"Georgien ist ein Land, das in all seiner Schönheit unverdient von Europa vergessen wurde. Und leider allzu oft nur im Kontext mit Krisen Erwähnung findet."
(aus dem Vorwort der 5. Auflage)
Als timediver® im Januar 2004, die zweite, überarbeitete Auflage von "
Georgien entdecken. Unterwegs zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer" rezensierte, geschah dies vornehmlich im Hinblick auf den sehr hohen Anteil historischer Fakten, die dem Reiseführer das Attribut eines einzigartigen, deutschsprachigen Geschichtsbuch verliehen....
....gut sechseinhalb Jahre später besuchte timediver® mit der im Format verkleinerten, fünften, aktualisierten und erweiterten Auflage des Reisehandbuches in der Gesäßtasche das transkaukasische Land.
Zur Planung und Buchung der individuellen Reise stehen am Ende des Buches die Annoncen der hierfür spezialisierten deutschen Reiseunternehmen zur Verfügung. Per Internet konnte ich dort alle Flüge, Hotels und Transfers buchen. Für Ausflüge und Besichtigungen fand sich vor Ort recht schnell ein preiswertes Fahrzeug mit Fahrer und einer deutschsprachigen Reiseführerin, die zudem wertvolle Dolmetscherdienste leistete. Bei der Auswahl zu besichtigender Orte und Objekte stimmten die Vorschläge und meiner zwei Begleiter erstaunlicherweise mit jenen des Reisehandbuches überein, das zudem auch noch weitergehende (historische) Fakten liefern konnte.
Im einzelnen müssen jedoch folgende Ungenauigkeiten, sowie eher schlechte als auch Gute Hinweise und Tipps des Reisehandbuches genannt werden.
Der Juli ist sicherlich der heisseste Monat des Jahres, aber nicht mit durchschnittlichen 24,4 Grad (Seite 130), sondern mit Höchstwerten von bis zu 50 Grad Celsius. Auch im August werden noch über 40 Grad erreicht, was timediver® am eigenen Leibe festestellen konnte. Die Schwebeseilbahn auf den Mtazminda-Berg gammelt vor sich hin. Von einer gegenwärtigen Erneuerung (S. 153) kann keine Rede sein. Von weitem kann manb die am Seil hängenden Gondeln sehen und die verwaiste, einstige Bergstation sogar betreten. Auch das im Mai 2007 wiedereröffnete Gipfelrestaurant wurde nach dem Tode des Eigentümers geschlossen. Die Zahradbahn (Funikolor) liegt ebenso brach. Auch dem Hinweis, dass man das Stalinmuseum in Gori "getrost unbesucht lassen kann" (S. 234) ist in keiner Weise zuzustimmen, denn eine nette, deutschsprachige Dame führte mich nicht nur duch das Museum, sondern gewährte Einblicke in das Geburtshaus und den Salonwagen des Sowjetdiktators. In Gori waren die Bombenschäden des "Kaukasischen Fünftagekrieges" vom August 2008 (S. 127) zum zweiten Jahrestag seines Ausbruchs, an dem eine große Demonstartion stattfand, bereits wieder behoben. Mit umgerechnet 0,83 Euro haben die Benzinpreise noch lange nicht westeuropäisches Niveau erreicht, wie auf Seite 335 ausgeführt wird. Die Strasse von Schuamta nac Tblisi (Karte S. 177, Beschreibung S. 190) ist zur Zeit nicht befahrbar, weil der Gombori-Pass gesperrt ist!
Auf einer Karte des oberen und unteren Kala - einem alten Stadtteil von Tblisi - (S. 134) und im Text (S. 142) werden mit dem Namen Ateschga die Ruinen eines Tempels der Parsen (Feueranbetertempel) vorgestellt. Mein Fahrer, der seit vielen Jahren wenige hundert Meter von diesem Objekt entfert wohnt, wusste nicht, wo er genau liegt. Nachdem ich den einstigen Tempel gefunden und über ein anliegendes Wohnhaus Zugang erlangt hatte, bedankte sich meine Reiseführerin, da auch ihr dieses Objekt aus der persischen Epoche noch nicht bekannt war. Weitere echte Abwechslungen im Hinblick auf die die unzähligen christlichen Kirchen bieten die sunnitische Moschee (Cover & S. 146), die in der Sowjetzeit auch von Schiiten genutzt werden musste, da sie sonst dem Abriß anheim gefallen wäre, sowie die ebenfalls sehenswerte Hauptsynagoge aus dem Jahre 1910 (S. 143). Aus meiner Inaugenscheinnahme vor Ort sind besonders empfehlenswerte Ziele das - an der Georgischen Heeresstrasse gelegene - Klosterfestung Ananuri (S. 203), die alte Hauptstadt Mzcheta mit Sweit Zchoweli (S. 241 ff.) und der Höhlenstadt Uplisziche, sowie das Nationalheiligtum in Ninozminda (S. 179) und die Klosteranlagen von Schuamta (S. 190), Alawerdi (S. 192) und Gremi in Kachetien.
Gut sind auch die lukullischen Empfehlungen, vor allem auf Chinkali /gefüllte Teigtaschen) und die unvermeidlichen Chatschapuri (Käse-Teigtaschen). Dem Hinweis, dass alle Restaurants gut, manche besser und einige unübertrefflich sind (S. 332) kann man ebenso zustimmen, wie der vor Ort gemachten Feststellung, dass unterwegs Wasser aus allen Quellen und Brunnen unbesorgt getrunken werden kann.
Das aktuelleste Reisehandbuch für "Georgien" wird (trotz kleiner Ungereimtheiten) sowohl der wechselhaften Geschichte als auch einer gut (vor)geplanten Individualreise durch das faszinierende Land gerecht. 5 Amazonsterne.