Der aus Estland stammende Paavo Järvi (Sohn des international bekannten Dirigenten Neeme Järvi) gehört zu den gefragtesten Dirigenten seiner Generation. Er studierte Schlagzeug und Dirigieren an der Musikhochschule in seiner Heimatstadt Tallinn und ging 1980 in die USA, wo er sein Studium am Curtis Institute of Music und am Los Angeles Philharmonic Institute bei Leonard ... Lesen Sie mehr im Paavo Järvi-Shop
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2. Kleine Orchestersuite "Jeux d'enfants" (enthält 5 orchestrierte Stücke aus seinem Opus 22, d.i.: 12 Miniaturen für Klavier vierhändig mit dem Titel "Jeux d'enfants")
3. Römische Symphonie
Paavo Järvi ist ein Tausendsassa. Derzeit ist er Chefdirigent, respektive Künstlerischer Leiter dreier Orchester: dem Cincinatti Symphony Orchestra, dem hr-Sinfonieorchester sowie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Järvi ist dabei höchst erfolgreich. Sein Beethoven-Zyklus mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wurde mehrfach preisgekrönt und brachte im Jahr 2010 den Titel "Dirigent des Jahres" und damit einen ECHO KLASSIK ein. Seine Bruckner-und Mahler-Aufnahmen mit dem hr-Sinfonieorchester werden von Kritikern (und Amazon-Rezensenten) ebenfalls sehr gelobt. Ab der Spielzeit 2010/11 wird Järvi zudem Music Director des Orchestre de Paris und damit Nachfolger so klingender Namen wie Herbert von Karajan (1969-71), Sir Georg Solti (1972-75) oder Daniel Barenboim (1975-89). Järvi tritt die direkte Nachfolge von Christoph Eschenbach an, der das Orchester seit dem Jahr 2000 leitete.
Die erste CD dieses neuen Gespanns kommt nun heraus. Järvi und das Orchester widmen sich dabei dem symphonischen Schaffen eines der prominentesten Komponisten Frankreichs, dessen Bekanntschaft hauptsächlich auf der Popularität seiner Oper "Carmen" beruht: Georges Bizet.
Bizets übriges Werk wird vom Erfolg von "Carmen" etwas überschattet.... Die Arlesienne-Suiten werden gerne noch gespielt und "Die Perlenfischer" sind noch leidlich bekannt, ansonsten hängt Bizet aber fast so ein wenig das Image des one-hit-wonders an. Zu Unrecht, wie diese CD beweist. Als 17jähriger schrieb Bizet 1855 seine Symphonie in C-Dur, vermutlich eine Arbeit im Rahmen seines Kompositionsstudiums bei Charles Gounod. Bizet publizierte diese Symphonie nie und bemühte sich auch nicht um ihre Aufführung. Stilistisch erinnert sie an Gounods erste Symphonie, bisweilen wird ihr auch eine Ähnlichkeit zu Schuberts Symphonien zugeschrieben. Für meinen Geschmack ist es in den schnelleren Sätzen einfach eine zwar sehr einfache, aber substanzvolle und sehr mitreißende Musik - insbesondere der 1. Satz gefällt mir persönlich ungeheuer gut.
Paavo Järvi und das Orchestre de Paris bieten eine sehr gute Leistung, an der ich nicht viel auszusetzen habe. Vielleicht wäre es noch eine Spur transparenter gegangen, manchmal erscheinen mir die Bläser eine Spur zu leise (z.B. ab 2:40 im ersten Satz) bzw. die Streicher etwas zu laut und vielleicht auch eine Idee zu vibratoreich (z.B. ab 2:55 im zweiten Satz). Letztlich gefällt mir bei dieser Symphonie die Aufnahme von Neville Marriner mit der ASMF noch eine Spur besser. Die kleine Orchester-Suite "Jeux d'enfants" ist sehr schön. Es handelt sich dabei um die von Bizet selbst vorgenommene Orchestrierung der 5 prominentesten Stücke aus dem gleichnamigen Opus 22: 12 Minaturen für Klavier vierhändig. Fröhliche, abwechslungsreiche, einfache, aber für mein Dafürhalten durchaus gehaltvolle Musik, meines Erachtens durch das Orchester sehr schön dargeboten (aber: ich kannte die Suite davor nicht, habe also keinen Vergleich).
Bizet lebte dank eines Stipendiums, das er als Gewinner des Prix de Rome erhielt 3 Jahre in Rom, seine einzigen Lebensjahre, die er außerhalb von Paris verbrachte . Nach der Abreise aus Rom reiste er nicht direkt zurück nach Paris, sondern er bereiste das übrige Italien und hatte dort die Idee, eine Symphonie zu schreiben, die verschiedene italienische Städte charakterisiert:
Bizet hat sich mit dieser Symphonie sehr lange herumgequält und viel verändert. Das Scherzo wurde 1863 erstmals öffentlich aufgeführt. Es gilt gemeinhin als der am besten gelungene Teil. Die fertige Symphonie wurde im Jahre 1875, bereits nach dem Tode Bizets, uraufgeführt. Der langsame Satz gilt als langweilig, die Ecksätze als etwas pedantisch, wie ich gelesen habe.
Ich persönlich habe diese Symphonie durch diese CD erst kennen gelernt und muss mich erst noch etwas vertrauter mit ihr machen. Mich spricht sie auf Anhieb nicht so an, wie die Symphonie in C dies beim ersten Hören gleich getan hat. Der erste Satz ist schön, mit einer ruhigen, fließenden Einleitung einem kontinuierlichen Spannungsaufbau bis zur Mitte des Satzes, der dramatisch gestaltet ist, woraufhin der Satz langsam abflaut. Das Scherzo ist solide, insbesondere im Mittelteil schöne, einfache Musik, erinnert mich ein wenig an Johann Strauß, wobei ich das nicht weiter begründen könnte (kein Walzer, keine Polka). Der langsame Satz ist sicher nicht spektakulär schön, aber mit "langweilig" für meinen Geschmack übertrieben abqualifiziert. Das Finale braucht etwas zu lange bis es in Gang kommt, ist aber gerade zum Schluss richtig schön.
Da ich die Symphonie für mich neu war, ist es schwieriger die Orchesterleistung zu beurteilen. Aus meiner Sicht machen sie ihre Sache sehr gut, wobei ich auch hier meine, dass es mit der Balance von Streicher zu Bläsern noch etwas besser ginge. Insgesamt eine sehr gelungene CD. 5 Sterne für den Repertoirewert, 4 für Interpretation und Klang.
Es sei noch auf die hervorragende Aufnahme der Symphonie in C (also der ersten Symphonie) durch Neville Marriner Sinfonie C-Dur/Arl.-Suiten (Rl) sei als Alternative hingewiesen.
Das Booklet kann ich nicht bewerten, da ich die Musik per Download erworben habe. Musikhistorisches Wissen habe ich durch die m.E. sehr gelungenen englischen Wikipedia-Einträge zu Bizet ergänzt.Lesen Sie weiter... ›