In seinem umfassenden Werk erklärt Canetti bis in die kleinsten Einzelheiten seine Vorstellungen von den Vorgängen der Macht und der Instrumentalisierung der Masse. Dabei greift er oft und gerne auf ethnologische Aufzeichnungen zurück, was zusätzlich einen enormen Erfahrensspektrum für den Leser gibt. Canetti vergisst dabei jedoch nie, von afrikanischen Königen und vorchristlichen Herrschern in die Jetztzeit zurückzukommen, auch wenn keine expliziten Vergleiche gezogen werden. Bei all seinen Beispielen und Gedankensträngen ist man automatisch dazu angehalten zwischen den Zeilen zu lesen, selbst mit dem eigenen Erfahrungsschatz zu lesen. Canetti gibt nur eine Anleitung, öffnet die Augen für Sachen, die man unter diesem Gesichtspunkt nicht so gesehen hätte. Das macht dieses Buch zeitlos und jede neue Generation wird die Parallelen zur eigenen Gesellschaft wiederfinden.
Das Besondere daran ist, dass Canetti in einer einfachen, für jeden lesbaren Sprache schreibt und sich hütet mit komplizierten Fachtermini herumzuwerfen. Er lässt es jedem interessierten offen zu interpretieren und weiterzudenken, er hat Aufbauarbeit geleistet, die für andere Grundstöcke sein sollen.
Ein Gewinn.