Vielleicht kennen Sie ja Knut Elstermann. Er ist Moderator und Kulturjournalist bei RadioEins, seine Filmkritiken für die ARD und ARTE sind prägnant und scharfsinnig. Nun überrascht der 45jährige mit einem einfühlsamen Buch: „Gerdas Schweigen“. Er erzählt darin die Geschichte einer Überlebenden des Holocaust. Gerda Schrage, geborene Rother, arbeitete als Kürschnerin im Osten Berlins, sie war die beste Freundin von Elstermanns Großmutter und gehörte quasi mit zur Familie. Bis die Nazis sie abholten und die schwangere Jüdin nach Auschwitz deportierten. Ihr Kind, Silvia, starb dort wenige Wochen nach der Geburt im Lager.
Jahrzehntelang wurde zu Hause über diese Tragödie geschwiegen; wenn seine Nenn-Tante später aus Amerika zu Besuch nach Ostberlin kam, war dieses Thema tabu.
Erst nach der Wende beginnt Knut Elstermann, sich mit der Geschichte seiner Familie in der Nazi-Zeit zu beschäftigen. Er fliegt im Oktober 2004 nach New York und spricht mehrere Male mit seiner Nenn-Tante. Langsam tastet sich der Autor mit ihr gemeinsam in das so lange Verdrängte vor. Schließlich gelingt es ihm, ihr Schweigen zu brechen, Gerda legt zum ersten Mal nach 60 Jahren Zeugnis ab über ihr Schicksal. Sie erzählt von der schwierigen Geburt, die sie ganz allein durchstehen musste. „Niemand sah in dieser Zeit nach mir. Aber das Kind hat gelebt, auch wenn es winzig war.“ Es gab keine Windeln, dafür benutze sie ein paar Streifen Papier. Gerda konnte nicht stillen, weil ihr im Krankenbau die Brüste abgebunden wurden. Das Kind wurde immer schwächer. Es ist in ihren Armen verhungert.
Gerda entkam der Hölle, ihr Wille zu leben, war trotz alledem nicht erloschen. Als im Januar 45 mit der Evakuierung des KZ begonnen wurde, schickte man sie –wie tausende andere Frauen auf den Todesmarsch nach Ravensbrück. Gerda konnte fliehen, ein deutscher Soldat hat ihr dabei geholfen. Knut Elstermann hat ein authentisches, sehr einfühlsames und erschütterndes Buch über ihre Geschichte geschrieben.