Ich habe mir das Buch eigentlich nur aus einem Grund zugelegt: ich wollte den von mir hochverehrten Dichter Georg Heym einmal als Menschen kennenlernen. Diesem Anspruch wird diese Biographie meines Erachtens leider nicht gerecht. Größtenteils scheint es dem Autor darum zu gehen, Heyms Leben als Paralelleismus zur Entwicklung des Expressionismus zu erforschen. Dies mag durchaus hohen literaturwissenschaffentlichen Wert haben und es gelingt auch größtenteils, aber der Mensch Georg Heym-seine Gefühle, Beziehungen, Ängste, Liebschaften und Inspirationen-werden meist nur lieblos(und im Interesse des Themas)angschnitten. Heyms Lebensdaten werden mechanisch am Beginn jeden Kapitels heruntergeschrieben, man verliert bald die Lust am Lesen der ersten Seite eines jeden Kapitels.
Weiterhin erweist sich der Autor des Buches als Fremdwortfanatiker. Fast jeder zweite Satz beinhaltet ein lateinisches Wortmonstrum, welches den Lesefluss (Für alle Nicht-Literaturwissenschaftler!) ungemein behindert. Das Buch wird dadurch keinesfalls unlesbar, es wird mit der Zeit nur unheimlich anstrengend.
Ansonsten ist es unheimlich kompetent, es gibt viele Zitate bedeutender Dichter (z.B. Gottfried Benn) und man bekommt einen wirkliche guten Eindruck in die expressionistische Gedankenwelt. Vor allem die Hürde der öffenlichen Maske, die Heym stets trug, wird gut beleuchtet.
Ich gebe daher 3 Sterne für den umfangreichen Informationsgehalt des Buches und die sachliche Kompetenz des Autors (denn beides ist unumstritten vorhanden). Es ist für Heym-Fans und Literaten auf jeden Fall zu empfehlen. Wegen des (von mir freilich unterstellten) fehlenden Tiefblicks in den Menschen Georg Heym (und darauf kommt es in einer Biografie nun einmal an) und die zum Teil unnötige Erschwerung des Lesens durch Fremdwörter ziehe ich zwei Sterne ab.