Was, bitte, geht denn hier ab? Hammond-Orgel-Monster Klaus Wunderlich gibt den strammen Tanzbodenlurch, Hugo Strasser lässt mit seinem Tanzorchester 'Flashlights' aufblitzen und ein offenbar testosterongesteuerter Howie Carpendale rockt und stöhnt in bester Austin-Powers-Manier 'Isch will nur disch!' Überall lauern sägende Gniedelgitarren, fallen scharfe Bläsersätze und wildgewordene E-Pianos mit 'Bäcko-bau-baou' über den ahnungslosen Hörer her. Eine Band namens Messengers groovt einen jazzrockenden 'Gang Bang', zu dem die englisch singenden Mädels den einzig coolen Mann suchen. Mannomann'
Das, liebe Freunde musikalischer Überraschungen, ist ein echt schräger Sampler, ein wilder Mix einer in Hitparaden-Deutschland vollständig ignorierten Musikrichtung. Eine Platte voller Schlagerperlen des deutschen Funk [sprich: fank] aus deutschen Landen, wohlgemerkt, was auf zumeist völlig unbekannte Songs hinausläuft, aber interpretiert von Künstlern unterschiedlichster Prominenz und musikalischer Spannbreite. Das SWF Orchestra (aber auch der fantastische Peter Herbolzheimer) beweisen, dass Erde, Wind & Feuer selbstverständlich auch in Germany zu Hause sind.
Mein persönliches Highlight ist übrigens das Wiederhören mit einem ultracoolen Udo Lindenberg und seinem schleppenden Kapellmeister 'Votan Wahnwitz', eine absolut erstklassig instrumentierte Komposition von, na klar: Herbolzheimer. Groß!
Keinen einzigen der 18 Titel habe ich in meiner Sammlung gefunden, daher kann ich auch keine direkten Klangvergleiche anstellen, vermute aber angesichts saftig-fetter Bassdrums, stabilen Grundtonlagen und der dichten, komprimierten Abmischung, dass kräftig an den Masterreglern gedreht wurde ' keine schlechte Idee, um dieses ganz spezielle Fieber noch anzufachen. Kauzig bis krautig, aber spaßig.