deutschen Nabokov-Werkausgabe, Dieter E. Zimmer, hat nun erstmals alle vorhandenen Entwürfe zum Lolita-Drehbuch gesammelt und präsentiert sie in einer sorgfältig edierten Lesefassung. Paradoxerweise bestätigt sich Nabokovs ästhetisches Credo noch in der letztlich gescheiterten Filmversion des Romans: Nicht der Stoff ist bei einem Kunstwerk zentral, sondern die formale Ausarbeitung.

Ulrich M. Schmid -- Neue Zürcher Zeitung

Über den Autor

Geboren am 22.04.1899 in St. Petersburg. Er entstammte einer großbürgerlichen russischen Familie, die nach der Oktoberrevolution von 1917 emigrierte. Nabokov selbst ging zunächst nach England, wo er am Trinity College in Cambridge französische und russische Literatur studierte. Von 1922-1937 lebte er in Berlin, wo er 1925 die Russin Vera Slonim heiratete, der er bis zu seinem Lebensende nahezu alle seine Bücher gewidmet hat. 1938 verließ Nabokov Deutschland und ging mit seiner Frau und seinem Sohn nach Paris, bevor er 1940 nach Amerika übersiedelte. Wegen seiner Kenntnisse als Schmetterlingsforscher erhielt er 1942 einen Forschungsauftrag der Harvard Universität. Er beschrieb eine Reihe von neuen Schmetterlingsarten, von denen eine nach ihm benannt wurde. 1945 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Mit der Hilfe von Freunden und unter anderem aufgrund der Studie über Nikolai Gogol, die er 1944 veröffentlichte, wurde ihm 1948 eine Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität von Cornell angeboten. Hier arbeitete er zehn Jahre lang, bis ihm der der Welterfolg von «Lolita» es ihm ermöglichte, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Nabokov zog in die Schweiz, wo er sich ganz dem Schreiben widmete, Schmetterlinge fing und seine russischen Romane ins Englische übersetzte. In gewisser Weise hat er sein Exildasein bis zu seinem Lebensende bewusst aufrechterhalten. Nie besaß er eine Wohnung oder ein Haus. Er lebte in einem Hotel in Montreux, wo er am 5. Juli 1977 starb. Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters (1953); Kunstpreis der Brandeis Universität (1963/64); Orden des National Institut of Arts and Letters (1969).

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5.0 von 5 Sternen Ein Film zum Lesen 5. September 2010
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein Drehbuch zu lesen, ist sicher für den normalen Leser ein etwas ungewöhnliches Unterfangen. Dies umsomehr, wenn es sich dabei um das Drehbuch zu Nabokovs Lolita handelt und davon ausgegangen werden kann, dass der Leser das ursprüngliche Buch oder den Film zuvor bereits kennt. Aber gerade in diesem Fall ist es besonders reizvoll. Nach dem zwischen Kubrick und Nabokov geschlossenem Vertrag hatte sich Nabokov ausbedungen, das Drehbuch selbst zu schreiben. Sicher hatte er damit vor, seinen Roman vor einer Verstümmelung durch einen fremden Drehbuchautor zu schützen. Das eingereichte Manuskript wurde vom Kubrick außerordentlich gelobt, genügte aber seinen Vorstellungen mit Bezug auf die Machbarkeit in Wahrheit ganz und gar nicht. Vor allen Dingen war es zu umfangreich. Ein danach gedrehter Film wäre nach der Meinung des Regisseurs sieben Stunden lang geworden. Nabokov erhielt also den Auftrag, radikal zu kürzen. Das brachte dann als Ergebnis zwar ein kürzeres Drehbuch hervor, führte aber auch dazu, dass der zuerst eingereichte Text verloren ging. Kubrick konnte sich auch für die gekürzte Fassung nicht begeistern und entschied sich, (vermutlich) selbst die Hand anzulegen. Der danach gedrehte Film weicht stark von dem Buch Lolita ab und enthält nur geringe Spuren des von Nabokov gelieferten Drehbuchs. Der Film wurde von Nabokov als eigenständiges Kunstwerk Kubricks klassifiziert. Das veranlasste ihn später, sein Drehbuch gesondert zu veröffentlichen. Neben diesem Text finden sich in dem Band 15.2 der Werke-Ausgabe Fragmente, mit deren Hilfe es gelingt, sowohl die kurze, zuletzt von Nabokov an Kubrick gelieferte Fassung, als auch das ursprüngliche lange Manuskript zu rekonstruieren. Auch für den nicht wissenschaftlich interessierten Leser bleibt das Buch ein interessanter Lesestoff, denn Nabokov hat einen gut lesbaren Text geschaffen, der neben dem Roman durchaus seine Berechtigung hat. Reizvoll ist daran, dass alles, was in einem Film gleichzeitig (Bild, Musik, Text) für die unterschiedlichen Sinne abläuft, hier nacheinander gelesen werden muss. Das wird für die meisten Leser ein lohnendes Erlebnis sein.
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