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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Über einen großen Zeitraum, von 1939 bis 1976, erstrecken sich die "Gesammelten Erzählungen" Paul Bowles`, die David Wagner auf ein Erzählmuster reduzieren kann: ein westlich geprägter Mensch kommt in ein fremdes Land, dort sieht er seltsame Dinge, die er nicht einordnen kann, dort passieren ihm seltsame Dinge, die ihn unweigerlich verändern. Bowles Figuren sind keine verwegenen Abenteuergestalten wie bei Conrad, sagt Wagner, sondern der Apathie ergebene Menschen: Opfer, ihr eigenes Opfer. Bis auf eine Erzählung, die in New York spielt, sind alle Geschichten in der Provinz, abseits der großen Städte angesiedelt, wo die fremden Regionen keine konkrete Rolle spielen, sondern phantastische, symbolisch überhöhte Landschaften darstellen. Die Landschaft liefert oft genug auch einen "sexuellen Subtext", der Wagner gelegentlich in seiner "Penetranz" auf die Nerven geht. Wo Bowles über die Wüsten und Oasen berichtet, schleicht sich für Wagner ein onkelhafter Märchenton ein: die Fremde bleibt eine in sich geschlossene, archaisch-rohe und aber letztlich idyllische Welt.
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Kurzbeschreibung
Seine Schauplätze sind ferne exotische Länder mit Namen, die nach Verheißung klingen: Marokko, Corazon, Paso Rojo oder Cold Point. Seine Helden sind rastlose Aussteiger, Vertreter der "lost generation", die der Enge und Konvention des zivilisierten Alltagslebens entfliehen. Aber über den fremden Orten, von denen Bowles' Figuren magisch angezogen werden, liegt in Wahrheit eine Atmosphäre unfassbarer Bedrohung. Fernab der Schranken des zivilisierten Alltagslebens brechen lange verdeckte Abgründe der menschlichen Existenz auf, in denen Bowles' Gestalten mit der oft erschreckenden Wahrheit über sich selbst konfrontiert werden.