Als der kleine Tom eines Nachts im Dunkeln erwacht, ist er sich sicher, ein seltsames Geräusch gehört zu haben. Zuerst will er seinen Bruder Tim um Rat fragen, doch der ist gerade zwei Jahre alt und keine große Hilfe. Also macht Tom sich auf, seinen Vater zu wecken, um ihm von dem unheimlichen Geräusch zu erzählen. Wie soll man aber etwas in Worte fassen, das man selbst kaum zuordnen kann? Auf dem Weg zurück ins Kinderzimmer versucht Tom dem Vater zu beschreiben, was ihm solche Angst gemacht hat. Es hat sich angehört, wie ein Monster ohne Arme und ohne Beine, das sich mit seinen Zähnen vorwärts zieht, vielleicht auch, wie ein Gespenst, das in der Küche Nüsse klaut.
Doch alle Umschreibungen helfen nicht, der Vater versteht nicht, was ihm sein Sohn sagen will. Wovor hat er Angst? Unter dem Titel "Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen" veröffentlicht der berühmte Bestsellerautor John Irving nun sein erstes Kinderbuch. Die Geschichte handelt von dem Versuch eines Kindes, die eigenen Ängste, die selbst nur schwer verstanden werden, seinem Vater mitzuteilen.
Zurück im Kinderzimmer findet dieser dann auch schnell eine ganz vernünftige Lösung für das Rätsel. Eine Maus hat sich in der Wand versteckt und rennt dort gut hörbar hin und her. Für den Vater ist das Problem damit behoben: "Wenn sie zurückkommt, dann schlagt einfach an die Wand." Doch was für Eltern oft so einfach ist, muss für ein Kind noch lange keine zufrieden stellende Antwort auf die drängenden Fragen sein. Es ist ja möglich, dass da nur eine Maus in der Wand steckt, die diese seltsamen Geräusche von sich gibt. Aber genau genommen kann auch eine Maus ein haariges Monster sein, besonders, wenn man noch nie zuvor eine gesehen hat.
John Irving deutet diese Problematik in den kurzen Textpassagen fast nur an, aus dem Amerikanischen von Irene Rumler übersetzt. Obwohl Tom nicht der Ich-Erzähler ist, liegt dem Erzählten doch seine Sicht auf die Dinge zugrunde. So erklärt der kleine Junge eigentlich dem Leser seine Angst, wodurch Kindern Mut gemacht wird, es ebenfalls zu versuchen, und erwachsene Vorleser zu genauerem Hinhören angehalten werden. Möglicherweise ist eine Maus ja doch nicht so harmlos, wie man sie sich vorstellt, wenn man schon oft eine gesehen hat.
"Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen" ist eine Kindergeschichte, die der Vater und Kinderbuchautor Ted Cole seiner Tochter Ruth in John Irvings Roman "Witwe für ein Jahr" erzählt und die Tatjana Hauptmann erstmals illustriert hat. Die kongenialen und wunderschönen Bilder sind großflächig gehalten und geben dennoch bis in Detail die Welt des kleinen Tom wieder.
Das Bilderbuch "Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen" stellt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen eine Bereicherung dar!