Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Gerhard Richter. Atlas
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Gerhard Richter. Atlas [Gebundene Ausgabe]

Gerhard Richter , Helmut Friedel


Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  

Hinweise und Aktionen

  • Tipp für Studenten
    Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.

Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen


Produktinformation


Mehr über den Autor

Gerhard Richter
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Gerhard Richter auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Stolpersteine der Inventur

Der «Atlas» von Gerhard Richter in einer neuen Publikation

Von Julia Schmidt

Seit Beginn der siebziger Jahre arbeitet der 1932 in Dresden geborene Gerhard Richter an seinem «Atlas der Fotos, Collagen und Skizzen». Es ist ein monumentales Bilderkompendium vorwiegend photographischer Akkumulationen auf Schautafeln. Neben Entstehungsbedingungen von Richters malerischem, plastischem und graphischem, zuletzt auch architektonischem Werk zeigt der «Atlas» auch «die ganze Arbeit der Annäherung», wie Richter einmal sagte, «mit allen Irrtümern». Die Städtische Galerie im Lenbachhaus München unternahm den Versuch einer Inventarisierung dieses visuellen Verzeichnisses.

Einblicke in Atelierprozesse, wie sie aus Tagebüchern, Werkverzeichnissen oder Memoranden bekannt sind, waren für Künstler eine legitimierende Basis, ihre eigene Arbeit abzusichern und Werkstattprozesse zu kontrollieren. In der Gegenwartskunst, im Zuge konzeptualistischer Verfahren, haben werkbeobachtende Praktiken zunehmend zu einer ästhetischen Verselbständigung geführt. Dass der künstlerische Versuch mehr und mehr der Vorschlag einer Ordnung wird, führte Gerhard Richter an mehreren, die eigene Arbeit reflektierenden Medien vor: An seinen zusehends journalgemäss datierten «Notizen» seit den frühen sechziger Jahren, wie auch an seinem kontinuierlich geführten Œuvreverzeichnis, das er 1969 auch als nüchtern tabulierte Druckgraphik unter dem Titel «Bilderverzeichnis» edierte. Und an seinem «Atlas», der sich in seiner Ordnungsarbeit auf Schautafeln allen herkömmlichen Gattungsbegriffen entzieht.

BESCHREIBUNG DER WELT

In dieser mehrere tausend Bilder umfassenden «Atlas»-Arbeit gruppiert Richter nach formalen und thematischen Gesichtspunkten fremde und eigene Photos sowie Presseausschnitte. Er montiert strukturelle Experimente, Installationsentwürfe, Diagramme und Zeichnungen und klebt diese Materialien auf standardisierte, numerierte und für Ausstellungen einheitlich gerahmte Kartons.

Archiviert werden etwa die mikrologische Beobachtung eigener Malvorgänge, Vergrösserungen von Farbschlieren, Detailaufnahmen von Pinselzügen oder das reihenphotographische Protokoll einer Bildgenese. Und ausgebreitet wird das enorme Umfeld einer Sujetauswahl, die Richter aus Büchern, im Atelier sowie auf Reisen photographisch versammelt.

Es sind Aneignungen topographischer Bildräume durch panoramatische Serien von Landschaften, Städteansichten oder Alpenmassiven. Ebenso sind es zeitgeschichtliche Ablagerungen einer auch über die Amateurphotographie und die Massenpresse gesuchten Sozialisations- und Vergangenheitsbewältigung – einer Erinnerungsarbeit, die sich an den Regeln und Normen eines gesellschaftlichen Bildverhaltens schärft.

Was als Projekt einer enzyklopädischen Kompetenz erscheint, sind in Richters «Atlas» die unendlich vielen Ordnungs- und Einteilungsmöglichkeiten, die das Forschen über das eigene Tun zugleich in ein Wissen überführen. Bildmuster einer Beschreibung der Welt werden zu einer vervielfachten Informationsumgebung, in der das Ideal des «absoluten Bildes» (Richter) ausser Kraft gesetzt und an den Ausbau eines visuellen Diskursfeldes abgegeben wird. Permanent ist der Konflikt eines seit Musil und Eco bekannten ästhetischen Programms des «Möglichkeitssinns», der «Offenheit» und «Unabgeschlossenheit», das zugleich die Zwangsgestalt der zunehmend konsumptiven Macht einer Bilderflut auszutragen hat. Nicht zufällig wird der «Atlas» zu Ausstellungsanlässen, wie zuletzt für die «documenta X», ständig erweitert und als ganze Kabinette füllende Sammlung raumgreifend ausgebreitet.

ANWACHSEN EINES BILDERKORPUS

In der Tradition eines an Wissen und Umfang wachsenden Karten- und Nachschlagewerks hat der «Atlas» auch eine nunmehr fünfundzwanzigjährige Publikationsgeschichte: Zur ersten Ausstellung in Utrecht 1972 war es ein Künstlerbuch im bescheidenen Oktavformat, das kommentarlos eine Abfolge von 340 Tafeln dokumentiert. Siebzehn Jahre später, zu den Ausstellungen 1989 in München und Köln, ging es dann um ein vorsichtiges Erschliessen und Kommentieren dieses komplexen, auf damals 473 Tafeln angewachsenen Korpus: Der Katalog veröffentlichte einen kunsthistorischen Einleitungsessay und erstmals Richters Datierungen und Titellegenden zu den Tafeln. Für die dritte Gesamtpublikation wurde, neben vollständig farbigen Reproduktionen aller inzwischen 633 Tafeln, der Annex eines «Werkverzeichnisses» vom Münchner Lenbachhaus angestrebt, das 1996 den «Atlas» aus einer Familienstiftung für sich erwarb.

Die von Direktor Helmut Friedel und Kurator Ulrich Wilmes besorgte Registratur stellt nun den Tafeln einen Apparat zur Seite, dessen Daten eine umsichtige Recherche leider vermissen lassen: Formatangaben zu den Tafeln werden vertauscht, Titel falsch übertragen, und die Bildvorlagen im «Atlas» zu Richters Gemälden sind in zahlreichen Fällen nicht erkannt. Richters Raster- und Ausschnittmarkierungen auf den Photos, seine Schreib- und Zeichenmittel oder bewusst farbige Bildunterlagen werden mehr zufällig als systematisch verzeichnet. Und handschriftliche Anmerkungen des Künstlers gerade dort übergangen, wo Richter ganze Sätze oder Arbeitsnotizen auf Photos oder Zwischenblättern vermerkt.

Nun bereitet Richter Ausstellungen seines «Atlas» an Hängeplänen im Atelier minuziös vor. Fast jede Installation vor Ort verändert aber die zuvor geplante Disposition der Tafeln an den Wänden. Sich auf Hängepläne zu verlassen, wie es das Münchner Verzeichnis bei seinen Angaben zur Ausstellungsvita der «Atlas»-Tafeln wiederholt unternimmt, kann zu erheblichen Fehleinschätzungen führen: Da werden dann weit mehr als 50 Tafeln nicht genannt, die Richter einmal «in einem Gewaltakt» für eine Ausstellung in letzter Minute den Museumswänden noch hinzufügte. Dabei hätte ein Rückgriff auf bekannte zeitgenössische Installationsphotos den Herausgebern vollständige Angaben ermöglicht.

VERZEICHNEN, NIVELLIEREN

Konstitutiv für ein Verzeichnis archivalischer Werke ist das Zählen der auf den Tafeln eingesetzten Bildmaterialien. Schon in der Einleitung des Bandes exemplarisch falsch ist jedoch die Angabe «exakt 288» für die im «Atlas» nicht mehr als 270 montierten Photovorlagen zu Richters Gemäldezyklus der «48 Portraits». Solche Verzählungen werden dort problematisch, wo sie dem Leser den Blick auf Richters subtile Bildstrategien verstellen: So verkennt etwa die Angabe «1» Photo den kompositen Charakter eines panoramaartigen Parkstücks, das aus zwei in Belichtung und Kameradistanz verschiedenen Photographien zusammengesetzt ist (Taf. 155). Flüchtige Angaben nivellieren hier ein Montageverfahren, mit dem Richter das Wahrnehmungskontinuum im Raum, die verklärende Projektion einer «schönen Natur», durch den Schnitt und das Experiment in einem tiefen Zwiespalt zu halten sucht.

Wie dringend eine Differenzierung des eingesetzten Bildmaterials notwendig wäre, zeigen auch Richters erste durchgängig mit eigenen Photographien montierte Tableaus (Taf. 16–23): Seine aus Büchern und Magazinen bis zur Unkenntlichkeit bewusst unscharf herausphotographierten KZ- und Porno-Aufnahmen hier als «Ausschnitte» zu bezeichnen, so als hätte Richter clippings aus Buch- oder Magazinseiten direkt auf seine Tafeln geklebt, heisst seine Arbeit und seinen Umgang mit der Photographie vollkommen misszuverstehen. Hatte sich doch in seiner Handhabe der Linse, in der eigenen Autorschaft an den Bildern die Auseinandersetzung mit dem Gewaltpotential, das sich für Richter im Medium Photographie verbirgt, an diesen Tafeln erst eigentlich entladen.

MIT FARBE BESCHMIERT

Jahre später markiert Richter auf zwei Tafeln im «Atlas» programmatisch eine Schnittstelle für das Aufeinandertreffen von Photographie und Malerei (Taf. 468/469). Gerade an dieser Stelle, wo das rein Photographische überschritten wird, leugnet die unzureichende Bezeichnung «Photos», dass Richter diese, wie er einmal berichtete, «mit Farbe beschmierte» und schon Armin Zweite 1989 das «Monotypieverfahren dieser mit Farbe bedeckten» Abzüge hervorhob. Spätestens hier stellt sich die Frage: Haben die Herausgeber überhaupt am Original gearbeitet und die Literatur zur Kenntnis genommen?

Der «Atlas» von Gerhard Richter verweist in seinem Titel auf eine Präsentationsform, die nicht eigentlich aus den bildenden Künsten, sondern aus der wissenschaftlichen Nutzbarmachung bekannt ist. In seiner Art eines Demonstrationsmediums, das eine Kriminalistik der Wahrnehmungs-, Reflexions- und Vermittlungsbemühung in bezug auf die eigene künstlerische Arbeit unternimmt, stellt der «Atlas» zugleich eine hybride Form zwischen Kunstkammer und Werkstattbild, Labor und museion dar. Mithilfe vor allem der photographischen Inventur wird am Projekt eines «musée imaginaire» so weitergearbeitet, dass eine Ästhetik des Archivs mit einer Ästhetik des Ateliers zusammentrifft.

So sehen sich archivalische Artefakte, die den Blick auf das eigene Werk lenken, in den neunziger Jahren durch Ausstellungsbetrieb und die Akquisitionspolitik der Museen zunehmend in den Status von Hauptwerken umgewandelt. Um so mehr frappiert das Ausmass des umfangreichen Ergänzungs- und Revisionsbedarfs, der das jetzt veröffentlichte Werkverzeichnis zu Richters «Atlas»-Tafeln für eine dokumentarisch-wissenschaftliche Nutzbarkeit leider nicht zuverlässig macht. Der Eindruck entsteht, hier seien weder genügend Zeit noch fundierte Kenntnis eingesetzt worden. Ein reines Abbildungskompendium, das mit seiner Bestanderweiterung von 161 neuen Tafeln gewiss unerlässlich ist, wäre da die bessere Alternative gewesen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

Über die Farblandschaften der abstrakten Werke, die Motivwahl der realistisch gearbeiteten Ölbilder Gerhard Richters wird seit vielen Jahren unablässig ein Art Malprogramm des Künstlers diskutiert, das in der Theorie gipfelt, Gerhard Richter wolle die Malerei als Medium zu ihrem Ende führen. Wer sich auf den Rhythmus und Die Vielfalt der nun erstmals durchgängig farbig abgebildeten 633 Tafeln - 230 mehr als in der 1989 erschienen Ausgabe - des Atlas einläßt, wird eine andere Erfahrung machen. Hier sammelt Gerhard Richter seit Beginn der 60er Jahre eine Fundus, der, neben formalen und inhaltlichen Überlegungen, der Fotografie vor allem die Rolle zuschreibt, zeitliche Bewegungen und Stimmungen zu archivieren. Dabei ist die Abfolge einzelner Fotostrecken mitunter das optisch geprägte Borgehen Gerhard Richters nachzuverfolgen, das sich dier nicht ein Motiv, sondern vielmehr eine Art visuellen Kanal sucht, an dessen Ende dann ein Bild stehen kann. Der Atlas war der zentrale Bestandteil der documenta X und dort vollständig ausgestellt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Noch keine Kundenrezensionen vorhanden.
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:










Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar