David Lawrence tut für London, was Ian Rankin für Edinburgh tut: er zeigt die Schattenseiten der Stadt abseits der Touristenpfade. Sein London ist laut, dreckig und bevölkert von Kriminellen aller Art. Wer je als Tourist in der Stadt war, wird außer gelegentlichen Erwähnungen der Themse nichts wiedererkennen, denn Lawrence bewegt sich fernab aller touristischen Sehenswürdigkeiten. Dementsprechend liest "Der Geruch des Todes" sich auch ein bisschen wie ein Krimi noir, seine Ermittler bewegen sich in heruntergekommenen Wohnblocks und auf von Banden kontrollierten Straßen und ständig fliegt der Müll. Doch eine allumfassende Depression wie bei den skandinavischen Autoren setzt nicht ein, denn Detective Sergeant Stella Mooney, die Protagonistin, hat zwar auch mit ihren eigenen Probleme zu kämpfen, diese bleiben aber im Hintergrund und dienen zumal dazu, die Geschichte voranzutreiben, anstatt sie aufzuhalten.
Im vorliegenden Fall wird Stella zur Leiche einer brutal ermordeten Frau gerufen. Erste Spuren führen ins Drogenmilieu, doch als eine zweite und dann eine dritte ähnlich zugerichtete Leiche gefunden wird, steht fest, dass man es mit einem Serientäter zu tun hat. Oder eher mit zwei Serientätern, denn Spuren an den Tatorten deuten auf einen Mann und eine Frau, die im Team arbeiten, eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Lawrence beschreibt einerseits die Ermittlungen mit gelegentlichen Ausflügen in Stellas Privatleben, andererseits auch die Aktivitäten der Täter, die wirklich ein merkwürdiges Paar darstellen. Dann gibt es noch einige Nebenstränge, die erst ganz zum Ende zusammengeführt werden. Diese Nebenstränge führen anfänglich zu etwas Irritation, mit der Zeit ist man aber auch von diesen gefesselt und kann nur bewundern, wie der Autor am Ende an alles gedacht hat.
Stella Mooney ist eine sehr ungewöhnliche Polizistin. So richtig passt sie in kein Klischee. Sie hat Ecken und Kanten und es braucht seine Zeit, bis sie einem sympathisch wird, aber auch vorher ist sie vor allem interessant. Sie steht zur Zeit der Erzählung zwischen zwei Männern, hat Geheimnisse vor beiden und vor ihren Kollegen und eine Therapeutin, der sie zum Ausgleich alles erzählt (und damit auch dem Leser). Sie scheint mir ausgesprochen gut gelungen zu sein und es wird interessant sein, zu sehen, ob sie sich zu einer Serienheldin entwickeln wird.
Wenn es das Genre "Psychothriller noir" noch nicht gibt, für „Der Geruch des Todes" müsste man es erfinden. David Lawrence kombiniert die Einfühlsamkeit einer Minette Walters oder Nicci French mit der Härte von Dennis Lehane oder Michael Connelly. Die von ihm geschilderten Verbrechen sind zugegebenermaßen grausam, doch nie hat man das Gefühl, dass dies um des Effektes willen geschieht.
Fünf Sterne für ein wirklich bemerkenswertes Debüt.