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Gerron: Roman
 
 
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Gerron: Roman [Gebundene Ausgabe]

Charles Lewinsky
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Nagel & Kimche; Auflage: 5 (29. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3312004780
  • ISBN-13: 978-3312004782
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 15 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 30.747 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein wahres literarisches Wunder. Lewinskys Erzählung ist von seltenem sprachlichem Glanz, von lebendigstem Reichtum und von verblüffender erzähltechnischer Virtuosität. Lewinsky hat sich und seinen Melnitz mit dem Gerron übertroffen." Andreas Isenschmid, NZZ am Sonntag, 21.08.11 "Ergreifend und gut recherchiert - und da, wo es nichts zu recherchieren gab, glaubhaft erfunden." Felicitas von Twickel, ZDF Aspekte, 13.08.11 "Eine Liebesgeschichte. Ohne Frage. Von Charles Lewinsky meisterhaft erzählt, als sei er Kurt Gerron persönlich, jener Komiker der Banalität, der kurz vor dem Abgrund steht, dann aber über sich hinauswächst." Ilja Richter, Die Welt, 27.08.11 "Ein fesselnder Roman. Voll kessem Witz und lässiger Schnoddrigkeit, voll Berliner Schnauze und melancholischer Klugheit." Alexander Sury, Tages Anzeiger, 12.09.11 "Dieser fantastische Roman ist ein Erlebnis." Buddy Elias, DRS 1, 26.08.11 "Ein ganz direkter Ton, der einen sofort in Bann zieht." Hans-Ulrich Probst, DRS 2, 04.09.11 ""Gerron" ist ein Geschichtenschatz." Astrid Reinberger, NDR Fernsehen, Kulturjournal, 14.11.11. "Lewinsky hat die wenigen nicht verloren gegangenen Fakten über viele Jahre zusammengesucht und dann eine kluge, weil radikale poetische Lösung gewählt: Er erfindet Kurt Gerron, indem er die ganze Geschichte in seinen Kopf verlagert… Gerron dreht den Film im August/September 1944. Warum? Das war die Frage, die Lewinsky umgetrieben hat. Sein Roman ist seine Antwort, und das Erschütterndste an ihr ist gerade die unsentimentale Leichtfüßigkeit, mit der er sie aufgeschrieben hat." Pieke Biermann, Deutschlandradio, 04.11.11 "Ein wunderbares, berührendes, kluges Buch." Katja Weise, Norddeutscher Rundfunk, 04.11.11

"Zweimal erlaubt sich Lewinsky einen Trick, der zweimal gelingt: bei Magda Schneider wie bei Heinz Rühmann wird eine Geschichte erzählt, die man gern glaubt, bevor die zweite folgt, die stimmt.Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher gewinnt der Roman an Intensität. Vor allem, als sich Gerron entschlossen hat, den Film zu machen, ohne seine Selbstzweifel aufzugeben... Gerron kann die Augen seiner Statisten, alles Ghettobewohner, nicht glücklicher machen, als sie sind." Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung, 07.11.11 "Lewinsky gelingt es einmal mehr, einem die historischen Ereignisse so nahezubringen, dass man meint, wirklich verstehen zu können." Johanna Lier, Wochenzeitung WOZ, 22.09.11

Kurzbeschreibung

Kurt Gerron war einmal ein Star und ist jetzt nur noch ein Häftling unter Tausenden. Der Nationalsozialismus hat den bekannten Schauspieler von den Berliner Filmateliers ins Ghetto von Theresienstadt getrieben, wo er ein letztes Mal seine Fähigkeiten beweisen soll: Als er den Auftrag bekommt, einen Film zu drehen, der das erniedrigende Dasein der Juden als Paradies schildern soll, sieht er sich vor einer Gewissensentscheidung, bei der sein Leben auf dem Spiel steht. In dieser Lage lässt Gerron sein Leben noch einmal Revue passieren. Charles Lewinsky erzählt die faktenreiche und doch erfundene Biographie des Schauspielers Kurt Gerron, der dem Holocaust zum Opfer fiel - ein literarisch brillanter und berührender Roman.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Kurt Gerson, wohl besser bekannt unter dem Namen Kurt Gerron, war ein deutscher Schauspieler und Regisseur jüdischer Abstammung. 1944 wurde er ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort sollte er einen Film drehen, in dem das KZ als wahres Paradies dargestellt werden sollte.

Das sind wahre Fakten und sogleich die Ausgangslage in diesem Buch von Charles Lewinsky. Daraus entwickelt er einen Roman von sprachlicher Brillanz und inhaltlicher Klasse. In Rückblenden erzählt Lewinsky aus dem Leben Gerrons. Als Gerüst dienen dabei reale biographische Daten, wie zum Beispiel der Dienst im ersten Weltkrieg, die Erfolge als Darsteller und Regisseur in Filmen und Theateraufführungen, sowie der Aufenthalt in verschieden Konzentrationslagern. Die Lücken füllt Lewinsky mit seiner Fantasie, man hat jedoch nie den Eindruck, dass er übertreibt. Im Gegenteil: Man begleitet einen Gerron durch sein Leben, wie es wirklich hätte ablaufen können.

Parallel dazu schildert Lewinsky den inneren Kampf, den Kurt Gerron täglich austrägt. Soll er den Film drehen und so seine eigene Existenz verraten? Oder soll er sich weigern, was unweigerliche Deportation für sich, seine Frau und alle Insassen, die Teil des Films werden sollen, nach sich ziehen würde. Daraus bezieht das Buch in gewisser Weise auch eine Spannung, so dass trotz des langen Monologs (wörtliche Rede kommt nicht so häufig vor) keine Langeweile aufkommt.

Auf der letzten Seite des Buches ist ein Bild von Kurt Gerron abgedruckt. Aufgenommen in seiner Blütezeit 1930. Dazu hätte eine kleine Biographie oder ein schönes Nachwort, das den Menschen Gerron würdigt, gut gepasst. Schade, dass der Verlag nicht so dachte.

Trotzdem hat mich das Buch tief beeindruckt. Auch wenn vieles erfunden scheint, finde ich die Mischung aus Fiktion und Realität sehr gut gelungen. Auch die Darstellung des Charakters hat Tiefe und Glaubhaftigkeit. Für mich ist es erstaunlich, wie man an so einem Ort noch den Funken Hoffnung finden kann, an ein Leben danach zu denken. Passend dazu finde ich ein Zitat von Seite 535: 'Wir warten auf den Zug. Hoffen, dass er nie kommen wird und sind trotzdem ungeduldig. Der Mensch ist ein seltsames Wesen.'

Empfehlenswertes Buch!
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Rückkehr unerwünscht" 9. September 2011
Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Charles Lewinsky erzählt das Leben des Kurt Gerron (1897-1944), der in Berlin geboren wurde, zunächst Medizin studierte und sich als Frontsoldat im 1. Weltkrieg eine Kriegsverletzung zuzog. 1920 wechselte er dann in die Schauspielerei, kam dann in die Stummfilmbranche bis hin zu ersten Tonfilmen, wo er als Regisseur arbeitete. "Gerron" erzählt vor allem die Tragik dieses Lebens, unter der NS-Zeit, eines Komikers der Menschen unterhalten wollte. Ein Roman, der sowohl Fakten und gut recherchiertes Hintergrundwissen eingebunden hat, als auch sich selbst die Freiheit lässt, Erfundenes dazu zu nehmen. Eine Nahaufnahme eines jüdischen Schauspielerlebens, das vor allem während des Aufenthaltes im KZ-Theresienstadt mit der Hoffnung ringt, an der Mitwirkung eines Filmes, das eigene Leben bewahren zu können.

Geschrieben ist es makaber, ironisch, brutal, eindrücklich, tragisch, komisch, authentisch. Wie in einer Biographie im Grunde, das sich in Zeitsprüngen hin- und herbewegt, lernen wir das Leben des Kurt Gerron kennen. Angefangen an seiner Kindheit, Pubertät, Studentenzeit, seinem Medizin-Studium bis hin zu seinen ersten Kriegserfahrungen. Ein Roman der den Irrsinn des Krieges verdeutlicht, die Brutalität von Einzelschicksalen veranschaulicht, kriegsverzerrte Bilder vor Augen führt, den Umgang mit Kriegsgeschädigten zeigt, das Leid in Lazaretten schildert , etwas von den Kriegsheimkehrern erzählt und etwas von der damaligen Kriegsstimmung des 1. Weltkrieges portraitiert.

Daneben lernen wir die Schauspielwelt kennen, das damalige Theaterleben, Theaterleute und dessen Schicksale, erste Einblicke in die damalige Stummfilmbranche und der folgenden Tonfilmbranche. Kurt Gerron spielt in der Uraufführung von Brechts Dreigroschenoper, spielte an der Seite von Marlene Dietrich im Film "Der blaue Engel" von Josef von Sternberg. Lewinsky macht den Spagat, zwischen Krieg und Theater, zwischen Bühne und Lagerlegen hin- und her zu switchen. Immer wenn seine Frau Olga an seiner Seite ist, die sich in zurückhaltender Weise wähnt, wissen wir, wir sind in Theresienstadt. Der einstige gefeierte Star der Weinmarer Republik mutiert in Theresienstadt zur Nummer: XXIV/4-247. Selbst die Emigration nach Holland, verschont den deutsch-jüdischen Schauspieler nicht davor, zunächst ins Zwischenlager "Westerbork" deportiert zu werden.

Gleich zu Beginn des Romans sind wir mitten in Theresienstadt, wo ihn der Obersturmführer Rahm zu einem Film über Theresienstadt beauftragt, der den Zuschauern ein positives Bild vorgaukeln sollte. Gerron findet sich dabei in endlosen Monologen, wo er sich zwischen Verräter und Verweigerer sieht, eine zutiefst innere Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewissen, das einen beim Lesen anrührt und betroffen macht. Wie sehr dieser Mensch mit der eigenen Ehrlichkeit zum Einen ringt, zum Anderen an die Hoffnung glaubt, dadurch das eigenen Leben und das Leben anderer retten zu können. Der ganze Roman ist von der Angst durchdrungen "Auf Transport zu gehen", was die Deportation nach Auschwitz meint. Gerron erzählt vom Verlust der Identitäten, der bei der Internierung stattfindet, dem inneren Umgang mit dem Lagerleben in Theresienstadt, wo jede Sicherheit zur Illusion zu werden scheint, jüdische Internierte vor inneren Abgründen standen, die sich auch in Gedanken bis zum eigenen Suizid beschäftigten.

Fazit: Ein bewegender und betroffen machender Roman zweier Welten, der Schauspielkunst / Filmemachens und der lebensbedrohlichen Gegenwart, der damaligen Nationalsozialisten im dortigen KZ, wo Gerron sich aufhielt, um an diesem Film zu arbeiten. Theresienstadt an sich hatte sicher einen Sonderstatus, die Menschen dort durften Zivilkleider tragen, Theresienstadt war kein Vernichtungslager wie Auschwitz sondern eine Durchgangsstation, ein Ghetto. Lesenswert macht diesen Roman nicht nur, dass wir bekannte Persönlichkeiten wie u.a. Max Schmeling, Heinz Rühmann begegnen, sondern die Darstellung vieler Einzelschicksale bis hin zu der eindringlichen inneren monologen Stellungnahme, die sich bis zum Schluss hin- und her bewegt, zwischen dem Entgegenstellen des Auftrags und dem damit verbundenen Todesurteils, bis hin zur Pseudokollaboration, wo Gerron vor seinem eigenen Gewissen zu kämpfen hatte. Die Schilderung der damaligen Schauspielzeit ist ein wenig langatmig ja fast ein wenig langweilig geraten.

Dass es diesen Schauspieler Kurt Gerron, Sänger und Regisseur tatsächlich gegeben hat, Lewinsky Faktisches und Fiktion verbindet, macht diesen Roman zu einem besonderen Leseerlebnis. Manchmal fühlt man sich ein wenig schwer dabei, dafür hat der Autor sich jedoch tief in die Materie hineinrecherchiert, dass diesen Roman über ein jüdisches Einzelschicksal, während der damaligen NS-Zeit, umso mehr zu einem wertvollen Stück Kultur- und Zeitgeschichte macht.

Im Oktober 1944, nach Beendigung der Filmarbeiten in Theresienstadt, wurde Kurt Gerron nach Auswitz deportiert mit dem Vermerk: "Rückkehr unerwünscht." Der Film über Theresienstadt wurde unter dem Titel: "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" veröffentlicht. Auf youtube kann unter dem Titel: "Hitler gives the jews a City" dieser Film eingesehen werden.

Charles Lewinsky macht keinen Hehl daraus, selbst aus einer jüdischen Familie zu stammen. Bereits in Melnitz: Roman aus dem Jahre 2006, über ein Judendorf in der Schweiz, hat der Autor bewiesen, dass er als Romancier Klasse besitzt, immerhin wurde dieser Roman 500'000 Mal verkauft.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ich möchte gleich zu Beginn eine wichtige Unterscheidung treffen, nämlich die zwischen dem Inhalt des Buches, und seiner Form, also seinen Mitteln.

Das tragische, ab einem bestimmten Punkt unausweichliche Schicksal, das hier erzählt wird, ist jede Anteilnahme wert und gegen jede Kritik erhaben. Kurt Gerron, UFA-Schauspieler und Regisseur aus der Weimarer Zeit, kommt ins KZ Theresienstadt. Dort soll er einen Werbefilm über das Lager drehen - ein zynischer Befehl, den er herauszuzögern versucht, dem er sich in stiller Hoffnung fügt - und der sein Schicksal nicht wendet. Gerron stirbt in Auschwitz.

Die Ironie der Geschichte: Gerron, keine fiktive Figur, gehört zu den Juden, die als Soldaten im 1. Weltkrieg für Deutschland kämpften und schwer verwundet in die Heimat zurückkehrten. In der Weimarer Republik wurde er dann als Schauspieler zum umjubelten Star. Das führt zu einer fatalen Fehleinschätzung seiner Lage; Gerron glaubt sich lange immun gegen die Nazis und hält sie für ein vorübergehendes Phänomen. Es ist durchaus faszinierend, seine Wahrnehmung der Entwicklung der politischen Lage nachzulesen. Der Ernst der Lage wurde vielen erst spät bewusst, und irgendwann war es zu spät - u.a. für Gerron selbst.

Meine Kritik richtet sich gegen den Stil des Buches. Anfangs war ich noch von dem eigenen Tonfall eingenommen, der vom Leichten, Beiläufigen, Plaudernden und auch von der Wiederholung lebt. Die Ironie, die in der Distanzierung vom Geschilderten liegt, wandelt sich zu Sarkasmus, je mehr Gerron sein Schicksal erkennt, und schlägt in Weinerlichkeit und Selbstmitleid um, je trister die Verhältnisse werden. Das ist menschlich verständlich, ging mir aber mit der Zeit auf die Nerven. Die ständige Wiederholung der Selbstanklage, nicht rechtzeitig emigriert zu sein, mindert die Intensität der Geschichte.

Fazit: Ein berührendes Schicksal ohne Happy End, dessen Stilistik die emotionale Wucht der Geschichte schwächt.
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