Händel-Arien sind immer umwerfend, weil sie die Seele tief ergreifen. Aber man kann sie verhunzen, und die eigene Seele antwortet nicht. Händel hätte nie diesen kosmischen Erfolg schon zu Lebzeiten und bis heute, wenn er mit mittelmäßigen Sängern lasche Aufführungen geboten hätte. Leidenschaft, Passion, Musiker, die alles geben, reißen das Publikum mit.
Das Orchester spielt differenziert, durchsichtig, mit Können wie gleichermaßen Gefühl.
Kobie van Rensburg ist für mich eine Enttäuschung. Die Stimme ist natürlich tadellos, aber die Seele berührt der Mann nicht im geringsten. Das zauberhafte Where'er you walk wird unerträglich schmalzig, wenn "auf Gefühl gemacht" wird. Das bringt Bryan Terfel ganz anders! Athalia: Gentle airs ist nur langsam, nichts mehr. Die Stimme scheint nicht wandlungsfähig und beschränkt sich auf laut (All'armi o guerrieri) oder leise. Die Texte spielen weiter keine Rolle, vielleicht versteht er sie ja nicht? Kraftvoll kann er schon singen, da schwächelt nichts, aber es klingt alles nur schulmäßig perfekt.
Auf Total eclipse muß man doch mehr als gespannt sein. Aber was kommt? Brav, brav, alles sehr schön gesungen: "No sun" forte, "no moon" piano. Nein, das ist nur noch ärgerlich; da singt keiner, der schon gelitten hätte, dessen eigene Seele in Höhen und Tiefen des Lebens geschleudert worden wäre. Das alles wird Händels Genie und vor allem seiner seelischen Größe in keiner Weise gerecht, sondern es ist eine langweilige Sache. Zum Vergleich fällt mir David Daniels ein (Counter) in seiner leidenschaftlichen David-Interpretation von "O Lord, whose mercies numberless" oder "Eternal source of light devine" von Kathleen Battle gesungen, oder der ganze Jephta von Markus Creed. Bei denen (und vielen mehr) wären Händel selbst die Tränen gekommen.