Was sind Lügen, was ist Unehrlichkeit, was ist verzeihliche (zumindest in der eigenen Gruppe tolerierte) parteiliche Rhetorik? Mit rhetorischen Tricks wie "I am a uniter, not a divider" ("ich bin ein Vereiniger, nicht ein Teiler") gelang es George W. Bush, geschickt Gegenstimmen auszubremsen, Nachdenkliche ins Abseits zu drängen, die Menge jedoch zu festigen, die vor Teilungen eine infantile Angst hat: weil eine solche den Mut zum streckenweisen Alleingang ja erfordert, den leider nur wenige haben. Bush hat zwar keine Massen-Vernichtungswaffen im Irak gefunden, aber er hat statt dessen die Liberalität des öffentlichen, furchtlosen Diskutierens massakriert: mit Vorführung des Tatbestandes, dass, wer einmal an der Macht ist, alles durchdrücken kann, ob es auf vernünftigen Überlegungen beruht oder auf frommen Glauben, ob auf Bierlaune oder weit vorausschauender Planungsfähigkeit. Bush wird wohl nicht als der ehrenhafteste, informierteste Präsident der Vereinigten Staaten in die Geschichtsbücher eingehen; sein kleines Pech. Der eigentlich viel betrüblichere Tatbestand ist aber der, dass informiertere Kreise sich weder in der Partei-Arbeit noch in der Verwaltung, weder bei den Wählern noch im Journalismus effektiv und geachtet durchsetzen konnten. Corn nennt als Belege für "Lügen": (1) Bushs tatsächlich ganz unheroische militärische Vergangenheit (er wurde nicht - wie behauptet - von der Rekrutierungsbehörde als besonders kampfstark eingestuft) oder (2) die Bushschen Pirouetten-Drehungen angesichts des Kyoto-Protokolls: Seiner anfänglichen Zusicherung, CO2-Ausstrahlungen zu reduzieren, folgte anschließend die Taktik, solche Bemühungen zu titulieren als wissenschaftlich nicht haltbar und im Grunde ineffizient (zur Freude aller Autofahrer und Öl-Aktionäre)...