Produktinformation
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| 1. I got plenty o' nuttin' |
| 2. Summertime (I) |
| 3. Summertime (II) |
| 4. It ain't necessairily so |
| 5. Rhapsody in blue |
| 6. Rialto ripples, rag |
| 7. Impromptu in tow keys |
| 8. Merry Andrew |
| 9. Three-Quarter Blues |
| 10. Promenade |
| 11. "I got rhythme"- Variations |
| 12. Sleepless night |
| 13. Nevelette in fourths |
| 14. Rubato |
| 15. Prelude 1 |
| 16. Blue lullaby |
| 17. Spanish prelude |
Hätte er das nicht gesagt, könnte man seine CD vielleicht mit etwas Wohlwollen als passable Tanzmusik akzeptieren. Aber Jazz ist es keinesfalls. In den vier selbstgemachten Song-Arrangments, die die CD eröffnen, bedient sich Fazil Say weitgehend eines Swing- oder Stride-Piano-Stils der Zwanziger Jahre, weil das am unverfänglichsten ist, denn damals konnten die Jazzer auch noch nicht so swingen wie später. Dennoch genügen nur wenige Takte einer historischen Aufnahme von Earl Hines oder Benny Carter, um den Unterschied hörbar zu machen. Die balladenartige Klavierintroduktion zu "Summertime I" ist eben doch keine Ballade, sondern ein mit eigenartigen Harmonien und klassischen Elementen, die jedem Jazzer Schauer über den Rücken jagen, versetztes Fantasieprodukt, und das beeindruckend virtuose rhythmische Pattern im Klavier, das bei "Summertime II" eine Art Samba-Rhythmus bewirken soll, ist auf Dauer eintönig, weil Timing und Phrasierung nicht stimmen. Selbst der beim Improvisieren an Einfallsarmut leidende Friedrich Gulda hatte ein besseres Händchen für das richtige Jazz-Feeling. Auf der vorliegenden CD jedenfalls hat der Schlagzeuger James Sapporito, offenbar der einzige richtige Jazzer, alle Hände voll zu tun, um das Ganze einigermaßen zum Laufen zu bringen.
Auch die populäre "Rhapsody in Blue" ist bei Kurt Masur und dem New York Philharmonic nicht in guten Händen: Das Stück entwickelt in dieser Interpretation kein Leben, die einzelnen Phrasen stehen unverbunden und sinnarm nebeneinander. Hier greife man eher auf eine Einspielung von Leonard Bernstein oder André Previn zurück. Für wirklich interessanten einfallsreichen "weißen" Klavierjazz sei außerdem Martial Solal empfohlen. --Michael Wersin
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Nun zu einer genaueren Analyse:
Ich bewundere Says ungeheuer energetische Interpretation sowohl klassischer wie auch zeitgenössischer und sogar eigener Kompositionen, die mich gerade erst kürzlich in einem Live-Konzert zu Tränen rührte, aber für Jazz fehlte ihm zumindest 1999, als die CD aufgenommen wurde, manchmal ein bisschen das richtige Händchen - für meinen Geschmack.
Es mag einfach über weite Strecken kein Groove aufkommen. Say spielt wie ein quantifiziertes MIDI-File - also rhythmisch weitgehend exakt. Auf der anderen Seite klingt er manchmal wie ein Romantiker, der unter anderem in kurzer Zeit das Tempo immer wieder schmachtend hoch- und wieder runterzieht. Ich würde mir über weite Strecken etwas mehr Synkopierungen und Ungenauigkeiten - auch zwischen den Musikern - wünschen, aber manchmal auch etwas mehr Konsequenz beim Tempo. Hinzu kommt ein recht filigranes Klangbild des Klaviers bei den meisten Stücken, das meinem Gefühl nach phantastisch zu typischen Mozart-Sonaten passen würde, aber für Jazz dürfte es manchmal etwas lässiger und/oder leidenschaftlicher zugehen. Zum Beispiel würde ich mir manchmal eine etwas engagiertere Nachzeichnung der schreitenden Basslinien wünschen, teilweise weniger Stakkato und eben auch wieder mehr (Nach-)Lässigkeit im Rhythmus etc.
Auf der Scheibe finden sich neben den ganzen Piano-Solo-Stücken auch zwei Orchesteraufnahmen (mit Say am Flügel), beide mit den New York Philharmonic Orchestra unter Kurt Masur.
Was "Rhapsody in Blue" angeht, bin ich der Meinung, hier kommt wiederum die klassische Veranlagung aller Musiker durch: Das Stück ist rhythmisch zu gerade gespielt, wirkt auf mich dadurch (oder auch aus anderen Gründen) etwas hektisch. Es entsteht kein "Lean-Back"-Groove, obwohl es praktisch exakt genauso lang ist (16'50'') wie eine andere, sehr groovige Fassung, die ich schon länger hier im Schrank stehen habe (Bouquet - "Gershwin, Rhapsody in Blue, Ein Amerikaner in Paris, Kubanische Ouvertüre"). Manche Themen könnten einfach auch etwas vorsichtiger eingeführt werden statt überall nur durchzuhetzen.
Die Variationen über "I Got Rhythm" sind hingegen meiner Ansicht nach sehr gelungen und bringen für mich ganz ordentliches Jazz-Feeling rüber, wenngleich auch hier noch Verbesserungspotential bestünde.
Insgesamt ist Fazil Say technisch ausgezeichnet, manchmal habe ich das Gefühl, ein wenig zu gut. Bei ihm klingt Jazz einfach stellenweise wie Klassik - Liszt oder so.
Die Aufnahmequalität verdient großes Lob. Das Klangbild ist sehr transparent und "unbelastet", viele Klassik-CDs könnten sich davon eine "Scheibe" abschneiden.
Trotz meiner vielen Kritik muss ich trotzdem eine Kaufempfehlung aussprechen. Die CD ist eine solide Leistung, und Interpretationen sind halt immer auch Geschmackssache.
Auch für mich ist sie immer wieder ein Hinhörer, nur dass mir halt über weite Strecken noch ein gewisses Etwas fehlt.
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