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Schulbücher & Lernhilfen
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Schon früh war sie von Gerüchten umwittert. Da George Sand unglücklich verheiratet war und die Kluft zu ihrem Ehemann Casimir Dudevant immer unüberbrückbarer wurde, setzte sie die Trennung - eine Scheidung sah das französische Recht nicht vor - durch. Dergestalt aus den Fesseln einer ungeliebten Ehe befreit nahm sie sich das Recht zu zahlreichen Liebschaften mit jüngeren (!) Männern. Da sie nicht einzusehen vermochte, dass einer Frau die persönlichen und beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten eines Mannes vorenthalten bleiben sollten, erregte sie als streitbare Bürgerin mit viel Zivilcourage die Gemüter ihrer Zeit. Sie kämpfte für die bürgerlichen Rechte, nahm aktiv an der Revolution von 1848 teil, setzte sich mit frühsozialistischen Ideen auseinander und legte sich mit Kaiser Napoleon III. an.
George Sand war aber auch eine Frau, der Freundschaften über alles gingen. Der umfangreiche Kreis namhafter Dichter, Musiker, Maler und Gelehrter, mit dem sie nicht nur in Pariser Salons verkehrte, sondern der auch auf ihrem im Süden von Paris in der Landschaft des Berry gelegenen Schloß Nohant ein und aus ging, spiegelt das geistige Panorama einer bewegten Epoche wider. Namen wie Balsac, Flaubert, Heine, Chopin, Liszt, Auguste Charpentier stehen hierfür. So kam es, daß das ihr anhaftende Schreckbild einer ‚émancipatrice', die Hosen trägt und Zigarren raucht, in der Öffentlichkeit allmählich dem versöhnlicheren Bild der 'bonne dame de Nohant' wich.
Der 1966 geborene Literatur- und Musikwissenschaftler Strohmeyr gewährt in 14 Buchkapiteln einen vorzüglichen Einblick nicht nur in das Leben einer außergewöhnlichen Frau, sondern gleichzeitig auch in politisch bewegte Epochen der ersten acht Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Er zeichnet ihr Bild als einer erfolgreichen, überaus produktiven, da disziplinierten Schriftstellerin, einer engagierten Bürgerrechtlerin, warmherzigen Mutter, aber auch einer attraktiven Frau mit Esprit, die es zu allen Zeiten verstanden hat, Männer anzuziehen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, eine umfangreiche und in die Tiefe gehende Auseinandersetzung mit George Sands literarischem Werk, in dem gerne die Begründung eines problematisierenden Frauenromans gesehen wird, enthält Stromeyrs Buch nicht.
Fazit: Der flüssig und verständlich geschriebenen Biographie, die durch eine Auswahlbibliographie, ein 4 seitiges Personenregister und einen 8 seitigen Fototeil abgerundet wird, gebührt ein breiter Leserkreis. Ein Lob gebührt dem Reclam Verlag in Leipzig, der mit ansprechendem Druckbild und einem überaus geschmackvollen Einband das Buch zu einem Schmuckstück gemacht hat.
Armin Strohmeyr erzählt das Leben einer Frau, die als Amantine- Aurore- Lucile Dupin geboren wurde, in ihrer Ehe zur Madame Aurore Dudevant wurde, unter ihrem Pseudonym George Sand Berühmtheit erlangte. Ihre Ehe war ein totaler Fehlschlag. Sie ließ sich nirgendwo hineinpressen. Ihrer Großmutter gelang nicht, sie nach den Erziehungsmethoden des 18. Jahrhunderts zu erziehen. Kinder sah man damals als kleine Erwachsene an, und es geziemte eben einer Dame nicht, freudig herumzuspringen. Die Siezerei ihrer Großmutter empfindet Aurore als Misshandlung. Althergebrachte Konventionen sind für sie bedeutungslos und wird ein Leben in Selbstbestimmtheit führen: Liebschaften eigehen, in Männerkleidung herumlaufen und Zigarren rauchen. Für eine Frau in damaliger Zeit ein "Affront", bemerkt Strohmeyr, und sie selbst sagt "Man hielt mich für sehr bizarr". Sie mischt sich in die Politik des Landes ein und wird aufgrund eines Romans von der Kirche exkommuniziert.
Der Autor tat gut daran, sich nicht in Trivialmythen zu verstricken. Stattdessen wird vorbildlich erläutert, wie Mythen einer "femme fatale" usw.entstanden und Georg Sand angehängt wurden. Besonders gerne habe ich die Kapitel ihrer Liebschaften mit Alfred de Musset und Chopin gelesen und ihren Niederschlag in der Literatur. Größere Verwunderung aber darüber, dass wir über George Sands literarischem Werk sonst nur verhältnismäßig knapp, nur in Grundzügen informiert werden. Schade, war sie doch eine Vielschreiberin und hat zudem eine kaum übersehbare Menge von Briefen hinterlassen. Natürlich erfahren wir - etwas - über die frühen Romanerfolge "Indiana" und "Lélia", in denen sie ihre "desillusionierenden Eheerlebnisse" eingearbeitet hat, über die Bedeutung ihrer Dorfromane. Über "Nanon" nur ein Vermerk, ganz lapidar: "Keine Meisterwerke mehr, allenfalls >Nanon< (1872), ein historischer Roman über die französische Revolution, sticht heraus." (mehr nicht!). Umso mehr erfahren wir in mehreren Kapiteln über George Sands politischem Engagement.
Für ein erstes Herantasten an die große französische Dame ist diese Biografie durchaus geeignet.
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