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Eine Einführung in die Neurobiologie für Pädagogen, Therapeuten und Lehrer. Original-Aufzeichnung einer Vorlesung in drei Teilen vom März 2006.
Weshalb nutzen wir unser Gehirn nicht so, wie wir es nutzen könnten? Seit der modernen Hirnforschung wissen wir: Das menschliche Gehirn ist lebenslang veränderbar, ausbaubar, anpassungsfähig. Veränderung ist also möglich. Und trotzdem geraten wir immer wieder in die gleichen, eingefahrenen Denkmuster. Die innere Struktur und Organisation des Gehirns passt sich an seine konkrete Nutzung an. Wie müssten wir also mit unserem Gehirn umgehen, damit die in ihm angelegten Möglichkeiten sich entfalten können?
Der Neurobiologe Gerald Hüther trägt dazu die jüngsten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Hirnforschung vor. Anschaulich zeigt er, wie jeder seine Ressourcen besser nutzen kann und die Lust am Gestalten und Mitdenken wiederentdeckt. Eine spannende Einführung in die Neurobiologie, nicht nur für Therapeuten und Erzieher.
Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie, leitet die neurobiologische Forschungsabteilung an der Universitätsklinik in Göttingen. Er ist Autor mehrerer bekannter Sachbücher (Biologie der Angst, Evolution der Liebe, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn).
DVD, Spieldauer ca. 3 Stunden 30 Minuten.
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Ich kann mich meinem Vorrezensenten in keinster Weise anschließen. Bin selber nicht ganz unbedarft in der Materie. Herr Hüther liefert einen sehr guten, allgemeinverständlichen Einstieg in das Thema, dabei gleichzeitig geistreich und humorvoll präsentiert. Die Vorträge Herrn Spitzers beeinhalten durchaus auch viele Informationen, können aber in der Struktur der Vorträge Hüthers nicht wirklich mithalten. Es sind eher Vorträge, wie man sie von Medizinern so gewohnt ist, von Humor keine Spur. Ich kann sämtliche Vorträge Herrn Hüthers uneingeschränkt empfehlen.
Drei tolle Vorträge über biologische Grundlagen von Lernen. Das müssten alle Lehrer hören: Lernen funktioniert nur über Beziehung! Da nützen die tollsten Methoden nicht, wenn das Thema beziehungslos dargeboten wird. In seinem Vortag wendet er seine theoretischen Grundlagen an. Unumschränkt zu empfehlen.
Auf dem DVD-Markt existieren mehrere gute Einführungen in die Thematik (z.b. "'Lernen"' von Manfred Spitzer, für fortgeschrittene auch Spitzers '"Entwicklungsneurobiologie"', oder "'Das verknüpfte Gehirn"' von Gerhard Roth).
Ich muss ehrlich sagen, dieser Vortrag spottet jeder Beschreibung, und ich empfehle jedem einen alternativen Einstieg in die Neurobiologie. Schwach sind u.a. die einschläfernde Darbietung und die fehlenden inhaltlichen Bezüge.
Hüther bespricht verschiedene wichtige Aspekte der kindlichen Entwicklung, dem zentralen Thema des Vortrags. Aber er vermittelt sie ohne plastische Beispiele, und er verweist nur auf triviale Allgemeinplätze, so dass der Zuschauer völlig in der Luft hängt und nichts Relevantes Erfährt. In Zusammenhängen verschweigt er wichtige Tatsachen, die nicht gerade jedem bekannt sind, und führt mit Halbwahrheiten in die Irre.
Z.B. weis man mit hoher Sicherheit, dass Neugeborene sich in ihrer emotionalen Reaktionsbereitschaft stark unterscheiden. Diese Anlage bleibt bestehen und prägt den sich entwickelnden Menschen. Einige Babys reagieren auf wechselhafte Situationen indem sie den Rücken krümmen, mit den Beinen strampeln und schreien. Sie sind im zweiten Lebensjahr ängstlich und gehemmt. Solche Neugeborenen erleiden oftmals frühkindliche Traumatisierungen, und das erschwert deren weiteres Leben, führt zu Depressionen, anderen neurotischen Störungen, und gravierenden Persönlichkeitsproblemen.
Herr Hüther erwähnt das allerdings in keiner Weise. Nach seinen Aussagen seien alle Kinder gleich.... Die Probleme ergäben sich aus einer unzureichenden Entwicklung des präfrontalen Cortex (dem Sitz menschlicher Werte und der Handlungsplanung).
Damit nicht genug: Er unterstellt Menschen mit schwersten Posttraumatischen Belastungsstörungen ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein und schwachen Charakter. Deren Probleme resultierten daher, dass sie in ihrer Kindheit zu sehr verwöhnt worden seien (nebenbei: Menschen mit besonders schweren Posttraumatischen Störungen aus der Kindheit labelte man früher als '"Hysteriker"', heute i.d.R. als "'Borderliner"', was auch die wenigsten Leute wissen).
Ein guter Neurobiologe würde festhalten: Menschen lernen Emotionen. Bei Kleinkindern beträgt der Lernfaktor mehr als das Zwölffache eines Erwachsenen. Anders als beim Sachwissen speichern wir Emotionen zeitlos, im Mandelkern. Und die haben wir ein Leben lang auf der Pfanne, insbesondere negative Emotionen.
Das Emotionale System vergisst nicht und verzeiht nicht. Es kann übertünchen -' bestimmte Inhalte kann man überbrücken, z.B. kann man Höhenangst zeitweilig umkonditionieren, schlimme Ehekonflikte kann man bereinigen -' aber die ursprünglichen Inhalte bleiben gespeichert und kommen gegebenenfalls wieder hoch. Durch dieses Prinzip erleiden traumatisierte Menschen u.a. so genannte "'Autodestruktionen"', teils sogar während sie schlafen. Das Emotionssystem Mandelkern ist zwar nicht der einzige Einfluss auf uns Menschen, aber es ist ein dominanter Faktor und konditioniert uns zeitlebens (einschließlich unserer Gehirnchemie und der Aktivität unseres präfrontalen Cortex).
Und was sagt Herr Hüther dazu? ' - Nichts über das eben Beschriebene. Mit der richtigen Erziehung sei es ein Leichtes, das menschliche Gefühlssystem zu kontrollieren, per präfrontalem Cortex.
Herr Hüther zeichnet hier eine Welt, in der man nur allzu gerne leben möchte: Die Evolution hinterlässt uns lediglich die nötigen Zutaten, weiter nichts. Es bedarf nur etwas mehr Geschick, und jeder Mensch auf der Welt entwickelt vergleichbare Fähigkeiten, jeder wird etwa gleich intelligent, jeder Mensch handelt durchweg bedacht und verantwortlich. Und natürlich sorgt sich jeder um andere Menschen, andere Völker und spätere Generationen, so sehr wie um sich selbst.
In Hüthers Welt haben wir nahezu unbeschränkte Macht über unsere seelische und geistige Entwicklung. Wir selbst erschaffen alle relevanten Eigenschaften, die einen Menschen ausmachen. Wir erlangen Kontrolle über unsere innersten Ängste, über all unsere Gefühle, Probleme, Wünsche und Träume.
Ja, man sehnt sich nach so einer Welt. Da glaubt man ihm auch ganz leicht die lang veralteten Theorien, die er mit neurologischen Falschinformationen aufwärmt. Und man glaubt sie umso mehr, je vorteilhafter die eigene Situation und Position ist. Seine Aussagen vertauschen Ursache und Wirkung in zentralen Aspekten, und lassen entscheidende Dinge unter den Tisch fallen. Und sie verwandeln krasse menschliche Schicksale in einfach nur minderbemitteltes Verhalten.
Sie dienen uns Menschen ' wieder einmal ' dazu, das zu tun, wofür wir naturgemäß äußerst empfänglich sind: An eine '"gerechte Welt"' zu glauben und gleichzeitig bestimmte Menschen zu ächten, sie zu provuzieren, zu pieksen, zu '"triggern"', sie herumzuschubsen, auf ihnen herumzutrampeln. Das sind die merkwürdigen Menschen, die schwer Verstehbaren, Benachteiligten, Mittellosen, Schwachen, leicht Verletzbaren. Bei Bedarf auch gerne mit pseudowissenschaftlicher Augenwischerei. Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.
Man könnte offen herangehen, und sagen, Herr Hüther stellt bestimmte Aspekte heraus, die wir gerne vernachlässigen, und gewichtet sie. Er beleuchtet einfach eine bestimmte Seite des Ganzen. Aber leider stimmt das nicht, die Inhalte des Vortrags kann man nicht missverstehen. Er füttert Menschen, die gerne das Richtige tun wollen, mit falschen Informationen. Daraus folgen dann in der Praxis gut gemeinte aber fatale Konsequenzen für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen.