Was Kritik ist? - „Je schlechter, umso mehr freu'n sich die Leut!"
Folgt man den Worten Georg Kreislers, so kann eine Rezension seiner „Everblacks" nicht eben zum Gaudium des Publikums beitragen, denn sie ist nichts als dankbarer, kindischer Jubel.
Sie ist Ausdruck kindischer Freude über die zuversichtliche Resignation des weisen Kabarettisten, über die boshafte Lieblichkeit seiner Strophen, die Virtuosität der Taktlosigkeiten im -Takt und das poetische Flügelspiel auf dem gewienerten Instrument - zu einer weiteren Bewertung der musikalischen Leistung mag ich mich nicht versteigen, obwohl ich die von Kreisler postulierten Qualifikationserfordernisse für Musikkritiker weitgehend erfülle.
Ausdruck gibt die Rezension einem tief empfundenen Dank für das Berühren persönlichster Untiefen. Wem wird es nicht warm um's Herz, wenn der Zirkus in Flammen steht, wem geht's nicht an die Wanderniere, wenn Kreisler vom guaten alten Franz oder dem Mütterlein singt, wer gedenkt nicht angesichts des Mädchens mit den drei blauen Augen oder beim Genuss von „Bidla Buh" seiner Verflossenen.
Die Rezension ist schließlich Ausdruck des Jubels über das Mitgefühlte, das Mitgefürchtete, das Mitgeahnte und das nie Verstandene. Über die Ästhetik des Unschönen und die Bescheidenheit des Niveauvollen.
„Everblacks" ist mein Klassiker! Ratgeber in Liebesdingen, Wegweiser in Beruf und Politik, Halt im Alter, Offenbarung in intellektuellen Notlagen, surrealistischer Spiegel für ein wirklichkeitsgetreues Weltbild.