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4.0 von 5 Sternen
Kritikversuch, 7. August 2009
Ich habe das Buch Gerhard Richter, Maler mit großer Begeisterung gelesen.
Es ist eine sehr schlüssige Beschreibung der Entstehung von Gerhard Richters Werk, Informationen über Galeristen und Kunstmarktgeschehen die im Zusammenhang mit Richters Entwicklung stehen sind zahlreich und es macht Spaß dieses Buch zu lesen. Das Buch wurde in der SZ und FAZ eher negativ bewertet. Es wird einerseits für seinen Informationsgehalt gelobt, dennoch wird Dietmar Elgers unterstellt zu sehr im Dienste von Richter geschrieben zu haben. Elgers wird vorgeworfen Richters Werk wie ein Archivar aufbereitet zuhaben, er hätte zu wenig eigenständige Recherche (in Richters Umfeld z.B.), zu wenig Diskussion der Rezeptionsgeschichte, zu wenig kritische Stellungnahme in dieses Buch eingebracht.
Die Biographie wird von der Behauptung voran getrieben, das Richters Auswahl an photographischen Malvorlagen und Farbigkeiten in seinen Abstrakten weniger beliebig ist als bisher behauptet und das in seinem Werk ein persönliches Narrativ zufinden ist.
Dies irritiert und hält somit das Interesse denn das Unpersönliche ist eigentlich wesentlicher Bestandteil von Richters Malereiprojekt. Die Neugierde wird leider nicht besonders befriedigt, persönliche Information sind zwar zahlreich jedoch sehr oberflächlich abgehandelt.
Man folgt sozusagen einem uneingelösten Versprechen, was mich amüsiert hat, weil sich Richters Bilder wie ich finde ähnlich verhalten. Bei Richters Bildern bleibt alles an der Oberfläche, Inhalt wird nur zitiert aber nie kommentiert. An die Spitze treibt er dies mit den Bildern des RAF - Zyklus, auch wenn diese Bilder inhaltlich sehr stark aufgeladen sind beschäftigen sie sich doch in erster Linie mit Fragen von Präsentation und Repräsentation von Realität. Für Richter sind Bilder so lesen wir immer Modelle für Möglichkeiten von Realität, Photographie mit malerischen Mitteln. Ein gewisse didaktische Vorführgeste von Malerei als mediale Konstruktion ergibt sich daraus, und ist die große Leistung seines Werkes.
Interessanterweise geht es mir mit dem Buch so wie mit seinen Bildern, man hat das Gefühl vor etwas sehr Tiefem zu stehen ohne irgendeinen direkten Indiz dafür vorzufinden. Lässt man etwas aus, verweigert es, lässt es links liegen so wird es sich doch ganz von selbst seinen Raum nehmen, es ist so vielleicht der Grund warum man die Tiefe in Richters Bildern trotzdem spürt. So auch in Dieter Elgers Buch, durch das nicht ansprechen vieler Details (innerhalb seiner Liebesbeziehungen, wer nun sein eigentlicher Vater ist u.a.) bleiben sie als Fragen in diesem stehen und lassen das persönliche mehr spürbar werden ohne es zu beantworten.
So ist die Methode seiner Bilder in dem Buch 1:1 übersetzt ('deshalb sind gute Bilder unverständlich....!' S.344).Nicht umsonst ist dies die einzig authorisierte Biographie.
Das persönliche Narrativ kann in jedem Werk erkannt werden, die Frage ist ob es relevant ist, manchmal trägt dieser Blickwinkel zum Verständnis bei und dies ist auf sehr irritierende Art und Weise in diesem Buch gelungen.
Und so bleibt es auch offen ob die Erfolgsgeschichte eine Erfolgsgeschichte ist, es gibt kleine Hinweise wo Zweifel aufkommen, z.B. die Gemeinschaftsausstellung mit Baselitz wo keine Kommunikation, kein neuer Versuch, keine Reibung stattfindet, man ahnt eine gewisse Unzulänglichkeit sich dem unkontrollierbaren malerischen Prozess wirklich zu stellen und zu scheitern. S.283".'....wie gesagt ein altes Problem, immer dann habe ich Unsinn hergestellt wenn ich malen wollte, was nichts anderes heißt, als das ich nicht malen kann....'"
Dieses Buch leistet einen guten Beitrag Richters Werk und "Werksentwickung" an sich zu verstehen.
Ich denke es ist ein Buch das zum Weiterdenken über Malerei sehr anregt letzten Endes hat Richter an einer bestimmten Stelle der Malerei einen großen Beitrag dazu geliefert.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenswerte Einführung in das Leben und Werk eines der weltweit wichtigsten Künstler der Gegenwart, 22. Oktober 2008
Gerhard Richter ist eine der weltweit bekanntesten, aber auch einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Seit vierzig Jahren arbeitet er als Künstler und hat in dieser Zeit ein Werk geschaffen, das seine herausragende Position aus dem Dialog der Malerei mit dem mechanischen Reproduktionsmedium der Fotografie gewonnen hat.
"Nachdem es keine Priester und Philosophen mehr gibt," hat er einmal gesagt, "sind die Künstler die wichtigsten Leute auf der Welt." Das zeugt nicht nur von extremem Selbstbewusstsein, sondern weist auch hin auf seine Form der Kunst, die sich immer auch in die gesellschaftlichen Vorgänge einmischte, in dem er sie auf seine ganz besondere Art und mit seiner besonderen Technik reflektierte.
Das Projekt 18.Oktober 1977, in dem er in einem Bilderzyklus den Tod der RAF-Häftlinge in Stammheim bearbeitet hat, ist das in seiner Heimat Deutschland vielleicht wichtigste und auch umstrittenste Kunstwerk gewesen.
Im zehnten Kapitel des vorliegenden Buches geht der Richter-Biograph Dietmar Elger ausführlich auf dieses Projekt und die Reaktionen darauf ein. Elger unternimmt mit diesem schwergewichtigen Buch zum ersten Mal den Versuch einer biographisch orientierten Gesamtdarstellung des Lebens und Werkes von Gerhard Richter. Viele frühere Kritiker der Bilder Richters haben seine Malerei als ein "Werk ohne Autor" bezeichnet, was nicht immer unbedingt positiv gemeint war. Dadurch, dass der Künstler immer wieder jegliche privaten Einflüsse auf sein Werk konsequent geleugnet und abgestritten hat, wurden diese Kritiker bestätigt.
Dietmar Elger hingegen versucht in diesem lesenswerten und in das Leben und Werk Richters hervorragend einführenden Buch durch den Rückbezug auf die Biographie Richters einen neuen Blick auf seine Werke zu werfen und wartet mit durchaus überraschenden neuen Interpretationen für viele bekannte Bilder auf.
Elger ist mit dem Künstler seit 18 Jahren bekannt und konnte für sein Buch das umfangreiche Archiv Richters auswerten. Herausgekommen ist nicht weniger als eine umfassende Geschichte der deutschen Kunst der letzten fünfzig Jahre. Das allein macht das Buch schon lesenswert. Ob es nun allerdings, gegen den ausdrücklichen Hinweis des Künstlers, wirklich biographische Elemente in seiner Kunst gibt, kann Thema weiterer Fachbücher oder gar Dissertationen bleiben. Der Rezensent hält es dabei lieber mit Ulrich Greiner, der unlängst in der ZEIT gegen die mediengeile Spekulation zu Felde gezogen ist, die immer wieder historische und besonders zeitgenössische Werke von Schriftstellern mit Hinweisen aus der Biographie des Autors zu erklären versucht. Der einzige Hinweis, das einzige Datum, was uns ein Autor liefere und das für die Interpretation seines Werkes herangezogen werden sollte, sei das Werk selbst.
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