Gerhard Richter, 1932 in Dresden geborener und 1961 in den Westen geflohener Künstler, hat sein auch internationales Ansehen und Wertschätzung in den vergangenen 20 Jahren stetig gesteigert.
Schon 1993/1994 gab es eine umfassende Retrospektive seines Werkes mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid. Als er 2002 70 Jahre alt wurde, feierte ihn das berühmte Museum of Modern Art in New York mit einer großen Retrospektive. In ihr wurde mit 188 Exponaten die dort größte jemals einem lebenden Künstler gewidmete Ausstellung gezeigt. Ein britischer Kunsthistoriker bezeichnete in einem Zeitungsartikel vor einigen Jahren Gerhard Richter als den erfolgreichsten Maler der Gegenwart und nannte ihn "den Picasso des 21. Jahrhunderts".
Eine Spezialität Gerhard Richters sind die von ihm in die Kunst eingeführten Abmalungen. Ab etwa Beginn der 1960 er Jahre benutzte Richter regelmäßig Fotografien als Vorlagen für Gemälde. Er benutzt beiläufige Motive aus Zeitungs- oder Illustriertenausschnitten, später auch eigene Aufnahmen, die er dann abmalend vergrößert und überwiegend in grau-weiß auf die Leinwand überträgt und damit sozusagen "überhöht".
Diese Methode zeichnet sich, dem Fotorealismus verwandt, durch eine verwischt wirkende Unschärfe aus, die den Realismus der Vorlage verfremdet. Der Biograf Richters Elger hat diese Gemälde, die in ihrer Perfektion zwar abbilden, jedoch das Typische mehr verfremden als darstellen "Anschauungsmaterial einer verlorenen Wahrheit" genannt.
Berühmt geworden ist seine 15 Gemälde umfassende Reihe "18. Oktober 1977" wo er mit der Abbildung von RAF-Terroristen Stellung nahm zu einer tragischen Phase westdeutscher Geschichte ohne dass er damit politisch Stellung bezog.
Zuletzt hat der aus der evangelischen Kirche ausgetretene Atheist Richter mit Hang zum Katholizismus 2006 ein 113 qm großes Fenster für den Kölner Dom entworfen, bestehend aus 11 500 Quadraten aus mundgeblasenem Echt-Antik-Glas in 72 unterschiedlichen Farben. Dabei wurde die Anordnung der einzelnen Farbflecken mit einem Zufallsgenerator erstellt. Richter machte dieses Fenster dem Kölner Dom zum Geschenk und zeigte sich gegenüber der Kritik des Kölner Kardinal Meisner erhaben, der das abstrakte Glasfenster als eher in eine Moschee passend kritisiert hatte. Der geistliche Würdenträger hätte sich lieber ein Motiv gewünscht, auf dem die christlichen Märtyrer des 20 . Jahrhunderts ins Bild gesetzt worden wären.
Richter betonte danach, dass er zum Islam überhaupt keine Beziehung habe und niemals für eine Moschee gearbeitet hätte. Er fühle sich als Spross des Christentums, der ohne den Glauben an eine höhere Macht oder etwas Unbegreiflichem nicht leben könne.
Der vorliegende Bildband, mit einer sehr lehrreichen und informativen Einführung vom Herausgeber Götz Adriani unter dem Titel "Von der 'Lust, etwas Schönes zu malen'" eingeleitet , versammelt über 80 Werke Richters aus privatem Besitz, zum Teil auch aus seinem eigenen, und gibt mit dieser, sonst kaum öffentlich zugängliche Auswahl einen guten Überblick über mehr als 40 Jahre von Gerhard Richters Arbeit. Dabei reflektiert das Buch sowohl die deutsche Nachkriegsgeschichte als auch die Malerei.
Ein Buch, das eine gute Einführung sein kann in Richters Person und Werk und Lust machen kann auf andere seiner Werke, von denen viele in Bänden des Haje Cantz Verlags lieferbar sind.