Nicht immer kommt bei DFG-Anträgen (genauer: Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft) etwas heraus, was dann noch für Fachfremde von Interesse oder gar lesbar ist. Zumindest das mit dem Interesse hat hier geklappt. Denn dieses Buch, das aus einem solchen Auftrag entstanden ist, hat durchaus ein wohlwollendes Echo in der Presse gefunden. Dagegen ist das mit der Lesbarkeit aber nur eingeschränkt gelungen.
Es geht um den wohl führenden Geographen des Altertums, Klaudios Ptolemaios. Von diesem ist auch schon Schülern eine Karte bekannt, die unserem modernen Bild der Erde durchaus schon sehr ähnlich ist - lässt man einmal das mit Amerika außen vor. Auch dass die Erde eine Kugel ist, hatte dieser geniale Hellene aus Alexandria schon im zweiten Jahrhundert nach Christus ermittelt. Was den Schülern (und damit auch mir) bisher noch nicht bekannt war, das ist die Tabelle mit Ortsbeschreibungen und Ortsangaben, die der Atlas von Ptolemaios auch noch enthält. Und der Witz ist, dass sich dort auch Orte finden, die sich außerhalb des damaligen römischen Reiches befanden, also eigentlich außerhalb der bekannten Welt. Darunter auch viele Orte im damaligen Germanien, also im heutigen Deutschland.
Was dieses Buch nun macht, ist eine Analyse der Tabelle des Ptolemaios und eine Korrektur der dort enthaltenen Ortsangaben. Diese werden auf einer aktuelle Karte abgebildet. Dann werden außer der geografischen Mathematik auch noch weitere Fachdisziplinen herangezogen, so werden Namensvergleiche gezogen und Ausgrabungsorte verglichen, und dann wird daraus eine neue Tabelle erstellt, durch die man das vorhandene Wissen des Ptolemaios und damit der antiken Welt sehr gut nachvollziehen kann. Und ja, die alten Griechen und Römer wussten offenbar schon, wo die Weichsel liegt. Nur halt nicht so genau. Die Autoren verweisen hier sowohl auf Handelskontakte als auch auf militärische Erkundung, die offenbar doch zu mehr Wissen über die Geographie geführt haben, als ich es erwartet hätte. Auch von meiner guten, alten märkischen Streusandbüchse aus führten also schon damals alle Wege nach Rom.
Das Buch besteht hauptsächlich aus der Zuordnung der einzelnen Orte im Atlas des Ptolemaios. Das macht es durchaus etwas trocken lesbar, wenn man nicht einen bestimmten Ort sucht, zu dem man eine Verbindung hat. Spannend sind für mich da schon eher die Zuordnung von Flüssen und Gebirgen zu den heutigen Karten. Und ganz spannend war dann noch das Kapitel über Thule. Denn das hatte ein anderer Grieche namens Phyteas noch einmal fast 500 Jahre früher besucht. Und damit war wohl auch Norwegen (eben nicht Island) schon der alten Welt bekannt. Geholfen hätte dem Buch allerdings neben den modernen Karten auch noch eine graphische Darstellung der Karten von Ptolemaios, denn das hätte zumindest mir das Verstehen von dessen Weltsicht durchaus etwas erleichtert. Und zuletzt ist wohl auch die Eingrenzung der Methode auf Mitteleuropa eher ein Schwachpunkt. Zu gerne hätte ich gewusst, was Ptolemaios wusste vom Nil oder von China. Aber das war dann wohl nicht mehr im DFG-Antrag enthalten.