Schnädelbachs Einführung in Hegels Philosophie ist ausgesprochen gut nachvollziehbar und hilft bei dem Versuch, Hegel zu verstehen. Zu Beginn erklärt Schnädelbach die "spekulative Grundfigur" der Identität von Identität und Nichtidentität, wodurch Hegels Dialektik sehr viel besser zu erfassen ist als etwa durch die Folge von These, Antithese und Synthese. Damit steht am Anfang des Buchs eine Antwort auf die Frage, die wohl jeden umtreibt, der beschlossen hat, sich mit Hegel zu befassen: was ist die Dialektik? Kurz werden die Philosophen gewürdigt, die mit Hinblick auf das spekulative Denken als Vordenker Hegels gelten können. Der Großteil des Buchs behandelt schließlich die wichtigsten Werke des Schwaben, von der Phänomenologie des Geistes bis zu den Grundlinien der Philosophie des Rechts, wobei gelegentlich auf die Anwendungen der "spekulativen Grundfigur" hingewiesen wird. Damit wird der Absolutheitsanspruch des Hegelschen Denkens reflektiert, ohne dass der aussichtslose Versuch unternommen wird, ihm gerecht zu werden. Schnädelbachs Sprache bleibt stets klar und verständlich, ohne dadurch die Gedanken Hegels zu sehr zu vereinfachen. Sowohl Leser, die sich mit Hegel noch gar nicht auskennen, als auch solche, die schon ein bisschen was von ihm und über ihn gelesen haben, dürften diesen Junius-Band mit Gewinn lesen.