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Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 12: Philosophie der neuen Musik (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]

Theodor W. Adorno
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Über den Autor

Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 06. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der „Frankfurter Schule“, die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging. Sämtliche Werke Adornos sind im Suhrkamp Verlag erschienen.



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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hoch interessant aber auch höchst problematisch 23. Juni 2007
Von MG
Format:Taschenbuch
Es lohnt sich unbedingt dieses Buch zu lesen. Was Adorno über Schönberg und Strawinsky, aber auch so nebenher über viele andere Komponisten schreibt, ist immer hoch interessant und ungemein anregend, man mag ihm in der Sache zustimmen oder nicht. Das paradoxe dabei ist oft, dass er gerade auch über Komponisten wie Wagner, den er aus ideologischen Gründen eher ablehnt, höchst einsichtige Dinge zu schreiben weiß (es sei in diesem Zusammenhang auch auf sein Buch über Wagner verwiesen). Seine kritischen Anmerkungen sind hier oft erhellender als so manches apologetische Buch über denselben Gegenstand.

Was das Buch jedoch so problematisch macht, ist sein ideologisch demagogischer Charakter. Adorno bietet seine ganze rhetorische Brillanz auf, um mit apodiktischer Schärfe die "Zwölftontecknik" als historisch konsequente, ja gar als Ziel- und Kulminationspunkt der ganzen Musikgeschickte zu etablieren. Das ist die Methode Demagogen eine Sache mit unerschütterlicher Überzeugung wieder und wieder zu wiederholen, bis die Zuhörer letztendlich tatsächlich daran glauben. Manchmal klingt es wirklich grotesk, wenn er Werke von Beethoven oder Wagner als unvollkommene Vorstufen zu Schönbergs Werken abtut.

Bei Licht besehen ist die "Zwölftontechnik" ein völlig willkürliches und schon beim Schritt von der Ein- zur Mehrstimmigkeit sich in Widersprüchlichkeit verwickelndes oder eben in Beliebigkeit auflösendes System. Wenn einige Komponisten daraus für sich eine produktive Selbstbeschränkung beziehen, ist das legitim, doch darin den einzig wahren Weg der musikalischen Entwicklung zu sehen, ist hanebüchen. Dabei ist Adorno zu intelligent, um nicht auch genau diese Schwächen selber zu sehen. Doch auch hier wendet er die Mittel des demagogischen Rhetorikers an, indem er die Einwände der Kritiker vorwegnimmt, um ihnen damit von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Überhaupt leidet Adorno unter der Schwäche vieler brillanter Rhetoriker, die sich von ihrer eigenen Rede davontragen lassen. Adornos Theoriengebilde sind tatsächlich keineswegs wirklich konsequent und kohärent. Seine Argumentationsweise hat viel mehr prozessualen Charakter, seine quecksilbrige Intelligenz ist eher sprunghaft.

Adornos größte Schwäche ist, dass er nicht von Musik als Material abstrahieren kann oder besser gesagt, dass ihm alle Musik, die mit einer laxen Haltung zu dieser für ihn so zentralen Frage des Zusammenhangs zwischen Material und Erscheinungsform geschrieben wurde, zuwider ist. Genau aus diesem Grund ist ihm auch die Musik Strawinskys, deren handwerklich hohes Niveau er durchaus anerkennt, ein Dorn im Auge. Seine ganze Argumentation ist aus einem tief verwurzelten moralisch hygienisch Antrieb gespeist, der das Wesen der Kunst viel zu eng fasst. Kunst ist in Wahrheit viel widersprüchlicher und inkonsequenter, Missverständnisse dort oft weit produktiver als stringente Logik.

Ihre Einseitigkeit und Intolleranz macht Andornos Ästhetik aber auch historisch gesehen prekär. Dass sie in ihrer Apodiktik und ihrer Tendenz zur "Gleichschaltung" auf unheimliche Weise den diktatorischen System des 20. Jahrhunderts ähnelt, wird mit historischen Abstand immer deutlicher.

Thomas Mann hat das wohl schon zu seiner Zeit hellsichtig erkannt. Er war bereits während des 1. Weltkrieges mit seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" durch das Fegefeuer der ideologischen Verblendung gegangen. Dass sein "Adrian Leverkühn" im "Dokter Faustus" eben nicht das heldenhafte widerständige Genie ist, sondern im Gegenteil auf ideologischer Ebene denselben Versuchungen des Teufels wie das deutsche Volk verfällt und daran zu Grunde geht, wurde damals noch gar nicht so wahrgenommen. In einigen beiläufigen ironischen Bemerkungen lässt Thomas Mann das in seinen Tagebüchern anklingen. Mit wissendem Schmunzeln hat er dann auch Schönbergs und Adornos begierige Wünschen, als geistige Urheber von Leverkühns Ästhetik gewürdigt zu werden, genüge getan.
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