Wie rezensiert man jemandes Werk (möglichst) sachlich, dessen Werk (ua in Österreich) - mehr oder weniger - in "gewisser" Weise, aus sog 'weltanschaulicher' Perspektive als (durchaus) höchst kontroversiell und umfehdet zu beschreiben ist?
Im Rahmen der gesammelten Schriften Friedrich A. (von) Hayeks könnte - (nahezu?) ungeachtet weltanschaulicher Grabenkämpfe und Sperrlinien - eventuell folgende Schrift Hayeks als (hoch) interessant beschrieben werden...:
"Zwei Arten des Denkens" (geschrieben anno 1975) (vgl. S. 48), zu finden unter der Thematik 'Wahrnehmung, Regeln und Wissen' (vgl. S. V. des Inhaltsverzeichnisses).
"Es gibt eine Klischeevorstellung von dem großen Wissenschaftler, die, wenn auch überzeichnet, so doch nicht gänzlich falsch ist. Er wird vor allem als vollkommener [sic!] Meister seines Fachs gesehen, als jemand, der die gesamte Theorie und alle wesentlichen Tatsachen seiner Disziplin parat hat und darauf vorbereitet ist, alle wichtigen Fachfragen augenblicklich zu beantworten. [sic!]" (vgl. S.48)
Im Zuge besagten Textes führt Hayek ua aus, dass es diesem 'Typus' einen anderen Wissenschafter(innen)-Typus gegenüberzustellen gäbe, welchem er selbst (!) angehöre, jenem der - wie er dies diktioniert - so genannten "Tüftler" ("puzzlers"). (vgl. S. 52).
Er gelangt hierbei ua zu folgender Formulierung (vgl. S.51):
"Alfred North Whitehead wird der Ausspruch zugeschrieben, "Wirrköpfigkeit" (muddleheadness) ist eine Voraussetzung für unabhängiges [sic!] Denken [sic!]". Dies ist" - so Nobelpreisträger Hayek (unbescheiden?) sodann - "sicherlich auch meine Erfahrung. Es lag daran, daß ich mich an Antworten, die für andere offensichtlich [sic!] gewesen sein mögen, nicht erinnern konnte, und daß ich daher oft gezwungen war, mir eine Lösung für ein Problem auszudenken, das für jene mit einem ordentlichen [sic!] Verstand [sic!] nicht existierte. [...]" (vgl. S.51).
(Selbstkritisch zT?) vermerkt Hayek in jenem besagten Text, sich selbst als zum von ihm postulierten Wissenschafter(innen)-Typus des "Tüftlers" ("puzzler") zählend, am Ende besagter Arbeit ua:
"[...]Selbst wenn ein großer [sic!] Teil [sic!] derer, die nach diesem Auswahlsystem angetreten sind, auf der Strecke bliebe und entweder ihren Studiengang nicht abschließen oder höchstens durchschnittliche Leistungen zeigen würde, glaube ich, daß eine solche Einrichtung uns helfen würde, Talente zu finden und zu entwickeln, die ohne sie verloren [sic!] wären. Es scheint in der Tat, daß der Denktyp, der dadurch angezogen würde, ein wichtiger Bestandteil jedweder wissenschaftlicher Gemeinschaft wäre - und einen Schutz dagegen darstellte, daß Einser-Prüflinge ein Regime [sic!] geheiligter Denkschemata [sic!] etablieren, innerhalb dessen sich alles Denken in gewohnten Geleisen bewegt." (vgl. S. 54)
Mag man (von) Hayek (durchaus) sehr kritisch gegenüberstehen, so zeigen zumindest *Teile* besagter Textpassage(n), dass der Autor ein (gewisses) Maß an krit. Auseinandersetzung mit Fragen des Studiums, der (universitären) 'Selektion' ua auch als diskussionswürdig erachtet und so ein (gewisses, gleichwohl eher eingeschränktes) Maß an 'Sensibilität' betreffs so genannte 'gerechte', so genannte 'angemessene' Prüfungsmodi mitbringt. Hayek sohin ein Mann, der offen für Sorgen von (Nachwuchs-)Wissenschafter(innen) ist ...? [sic!]
Was die anderen Texte anbetrifft, so mag hier (bisweilen) die Spannung (eher) 'abzuebben' ...
Allerdings:
Was zB den Text "Die überschätzte Vernunft" (vgl. S. 109) anbetrifft, so mag ua die Abgrenzung (nicht zuletzt des Autors), da lautend, ""Natürlich" - "künstlich"" (vgl. S. 113f), in welcher der Autor ua auf David Hume (vgl. S. 115, FN 3 sowie S. 116, FN 6) zT rekurriert, von Interesse (auch für 'Philosophen'/Philsophinnen zu sein), vielmehr allerdings (uU) jene Textpassage(n), worin der Autor von der "nicht-darwinistischen [sic!] kulturellen [sic!] Evolution" (vgl. S. 117) schreibt, ua behauptend:
"Obwohl in vieler Hinsicht kulturelle (auch soziale, psychosoziale, super-organisch oder exosomatisch genannte) Evolution der biologischen Evolution analog [sic!] ist, ist sie, wie mit Recht betont wurde, "ein von der biologischen Evolution wesentlich verschiedener Vorgang, mit seinen eigenen Gesetzen, Mechanismen und Modalitäten, und einer Erklärung auf rein biologischer Grundlage nicht [sic!] fähig. [...]" (vgl. S. 116):
Sehen das (grds) alle Wissenschafter(innen) so? Existiert hier uU eine (zT scharfe) Kontroverse ggf?
Es zeigt sich sohin, dass (von) Hayek (zT) durchaus (sehr) interessante Fragen (unsachlich?) lanciert, wobei (ua) fraglich sein könnte, wie er zB (präzise?) das von ihm selbst lancierte Wort "kulturell" definiert. [sic!] (...)
Innerhalb der gesammelten Schriften Bd. 1. von (von) Hayek vermag besagter Text als (dzt?) durchaus als einer der interessantesten, (krit.) diskussionswertesten zu sein, ohne dass man hierbei (im übrigen) zu einem 'Fan' dieses wichtigen, (hoch) kontroversiellen Autors, mit dessen (ausgewählten Teilen von) Nachfahren der Rezensent besagten, eine herkömmliche Rezension sprengenden Texten, zT befreundet ist sein zu müssen bzw zu einem solchen (unstreitig) werden zu müssen (arg *kritisches*, genau prüfendes, reflektierendes Lesen).
Hochachtungsvoll,
Georg Schilling