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Buchnotiz zu : Die Zeit, 08.05.2003
Ob man nun für "Umbau, Abbau oder Ausbau" sei, ausnahmslos alle Beteiligten am Diskurs um Sozialreformen argumentieren für die unterschiedlichsten Positionen mit dem "Verweis auf Gebote der Gerechtigkeit". So scheint es für Rainer Forst an der Zeit zu sein, den Philosophen John Rawls zu lesen, um endlich zu erfahren, was "politische und soziale Gerechtigkeit" denn eigentlich heißt. Bei dem vorliegenden Band handele es sich um eine Neufassung Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit" von 1971, die er zeit seines Lebens weiterentwickelte. Rawls' zentrale Idee sei, "dass die Gesellschaft ein faires System der Kooperation sein solle, das von allgemein geteilten Prinzipien geregelt wird." Diese Prinzipien bedeuten aber nicht bloße "Umverteilung", sondern sollen Strukturen "reiner Hintergrund-Verfahrensgerechtigkeit" herstellen können. Wesentliche Unterschiede zwischen der philosophischen Theorie und politischer Realität sieht Forst darin, dass Rawls verlangt, "wenn Güter ungleich verteilt werden, dann darf dies nur so geschehen, dass es den am schlechtesten Gestellten den größtmöglichsten Vorteil bringt." Gleichzeitig fühle sich Rawls aber auch nicht dazu berufen ein "praktisches Rezept für die Reform des Sozialstaats" zu liefern, aber nach der Lektüre sei einem auf jeden Fall "klarer", wann eine "Art der Politik das Prädikat 'gerecht'" verdiene, resümiert Forst.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Mit seinem letzten Werk hat der 2002 verstorbene John Rawls das Buch beendet, das vor mehr als drei Jahrzehnten seinen Ruf begründete, schreibt Martin Bauer. Denn in "Gerechtigkeit als Fairness" entwerfe er noch einmal, Kritiken aufgreifend und den eigenen Ansatz überdenkend, die Prinzipien seiner Gerechtigkeitstheorie, die er in "A Theory of Justice" erstmals formulierte. Demnach ist die Grundlage für eine gerechte Gesellschaft in den Modalitäten eines ideellen Gesprächs zu suchen, in dem sich die Beteiligten in auferlegter Ungewissheit über ihre eigene Identität und Stellung innerhalb der Gemeinschaft auf eine institutionelle Ordnung einigen. Indem er solchermaßen die "Gerechtigkeit des Gesellschaftsvertrages" mit der "Fairness des Verfahrens" begründe, erweise sich Rawls als Konstruktivist kant'scher Prägung. Bauer hebt hervor, dass Rawls, in Abgrenzung zum metaphysisch umfassenden Ansatz des ersten Buches, "ein praktisch-politisches Plädoyer für einen egalitär akzentuierten Liberalismus" verfasst hat. Er lobt außerdem die Übersetzung des Buches, in dem "jeder Satz argumentativen Scharfsinn, systematische Strenge und bürgerschaftliches Ethos versöhnt". Allerdings - und bedauerlicherweise - sei die Ethik des Amerikaners, die "menschliches Glück und soziale Existenz verwebt" sehen wolle, gegenwärtig passé; die Bürger verlangt es zuallererst nach Sicherheit, und so ist "nicht der milde John Rawls, sondern der trockene Thomas Hobbes der Mann der Stunde", glaubt unser Rezensent.
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Pressestimmen
"Ihm war vergönnt, was in der Welt des Geistes eine äußerste Seltenheit ist: zu Lebzeiten ein Klassiker zu werden, ja auf seinem Gebiet, der politischen Philosophie, eine Epoche zu prägen." (Frankfurter Rundschau)